GesetzeGerichtsurteil: Kinder dürfen laute Musikinstrumente spielen

Gerichtsurteil: Kinder dürfen Musikinstrumente spielen
Dürfen Kinder Schlagzeug, Saxofon & Co. spielen, wenn es die Nachbarn stört? Ein deutsches Gerict entschied: Ja!
Foto: iStock

Das Amtsgericht München hat entschieden: Kinder dürfen lautstark Instrumente lernen - auch wenn sie damit die Ruhe der Nachbarn stören.

In München haben Einwohner ihre Nachbarn verklagt. Der Grund: Ruhestörung. Dabei ging es nicht um Renovierungsarbeiten oder laute Streitereien, sondern um die musikalische Ader der Familie.

Gleich drei von vier Kindern haben regelmäßig zu Musikinstrumenten gegriffen: Die Geräusche von Schlagzeug, Saxofon und Tenorhorn dröhnten regelmäßig aus einem Einfamilienhaus und strömten in die Umgebung - unter anderem in die Ohren des benachbarten Ehepaares. Das gehe schon seit über zwei Jahren so.

Über 55 Dezibel, teils sogar 70 Dezibel (etwa so laut wie ein Staubsauger), erreicht die Musik der Kinder noch im Nachbarhaus - und Ruhezeiten würden die Kinder auch nicht einhalten, so die Klage des Ehepaares. Schon seit Jahren würden die Kinder mit den Instrumenten lärmen - und somit die Nutzung ihres eigenen Hauses beeinträchtigen.

Sie zogen die Eltern der Kinder vor das Amtsgericht München. Das Urteil wurde Freitag (16.07.2017) gefällt.

 

Trommeln ist Kinderrecht

Um die Situation besser einschätzen zu können, wurden von Sachverständigen Lärmprotokolle vor Ort aufgezeichnet und dem Richter vorgeführt. Der entschied: Der Geräuschpegel erreiche nicht den "Grad der Unzumutbarkeit:" Zudem würden die Kinder die offizielle Ruhezeit (13 bis 15 Uhr und 22 bis 7 Uhr, sowie Sonn- und Feiertage) nur äußerst selten nicht einhalten.

Zudem argumentierte der Richter: Von minderjährigen Kindern kann die Einhaltung von Regeln nicht ohne weiteres verlangt werden: "Es liegt in der Natur der Kindheit und des Erwachsenwerdens, dass man Grenzen überschreitet, Regeln bricht und daraus und aus den negativen Konsequenzen lernt." Außerdem fällt das Lernen von Instrumenten unter den Begriff "gesunde Entwicklung junger Menschen" und steht somit unter besonderem Schutz. Ein "relevanter Rechtsverstoß" sei hier nicht festzustellen. Somit hat das Musizieren Vorrang vor der Ruhestörung.

Somit wurde die Klage des Ehepaares abgewiesen. Das Urteil fiel zu Gunsten der musikalischen Familie aus (AZ: 171 C 14312/16).

 

(ww7)

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