Gebärmutterentfernung: Wann sinnvoll, wann nicht?

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Gebärmutter-Entfernung: Wann sinnvoll, wann nicht?
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Viele Frauen sind verunsichert

Gebärmutterentfernung: Wann sinnvoll, wann nicht? Expertin Dr. Christiane Niehues erklärt die OP und ihre Alternativen.

Wir haben bei Dr. Christiane Niehues (50), Chefärztin der Gynäkologischen Abteilung der Rehabilitationsklinik in Bad Salzuflen, nachgefragt.

Wann muss die Gebärmutter entfernt werden?

Es gibt zwei Indikationen (so lautet das Fachwort für medizinische Gründe), bei denen eine Entfernung unumgänglich ist. Erstens, wenn die Eileiter so schwer entzündet sind, dass eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung droht. Und zweitens, wenn die Gebärmutter oder die Eierstöcke von Krebs befallen sind. Eine Ausnahme hierbei ist der Gebärmutterhalskrebs. Durch regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen beim Frauenarzt (Pap-Abstrich) kann er in einem sehr frühen Stadium entdeckt und gebärmuttererhaltend behandelt werden. Vorstufen davon heilen oft sogar von allein aus, man sollte sie lediglich regelmäßig vom Arzt untersuchen lassen.

Gibt es darüber hinaus noch andere Gründe?

Ja. Viel häufiger als Eileiter-Entzündungen und Krebs sind Indikationen, bei denen die Gebärmutter-Entfernung zwar angebracht sein kann, aber nicht zwingend erforderlich ist. Dazu gehören z. B.: Gutartige Geschwulste beziehungsweise Wucherungen der Gebärmutter-Muskulatur (Myome) oder -Schleimhaut (z. B. Polypen, Endometrios ). Blutungsstörungen (zu häufig, zu stark, und/oder extrem schmerzhaft).Senkungen der Gebärmutter oder Blase. In all diesen Fällen sollte die Gebärmutter nur dann entfernt werden, wenn die betroffenen Frauen sehr stark unter den Beschwerden leiden und alternative Behandlungsmöglichkeiten nicht helfen.

Welche Alternativen gibt es zu der Entfernung?

Das hängt ganz von der Ursache, Art und Stärke der Beschwerden ab. Myome müssen nicht behandelt werden, wenn sie keine Beschwerden verursachen. Man beobachtet sie dann aber regelmäßig.Falls sie zu Beschwerden führen, gibt es verschiedene, schonende Operationsmethoden, bei denen einzelne Myome ausgeschält werden - entweder mittels Bauchschnitt, Bauch- oder Gebärmutterspiegelung. Eine neuere Methode ist die Embolisation. Hier werden Mini-Kügelchen in die Gefäße gespritzt, die das Myom mit Blut versorgen. Das hemmt die Blutzufuhr, das Myom stirbt ab. Bei hormonell bedingten Blutungsstörungen hilft es den betroffenen Frauen oft schon, wenn sie eine leichte Antibabypille oder andere Hormonpräparate einnehmen. Diese normalisieren die Periode wieder. Auch pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer-Präparate oder Frauenmantel-Tee lindern die Beschwerden. Zur Abklärung der Ursache ist es oftmals sinnvoll, die Schleimhaut auszuschaben und das Gewebe zu untersuchen. Mit dieser Methode können auch Polypen entfernt werden. Die Schleimhaut bildet sich anschließend wieder neu. In hartnäckigen Fällen wird die Gebärmutterschleimhaut verödet.

Bei Blasen- oder Gebärmuttersenkungen ist das wichtigste Mittel zunächst Beckenbodentraining. Kurse bieten Kassen, VHS oder Physiotherapeuten an. Operativ kann das Bindegewebe gestrafft und angehoben werden.

Wie wird die Gebärmutter entfernt, falls es nötig ist?

Die Gebärmutter wird entweder per Bauchschnitt (abdominal), Bauchspiegelung (laparoskopisch) oder durch die Scheide (vaginal) entfernt. Je nachdem, welche Organe betroffen sind, werden dabei nur die Gebärmutter (inzwischen teils ohne Gebärmutterhals) oder auch die Eierstöcke entfernt. Die Bauchspiegelung ist eher ein kleiner Eingriff, daher immer beliebter. Bei Krebs wird in der Regel per Bauchschnitt operiert. Abhängig von der OP bleibt man ca. 5 bis 10 Tage im Krankenhaus und ist anschließend ca. 4 bis 6 Wochen krankgeschrieben.

Welche Folgen kann die Operation haben?

Das ist sehr unterschiedlich. Zu schweren Komplikationen kommt es nur selten, deshalb wird die Operation auch gern als Routine-OP bezeichnet. Allerdings ist es durchaus ein großer Eingriff. Immerhin wird ein Organ aus seiner Umgebung herausgeschält und von anderen Organen abgetrennt. In den ersten sechs bis neun Monaten nach der OP sind daher Beschwerden wie Schmerzen, Darm- oder Blasenprobleme durchaus normal.Oft fühlen sich Frauen in dieser Zeit auch schlapp und leiden unter Stimmungsschwankungen. Man darf nicht vergessen: Die Gebärmutterentfernung führt bei etlichen Frauen zu einem frühzeitigen Einsetzen der Wechseljahre. Eine OP sollte daher immer eine wohl überlegte Entscheidung sein!

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