Gardasee: Allein unterwegs an der Westküste

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Von Felsen umschlungen - hinter jeder Kurve der serpentinenreichen Uferstraßen vom Gardasee wartet ein neuer spektakulärer Ausblick.
Foto: © Fotito - Fotolia.com

Italien

Lesen, reden, essen, faulenzen - nur wenn ich es will. Das geht am besten allein. Und an einem Ort, den man schon kennt. So hatte ich es mir für meinen dreitägigen Kurzurlaub am Gardasee vorgenommen, der mich dieses Mal an die stillere Westküste führen sollte, nachdem ich vor einem Jahr die sonnenverwöhnte Ostküste erkundet hatte. Das Einzige, was ich vorher geplant hatte, waren der Flug, Mietwagen und eine günstige Bed-and-Breakfast-Unterkunft.

Ein Zimmer mit Aussicht - und alles andere als einsam

Als ich von Norden kommend über den Berg fahre, glitzert mir schon verheißungsvoll der See in schönstem Türkis entgegen. Im Bed and Breakfast "Le Brede" bei Toscolano-Maderno erwarten mich meine Herbergseltern Anna und Mauro mit ihrem Berner Sennenhund Zingaro.

Ihr Haus ( www.lebrede.com ) liegt an einen Olivenhain geschmiegt bei einem Golfplatz, etwa zwei Kilometer von der Küste entfernt. Herrlich ruhig ist es hier, der Ausblick vom geräumigen Zimmer fantastisch - da ist es mir egal, dass Anna und Mauro kein Englisch sprechen - und ich kein Italienisch. Immerhin verstehe ich ihren Restaurant-Tipp: Das "La Sosta" in der Via Cecina 79 bietet unverfälschte Küche bester Qualität zum günstigen Preis. Ein bisschen einsam fühle ich mich schon an meinem Tisch, weil ich mit niemandem meine Erlebnisse teilen kann.

Anna und Mauro sitzen bei meiner Rückkehr noch auf der Terrasse. Und dann verbringen wir fröhliche Stunden, obwohl keiner die Sprache des anderen versteht. Wo Worte nicht reichen, malen wir und suchen im Internet nach Übersetzungen. Nach zwei Stunden gestikulieren und Gelächter schlummere ich selig ein.

Gestärkt von Annas liebevollem und reichlichem Frühstück mit Selbstgebackenem fahre ich zunächst Richtung Norden in das kleine Städtchen Limone sul Garda, dessen verwinkelte Häuser terrassenförmig an den Fels geklebt sind. Alles wirkt winzig, selbst das Hafenbecken, in dem Fischerboote dümpeln. Bis zum frühen Abend schieben sich Tagesausflügler durch die malerischen Gassen, deren Haustüren mit Keramikzitronen geschmückt sind. Erst am späten Nachmittag legt sich Stille über das Örtchen. Doch da sitze ich schon wieder fernab allen Trubels auf "Le Brede", Zingaro schnarcht zu meinen Füßen.

Wie im Märchen fühle ich mich beim Besuch des botanischen Gartens der André-Heller-Stiftung ( www.hellergarden.com ) in Gardone Riviera. Auf der verwunschenen Anlage schlendere ich über Bodenmosaiken, zwischen gut 2.000 verschiedenen Pflanzen und fröhlichen Skulpturen - ein Traum.

Dann geht es über die imperiale Promenade von Salò mit ihren verführerischen Geschäften. Ich widerstehe, denn mich holt die Erinnerung an mein Lieblingsziel auf der Ostseite ein. Mit der Autofähre setze ich von Toscolano-Maderno nach Torri del Benaco über und fahre zum Punta San Vigilio. Die Taverne auf dieser kleinen Landzunge bietet unter einer weinbewachsenen Pergola einen atemberaubenden Blick über den hier breiter werdenden Gardasee.

Das Essen ist zwar teuer, aber für einen leckeren Campari reicht das Urlaubsbudget allemal ( www.locanda-sanvigilio.it ).

Am letzten Tag erst - leider - entdecke ich Gargnano, einen verträumten und stillen Fischerort. Ich sitze unweit des Hafenbeckens auf der Holzterrasse eines Cafés an der Albergo Gargnano, unter mir schlagen die Wellen ans Ufer. Am Tisch neben mir ein nettes Paar aus Köln, mit dem ich sofort ins Gespräch komme und mich für das Abendessen verabrede.

Wäre ich zu zweit unterwegs gewesen, hätte ich diese spontanen Überraschungen nicht erlebt - denn schließlich war nichts geplant. Aber ein Plan steht: Im November fahre ich zurück an die Westküste zur Olivenernte. Bis dahin lernen Anna und Mauro Englisch - und ich Italienisch.

Infos & Tipps

Während sich an der Küstenstraße im Osten des Gardasees ein hübscher Ort mit kieseligen Stränden an den anderen reiht, liegen die Städtchen im Westen etwas versteckter - dafür herrscht hier nicht so viel Trubel. Alle paar Kilometer findet sich eine Badebucht.

Beste Reisezeit

Am Gardasee herrschen von April bis Oktober angenehme Temperaturen bis an die 20 Grad.

Gut hinkommen

Flüge nach München oder Innsbruck ab ca. 170 Euro mit Lufthansa oder Air Berlin. Weiter mit dem Leihwagen ab 200 Euro/Woche, z. B. auf www.autoeurope.de.

Vor Ort

Fährverbindungen mit und ohne Auto (nur Englisch/Italienisch) finden Sie auf www.navigazionelaghi.it

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