Für den guten Zweck?

fuer den guten zweck

Prinzip Charity

Charity-Aktivitäten gehören in Promikreisen zum guten Ton. Doch wie ernst ist das Engagement der Stars zu nehmen? Wollen sie wirklich uneigennützig Gutes tun, oder ist ihre Selbstlosigkeit nur eine PR-Masche?

Weihnachten steht vor der Tür, es ist - alle Jahre wieder - Hochsaison für Wohltätigkeit. TV-Sender und Radiostationen überschlagen sich mit Spendenaktionen und Benefiz-Veranstaltungen. Sarah Connor schenkt uns ein ernstes Lächeln für ein Handy, das ein kleines bisschen auch KOMEN e.V., einer Organisation zur Heilung von Brustkrebs, zugutekommt. Unzählige Geschenkideen buhlen um die Gunst der Käufer, da ist das gute Gewissen, das man beim Kauf eines Charity-Produktes gleich mit erwirbt, ein echtes Argument. Promis spenden Kleidung, Requisiten oder Erlebnisse, die meistbietend und wohltätig versteigert werden, sei es ein selbst genähtes T-Shirt von Sarah Kuttner oder eine kleine Rolle im nächsten Til-Schweiger-Film.

Wer kann, der gibt, damit die Armen und Kranken profitieren. Ist das wirklich so? Fakt ist: je höher das Staraufgebot, desto höher die Medienaufmerksamkeit. Mittlerweile hat sich eine ganzjährige Wohltätigkeitsindustrie entwickelt, von dessen Nutzen viele etwas abhaben wollen. Das Konzept heißt "Attention based charity". Ohne die medienwirksame Einbindung von Promis würde das soziale Engagement der High Society vermutlich im Sande verlaufen. Tue Gutes und rede darüber - nur: Ohne Berichterstattung würde wohl kaum jemand zuhören.

Und jeder Star und jeder, der noch einer werden will, weiß, dass die Selbstvermarktung gar nicht intensiv genug betrieben werden kann. Jeder rote Teppich sollte also schon aus Karrieregründen unbedingt abgeschritten werden, da kommen die vielen Charity-Events gerade recht!

Aber es gibt auch Beispiele von Promis, die mehr tun, als sich nur auf Benefiz-Parties herumzudrücken. Unangefochten dürfen wohl Bob Geldof oder Bono als Überzeugungstäter verstanden werden. Geldof trommelte 1984 Kollegen für den Benefiz-Song "Do They Know It's Christmas Time" (hoppla, Weihnachtszeit) und organisierte im Folgejahr mit dem "Live Aid"-Konzert die Mutter aller Charity-Events. Auf den Zug der Benefiz-Songs sprangen später noch viele andere auf, sei es für Afrika oder auch für die Opfer des Hurrikans Katrina. Millionenfachen Absatz fanden die Platten wohl kaum wegen der großen musikalischen Brillanz, sondern weil sie uns Käufern das Gefühl geben, teilzuhaben an dem, was unsere Idole für gut befunden haben. Und Bono, Frontmann von U2, ist mittlerweile weniger als politisch engagierter Rockstar, sondern eher als singender Politiker unterwegs.

Wenn es also um mehr geht, als einen getragenen Hut zu stiften oder einen halben Tag im Ton- oder Fotostudio zu verbringen, dann ist echtes ehrenamtliches Engagement im Spiel. Da reihen sich prominente UNICEF-Botschafter ebenso ein wie die Paten des diesjährigen Welt-Aids-Tages, Rapper Samy Deluxe, Eisschnellläuferin Anni Friesinger, Schauspielerin Christiane Paul und Fußballer Philipp Lahm, die nicht nur auf Plakaten für Aids-Aufklärung werben, sondern auch bei vielen weiteren Gelegenheiten für die gute Sache eintreten - ohne Honorar, versteht sich. Darüber zu berichten ist nicht verwerflich, sondern rückt wie gewünscht das Licht der Aufmerksamkeit auf Missstände in dieser Welt.

Internationale Stars dieser Szene sind mit Sicherheit Sharon Stone, die kaum eine Gelegenheit auslässt, als Spendensammlerin aufzutreten und schon mal einen leidenschaftlichen Kuss für 50.000 Dollar versteigert hat, aber auch George Clooney mit seinem Engagement für die afrikanische Krisenregion Darfur, Bill Clinton und seine Clinton Foundation oder Adoptiveltern wie Madonna oder Angelina Jolie und Brad Pitt, die allesamt mehr tun, als nur ihr Gesicht vor die Kameras zu halten. Ob die kürzlich von Nicole Richie und ihrem zukünftigen Rocker-Gatten Joel Madden gegründete Wohltätigkeitsaktion zum Wohle der Kinder wirklich hält, was sie verspricht, wird sich erst noch herausstellen.

Ohne Promis funktioniert das Prinzip Charity nicht. Vielleicht ist das Engagement, mit dem sich die Stars schmücken, nicht immer ganz uneigennützig. Aber Hauptsache ist, dass einige darunter sind, die tatsächlich etwas tun. Wen kümmert's also, wenn am Ende Gutes dabei herauskommt?

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