Krebs-VorsorgeGebärmutterhalskrebs-Vorsorge: Impfung, Pap-Abstrich oder HPV-Test - was jede Frau dazu wissen muss

Gebärmutterhalskrebs kann tödlich sein. Wer regelmäßig zur Vorsorge geht, hat allerdings gute Chancen, eine Erkrankung so frühzeitig zu erkennen, dass der Krebs gestoppt werden kann.
Jedes Jahr erkranken tausende Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. Doch mit regelmäßiger Vorsorge kann diese Krebsart so früh erkannt werden, dass sie komplett gestoppt werden kann.
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Inhalt
  1. Verändertes Test-Angebot ab 2017: Was jede Frau jetzt zur Krebs-Vorsorge wissen muss!
  2. Pap-Abstrich oder HPV-Test?
  3. Nachteile des Pap-Abstrichs
  4. Nachteile des HPV-Tests
  5. Pap-Abstrich und HPV-Test: Kombination bietet die größte Sicherheit!
  6. Experten warnen vor schlechtem Studien-Design
  7. Tausende Frauen könnten unnötigerweise erkranken
  8. Unbedingt jährlich zur Vorsorge gehen!
  9. Pap-Abstrich oder HPV-Test – welche Methode ist sicherer?
  10. Wie gut schützt eine Impfung vor Gebärmutterhalskrebs?
  11. Wie teuer wäre eine Kombination von Pap-Abstrich und HPV-Test?

Verändertes Test-Angebot ab 2017: Was jede Frau jetzt zur Krebs-Vorsorge wissen muss!

Jedes Jahr erkranken etwa 4600 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. 1500 bis 1600 Frauen sterben daran. Voraussetzung für die Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses ist eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV), die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Fast jede Frau steckt sich irgendwann in ihrem Leben mit solchen Viren an, meist können sie vom Immunsystem erfolgreich bekämpft werden. Aus dauerhaften Infektionen können sich jedoch Krebsvorstufen entwickeln, aus den Vorstufen frühe Krebsstadien und schließlich aggressive Krebsstadien, die lebensbedrohlich sind.

Dabei ist Gebärmutterhalskrebs eine der wenigen Krebsarten, die sich durch konsequente Vorsorge vermeiden lässt. Doch genau diese Chance auf Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen wird nicht von allen Frauen ausreichend genutzt, außerdem hat der bisher jährliche angewandte Pap-Abstrich Schwächen beim zuverlässigen Erkennen von Krebsvorstufen. Der HPV-Test, der als alternative Vorsorgemethode diskutiert wird und alle 5 Jahre durchgeführt werden soll, erkennt hingegen teilweise auch Frauen als akut krebsgefährdet, deren HPV-Infektion nur vorübergehend ist. Dies kann dazu führen, dass Frauen unnötigerweise Folgeuntersuchungen über sich ergehen lassen müssen

Nun wird die Gesundheit der Frauen in Deutschland zusätzlich aufs Spiel gesetzt, denn die Krankenkassen möchten langfristig gesehen nur eine dieser beiden Vorsorge-Methoden kassenärztlich bezahlen lassen. Zu diesem Zweck soll etwa ab 2017 eine 6-jährige Testphase starten, in der sich Frauen zwischen 30 und 60 für eine der beiden Früherkennungsmethoden entscheiden müssen.

Nach Abschluss der 6-jährigen Testphase soll nur noch die bessere Methode in der regulären Vorsorge eingesetzt werden. Es sei denn: Frau zahlt selbst für weitere Vorsorgeuntersuchungen.

Pap-Abstrich oder HPV-Test?

Für den Pap-Abstrich entnimmt der Gynäkologe mit einem Spatel oder einem Bürstchen Zellen vom Gebärmutterhals. Auf keinen Fall darf dafür ein Wattestäbchen verwendet werden, das ist inzwischen verboten – was allerdings nicht heißt, dass es nicht immer noch Frauenärzte gibt, die Wattestäbchen für Abstriche benutzen! Im Labor beurteilt dann ein Experte die Zellen unter dem Mikroskop. Empfohlen wird er für Frauen ab 20 Jahre.

Für den HPV-Test wird wie beim Pap-Test auch ein Abstrich am Gebärmutterhals durchgeführt. Im Labor wird dann analysiert, ob Erbgut von HPV-Viren vorhanden ist. Diese sind meistens die Auslöser von Gebärmutterhalskrebs. Bisher wird der HPV-Test erst für Frauen ab 30 Jahre angeboten.

Ab 35 Jahren steigt für Frauen das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.
Ab 35 Jahren steigt für Frauen das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.
Foto: gebaermutterhalskrebs-verhindern.de

Nachteile des Pap-Abstrichs

Leider bedeutet ein negatives Ergebnis beim Pap-Abstrich keine absolute Sicherheit für die Patientin, denn der Abstrich ist fehleranfällig: 2/3 der Fehler passieren bei der Entnahme, 1/3 währened der Analyse. Etwa die Hälfte der hochgradigen Krebsvorstufen wird bei einmaliger Untersuchung übersehen. Die Sicherheit wird durch jährliche Abstriche deutlich erhöht. Eine Analyse der Zellen durch computergestützte Verfahren ist möglich, wird aber noch nicht von allen Frauenärzten angewandt. Es kann sich also lohnen, seinen Frauenarzt danach zu fragen, in welchem Labor seine Abstriche mit welchem Verfahren analysiert werden!

Neuester Stand der Technik ist die  Dünnschichtzytologie, bei der die Abstrich-Flüssigkeit vor dem maschinellen Aufbringen auf Mikroskop-Träger zunächst in einer Flüssigkeit aufgeschwemmt wird, damit störende Bestandteile abgesondert werden können. Bei der herkömmlichen Pap-Methode können die Proben zum Beispiel durch Menstruationsblut schwer zu beurteilen sein. Mit der Dünnschichtzytologie sollen mehr Krebsvorstufen als mit dem einfacheren Pap-Test entdeckt werden, der eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen ist. Die Dünnschichtzytologie ist hingegen eine IGeL, muss also von der Patientin selbst bezahlt werden. Dennoch gehört sie zum Standardprogramm der meisten Frauenärzte und angeschlossenen Labors und kostet in der Regel zwischen 23 und 53 Euro.

Nachteile des HPV-Tests

Das Ergebnis des HPV-Tests zeigt mit relativ großer Sicherheit an, ob eine Patientin mit HPV-Viren infiziert ist oder nicht. Ein positives Ergebnis muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die betreffende Frau auch an Gebärmutterhalskrebs erkrankt. Ein positives Ergebnis weist lediglich darauf hin, dass ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht und regelmäßige Nachkontrollen erforderlich sind.

Der größte Schwachpunkt des HPV-Tests ist das große Zeitintervall der Untersuchungen von 5 Jahren. Die Experten der Initiative „Gebärmutterhalskrebs verhindern!“ weisen darauf hin, dass es in einigen Studien bereits nach drei Jahren ab Erstinfektion mit HPV-Viren zur Entwicklung von Krebszellen kam.

Ein weiterer Schwachpunkt bisher: Frauen mit einem negativen Testergebnis tendieren dazu, in den folgenden fünf Jahren keine weiteren Vorsorgeuntersuchungen wie etwa zusätzliche Pap-Abstriche machen zu lassen, da sie sich sicher fühlen.

Pap-Abstrich und HPV-Test: Kombination bietet die größte Sicherheit!

Die große Gefahr: Sowohl Pap-Abstrich als auch HPV-Test haben einzeln angewandt ihre Schwächen und ermöglichen nur in der Kombination eine nahezu optimale Vorsorge. Der einmalige Pap-Abstrich erkennt nur in circa 70 Prozent der Fälle vorhandene kritische Krebsvorstufen, sowie bereits ausgebildete Krebszellen. Ein positiver HPV-Test erkennt keine Krebsvorstufen oder Krebs. Es ist ein reiner Infektionsnachweis, der nur das Vorhandensein von HPV-Genmaterial nachweist. Eine HPV-Infektion kann, muss aber nicht zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs führen!

Experten warnen vor schlechtem Studien-Design

Um die Durchführung dieser Testphase zugunsten der Frauen zu verändern, haben sich einige Frauenärzte und Zytologen wie etwa Dr. med. Markus Lütge, erfahrener Frauenarzt und Eigentümer des Medizinischen Versorgungszentrums und Zytologischen Einsendelabors in Salzgitter-Bad, in der Initiative „Gebärmutterhalskrebs verhindern!“ zusammengeschlossen. Sie erklären: „Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass die Kombination der Methoden, die sogenannte „Co-Testung“, die Stärken beider Einzelmethoden sinnvoll kombiniert und zu einer Verbesserung der Vorsorge beitragen könnte. Dennoch wird dieser Ansatz vom Gemeinsamen Bundesausschuss in seinem Optionsmodell nicht berücksichtigt.“

Dr. Markus Lütge ist seit 1995 Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Eigentümer des Medizinischen Versorgungszentrums und Zytologischen Einsendelabors in Salzgitter-Bad.
Dr. Markus Lütge ist seit 1995 Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Eigentümer des Medizinischen Versorgungszentrums und Zytologischen Einsendelabors in Salzgitter-Bad.
Foto: privat

Dr. Lütge wird noch deutlicher: „Was spricht denn eigentlich dagegen, wenn ich die Stecknadel im Heuhaufen suche, beide Test-Methoden miteinander zu kombinieren? Für mich sind beide Tests in einem längeren Abstand viel mehr wert, als jedes halbe Jahr ein Pap-Test oder alle fünf Jahre ein HPV-Test. Das ist beides Unsinn. In einer amerikanischen Studie sind 8,6 Millionen Frauen getestet worden, bei den Frauen, die nur mit HPV-Test untersucht wurden, waren 18 Prozent der Test-Ergebnisse fälschlicherweise negativ. Bei den Frauen, die nur mit Pap-Test untersucht wurden, waren 12 Prozent fälschlicherweise negativ. Bei den Frauen, bei denen beide Methoden kombiniert wurden, waren über 95% der Ergebnisse richtig.“

Die Experten der Initiative fordern darum unter anderem eine kürzere Testphase, und vor allem die Einbeziehung der Co-Testung, also der Kombination von Pap-Abstrich und HPV-Test.

Tausende Frauen könnten unnötigerweise erkranken

Ob die Initiative mit ihren Forderungen Erfolg haben wird, ist ungewiss. Darum ist es extrem wichtig, dass alle Frauen in Deutschland sich jetzt ganz genau zu Untersuchungsmethoden der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge informieren und entsprechend untersuchen lassen!

40.000 Frauen könnten ohne Not an Gebärmutterhalskrebs erkranken!

Dr. Lütge warnt: „Das Studiendesign, in dem ich eine Methode gegen die andere teste, wo doch eine Kombination klar sinnvoller wäre, ist schon unsinnig. Was mir aber wirklich Sorge macht ist, dass jedes Jahr knapp 5000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Über die Laufzeit dieser Studie betrachtet, bis zur Auswertung können locker noch sieben Jahre vergehen, sind das etwa 40.000 Frauen, die ohne Not an Gebärmutterhalskrebs erkranken! Dabei könnten wir diesen Krebs rechtzeitig erkannt komplett ausmerzen, weil wir die Vorstufen operativ komplett entfernen können!“

Jedes Jahr erkranken tausende Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs.
Jedes Jahr erkranken tausende Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs.
Foto: gebaermutterhalskrebs-verhindern.de

Unbedingt jährlich zur Vorsorge gehen!

In jedem Fall sollten Frauen jährlich eine Vorsorge-Untersuchung bei ihrem Frauenarzt durchführen lassen, da dieser neben den Gebärmutterhalskrebs-Untersuchungen auch überprüft, ob sich in der Gebärmutter, den Brüsten oder der umgebenden Haut auffällige Geschwüre gebildet haben.

Pap-Abstrich oder HPV-Test – welche Methode ist sicherer?

In bisherigen Studien schneidet der HPV-Test meist besser ab als der Pap-Test. Am sichersten ist jedenfalls die Kombination. Das bedeutet für die Zukunft allerdings, dass Frauen zusätzlich zu der kassenärztlich bezahlten Vorsorge-Untersuchung weitere Untersuchungen mit anderen Methoden selbst bezahlen müssen.

Wie gut schützt eine Impfung vor Gebärmutterhalskrebs?

Die neuen Impfstoffe können vor 90 Prozent der krebsauslösenden Viren schützen. Eine Impfung sollte idealerweise vor dem ersten Geschlechtsverkehr durchgeführt werden - denn gegen einen HPV-Typ, mit dem sich eine Frau bereits infiziert hat, kann sie nicht mehr wirken.

Wie teuer wäre eine Kombination von Pap-Abstrich und HPV-Test?

Dr. Markus Lütge erläutert: „Ein Pap-Test jedes halbe Jahr kostet die Kasse 8 Euro, das macht in drei Jahren 48 Euro. Wenn ich in 3 Jahren einmal einen Dünnschicht-Befund für 15 Euro und einen HPV-Test für 30 Euro mache, kostet das 45 Euro. Die Krankenkasse ist also im Grunde bereit, das zu zahlen, was für eine vernünftige Vorsorge nötig wäre. Es gibt also weder ein wissenschaftliches noch ein finanzielles Argument, diese beiden Methoden nicht zu kombinieren! So ein Krebs wächst 8 bis 12 Jahre. Wenn ich im 3-Jahres-Rhythmus kontrolliere, ist also alles gut.“

Viele weitere Informationen zum Thema Gebärmutterhalskrebs und Vorsorge sowie Leitfäden für Arztgespräche gibt es auf dieser Internetseite: www.gebaermutterhalskrebs-verhindern.de

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