Garten als Medizin?

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Wichtig bei der Gartenarbeit: Machen Sie alles in Ruhe, und gönnen Sie sich öfter eine Pause
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Wohlfühl-Welt

Internationale Studien beweisen: "Der kürzeste Weg zu Ihrer Gesundheit führt in den Garten." - Das sagt der bekannte Fitness-Experte Professor Thomas Wessinghage. Und: "Ein Nachmittag Gärtnern macht Sie so fit wie eine Woche Wellness-Anwendungen."

Nie war die Lust am Garten so groß wie heute: Kleingarten-Vereine haben neuen Zulauf, besonders von jungen Familien, und immer mehr Vorgärten in den Städten werden liebevoll gepflegt. "Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung", sagt der bekannte Fitness-Experte Professor Dr. Thomas Wessinghage (57), Ärztlicher Direktor der Reha-Kliniken der Medical-Park-Gruppe im Tegernseer Tal.

"Die Menschen spüren einfach, wie gut es ihnen tut, den Garten zu pflegen. Und internationale Studien bestätigen inzwischen, wie gesund Gärtnern für Körper und Seele tatsächlich ist." Die wichtigsten Ergebnisse: Gartenarbeit fördert den Muskelaufbau, stärkt die Knochen, das Immunsystem, das Herz, und es tut auch der Haut gut.

Mehr Muskeln

"Säen, jäten, Pflanzen eingraben, den Rasen mähen, Laub harken - Gärtnern ist ein äußerst vielseitiges und richtig sportliches Training", erklärt der Experte. "Die Muskeln werden gedehnt, etwa wie bei der Gymnastik, wenn man sich beim Unkrautzupfen richtig bückt oder wenn man sich beim Pflücken kräftig streckt.

Sie werden beansprucht wie beim Krafttraining, wenn man etwa harkt oder umgräbt. All das baut die Muskeln auf. Eine starke Muskulatur vor allem im Rücken und im Bauch schützt zum Beispiel effektiv vor Rückenbeschwerden." Außerdem steigt die Durchblutung, der gesamte Organismus wird sehr gut mit Sauerstoff versorgt.

Feste Knochen

Medizin-Forscher der Staatsuniversität Arkansas in den USA fanden heraus: Regelmäßige Arbeit im Garten schützt vor Osteoporose (Knochenschwund). Frauen über 50, die mindestens einmal pro Woche gärtnern, haben sogar eine höhere Knochendichte als sportliche Gleichaltrige, die regelmäßig joggen, walken oder schwimmen.

"Das ist wiederum ein positiver Effekt von starken Muskeln", erklärt Professor Thomas Wessinghage. "Sie biegen die Knochen effektiver. Diese Bewegung regt den Stoffwechsel in den Knochen an. Sie können mehr stabilisierendes Kalzium aufnehmen."

Viel Vitamin D verstärkt diesen Vorgang. Das Vitamin ist nötig, damit der Körper Kalzium in die Knochen einlagern kann. Unsere Haut bildet Vitamin D mit Hilfe von Sonnenlicht. Professor Wessinghage: "Je öfter man draußen arbeitet, desto mehr Vitamin D zirkuliert im Blut."

Effektive Abwehr

"Man erlebt den Garten als Quelle der Ruhe und Entspannung. Das senkt das Stresshormon Cortisol. Auch Bewegung verringert den Cortisol-Spiegel im Blut. Unser Immunsystem dankt es uns, denn zu viel von dem Stresshormon schwächt auf Dauer die Abwehr", sagt Professor Wessinghage.

"Und weil die Gartenarbeit die Durchblutung im ganzen Körper steigert, kann er Nährstoffe und notwendige Aufbaustoffe für wichtige Abwehrzellen besser nutzen." Gärtnern erhöht also die Zahl der Zellen, die Bakterien, Viren und Pilze ausfindig machen und abtöten.

Starkes Herz

Große Untersuchungen beweisen: Schon etwa 50 Minuten Gartenarbeit schützen unser Herz. Denn die abwechslungsreiche körperliche Tätigkeit fördert das gute HDL-Cholesterin. Diese Art Cholesterin hilft, die Innenwände der Schlagadern von Ablagerungen freizuhalten. "Das senkt das Risiko für Arterienverkalkung und Blutgerinnsel", erklärt der Fitness-Experte.

Außerdem schützen täglich etwa 30 Minuten kräftige Aktivität im Garten schon vor Diabetes. Denn beim Gärtnern nehmen die Zellen des Körpers reichlich Zucker auf. Das senkt die Gefahr, dass zu viel Blutzucker auf Dauer die Adern schädigt. "Natürlich stärkt die Bewegung auch den Herzmuskel", sagt der Fitness-Experte. "Deshalb schützt Gartenarbeit das Herz sozusagen gleich dreifach."

Schöne Haut

Hautärzte stellten fest: Die UV-Strahlen und der blaue Anteil im Sonnnenlicht wirken entzündungshemmend. Das kann Ekzeme, Schuppenflechte, Neurodermitis und Akne lindern. "Häufig ist das Hautbild im Sommer bei Betroffenen besser", sagt Professor Wessinghage.

"Aber es kommt auf die Dosis an. Zu viel Sonnenlicht ist schädlich. Bevor man bei heller Sonne in den Garten geht, sollte man die freien Hautstellen immer großzügig mit einer guten Schutzlotion oder -creme einreiben."

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