Fünf Dinge über den Ehekrach

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Streit tut gut. Versöhnen auch.
Foto: Laurent Hamels, fotolia

Beziehungsstreit

"Liebling, wo liegt noch mal der Ehevertrag?" Auch in einer Ehe gelten besondere Zank−Regeln. Die Familie mischt sich plötzlich ein, irgendwas war da doch auch noch mit den schlechten Zeiten − und die Streit−Themen sind auch andere als am Anfang.

1. Wer wütend ist, ist unkonzentriert:"Wenn der Partner versucht, von einem Problem abzulenken, indem er ein anderes anspricht, unbedingt stur bleiben und wieder auf das Thema zurückkommen", rät die Streitexpertin Saskia Dürr.

Das heißt nicht, den Ärger des Partners zu übergehen. Man verhindert, dass die Diskussion eskaliert. Etwas, das vor allem Frauen gerne provozieren. "Sie neigen oft dazu, die Dinge künstlich zu verschlimmern. Wegen eines nicht heruntergebrachten Mülleimers sollte man aber nicht gleich die Ehe in Frage stellen."

2. Den anderen versuchen mit liebevollen Augen zu betrachten:Beide sollten nicht vergessen, dass ihnen mit ihrem Ehepartner zwar ein seit Jahren vertrauter, aber eben doch ein individueller Mensch gegenübersteht − Missverständnisse gibt es selbst dann noch, wenn man jede einzelne Sommersprosse des Partners kennt. Die Gewissheit, dass die Liebe auch dann vorhanden ist, wenn es kracht, hilft dabei, nicht in jedem gesagten Satz eine Gemeinheit zu sehen.

"Wenn ein Ehepaar liebevoll miteinander umgeht und sich im Alltag Komplimente macht, dann lässt es sich auch gegenseitig mehr Fehler durchgehen und glaubt eher an ein Missverständnis, als an die Schuld des anderen", sagt Saskia Dürr. Dann darf die Socke auch noch zwei weitere Tage neben dem Bett liegen bleiben. So, wie es am Anfang war, als man sich kennenlernte. Und beschloss, den anderen zu lieben. Mit all seinen Fehlern. Und für immer.

3. Das verflixte siebte Jahr ist schon da:Eigentlich ist es das vierte, in dem die meisten Ehen auseinandergehen, hat die Anthropologin Helen Fisher herausgefunden. Nämlich dann, wenn der Nachwuchs (ob vorhanden oder nicht), aus dem Gröbsten raus und damit die biologische Pflicht einer Beziehung erfüllt ist. Viele fangen an, ihre Partnerschaft zu überdenken. Wer nicht verheiratet ist, mag dann schon aufgeben. Aber eine Ehe zu führen, heißt auch, sich mit einem gewissen Maß an Streitereien einverstanden zu erklären. Bevor einer von beiden die Frage stellt "Schatz, wo liegt noch mal der Ehevertrag?", müssen schon einige Schlachten ausgestanden worden sein.

4. Streiten tut weh, ist aber auch ein Zeichen von Nähe:"Wir streiten uns nur mit den Menschen wiederholt, die uns emotional etwas bedeuten", sagt Saskia Dürr, Leiterin des Instituts für Business und Gender Rhetorik in München. "Gleichzeitig sorgt ein gut gelöster Streit aber auch für mehr Nähe und Vertrautheit."

5. Es geht nicht um Haare im Abfluß:"Missverständnisse und der falsche Glauben, man selbst hätte die Situation durchschaut, sind die häufigsten Streitthemen in Partnerschaften", sagt Streitexpertin Dürr. Meistens ginge es um Nichtigkeiten. "In Wirklichkeit steht aber enttäuschte Liebe dahinter."

Der US−Psychologe Alan Sillars fand heraus, dass die Bereitschaft, sich in den anderen hineinzuversetzen, oft schon im Frühstadium der Ehe nachlässt. Sie fühlt sich nicht mehr so wertgeschätzt, er sich nicht mehr ernst genommen. Statt darüber zu reden, geht es plötzlich um die Milch, die schon wieder alle ist, oder die offene Zahnpasta.

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