Germanwings: Mulmiges Gefühl beim Fliegen ist unnötig

germanwings mulmiges gefuehl flugangst
Foto: iStock

Viele haben noch immer ein ungutes Gefühl, wenn sie mit Germanwings fliegen

 

Den schrecklichen Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine im März 2015 haben wir alle noch im Gedächtnis. Trotzdem brauchen wir kein mulmiges Gefühl zu haben, jetzt zu fliegen.

Endlich Urlaubszeit. Das Reiseziel ist ausgesucht, der Flug gebucht… aber Moment… das ist ja ein Flug mit Germanwings…

Ich schäme mich dafür, aber so einen Gedankengang hatte ich tatsächlich, als ich vor ein paar Wochen mit einer Freundin nach London geflogen bin. Es ist wirklich unglaublich schlimm, was mit den 150 Menschen an Bord des Flugs 4U9525 geschehen ist. Im Vergleich dazu sind meine Sorgen natürlich lächerlich klein. Doch ich sah mich vor ein paar Wochen mit den Gedanken konfrontiert und dachte, vielleicht bin ich damit ja nicht allein.

Ich habe mich riesig auf den Urlaub gefreut – aber dass wir mit Germanwings fliegen würden, bereitete mir ein ungutes Gefühl.

Warum?

Ich war zwar noch nie ein großer Fan vom Fliegen (außer von dem tollen Ausblick über den Wolken...), aber von Flugangst bin ich eigentlich weit entfernt. Nein, es war wirklich der Name "Germanwings", der mich unruhig werden ließ und während meinem Magen immer mulmiger wurde, rief mein Verstand nur "Komm mal runter, alles ist gut!"

Doch das Gedankenkarussell war bereits im vollen Gange.

 


Als die Reiseunterlagen kamen: "Oh Gott... schon wenn ich das Germanwings-Logo sehe..."

 

Ich habe das Germanwings-Logo damals im März so oft gesehen. Selber Bilder mit den orange-roten Streifen für Artikel zurecht geschnitten. Puh, ein flaues Gefühl in der Magengegend.

"Stop", schreit da mein Verstand. "Jetzt mal ehrlich: Das hätte JEDER Fluggesellschaft passieren können. Germanwings und das Logo haben überhaupt nichts damit zu tun!"

Ja, stimmt schon. Außerdem hat Germanwings ja auch sofort reagiert und die Cockpit-Regeln verschärft. Jetzt müssen sich immer mindestens zwei Crewmitglieder im Cockpit aufhalten. Das war in der europäischen Luftfahrt vorher nicht vorgeschrieben - und trotzdem ist so etwas vorher nicht passiert.

 


Am Flughafen: "Das ist unsere Maschine? Sieht die heile aus?"

 

Vor wirklich jedem Flug werden Flugzeuge gründlich gecheckt. Sie werden auf außen sichtbare Beschädigungen oder Lecks überprüft. Täglich wird bei Flugzeugen der Ramp-Check gemacht, bei dem Mechaniker einzelne Funktionen des Flugzeuges testen, Reifen und Bremsen kontrollieren und Öl und Hydraulikflüssigkeit nachgefüllt werden. Und das ist ja schon mehr, als wir bei einer Autofahrt mit unserem Wagen machen.

Außerdem werden Flugzeuge regelmäßig gewartet und auf Herz und Nieren überprüft:

A-Check: Alle 250 bis 600 Flugstunden (ca. alle zwei Monate) wird die Maschine grob gewartet. Hier stehen neben den allgemeinen Kontrollen im Inneren und an der Flugzeughülle weitere Service-Checks sowie Triebwerks- und Funktionskontrollen an. Die Maschine muss dafür nicht aus dem Betrieb genommen werden.

C-Check: Rund alle 1,5 Jahre wird das Flugzeug teilweise auseinander genommen, gecheckt, und wieder zusammen gebaut. Dafür wird die Maschine rund eine Woche aus dem Betrieb genommen.

IL-Check: Alle drei bis fünf Jahre werden sämtliche Elemente des Flugzeugs geprüft und wenn nötig erneuert.

D-Check: Das Flugzeug wird alle sechs bis zehn Jahre komplett überholt. Die Maschine wird vollständig auseinander genommen und neu zusammengebaut und lackiert. Diese Wartung dauert etwa vier bis sechs Wochen.

 


Im Flugzeug: "Oh, der Pilot sagt was. Was ist das denn für einer?"

 

"Auf jeden Fall wird er ein von der Lufthansa top ausgebildeter Pilot sein", beruhigt mich gleich wieder meine Vernunft.

Um als Pilot ein Flugzeug fliegen zu dürfen, muss man eine jahrelange Ausbildung durchlaufen. Frühestens nach fünf bis sieben Jahren theoretischer und praktischer Ausbildung kann man erst Flugkapitän werden. Ein Pilot muss seine Fluglizenz alle sechs Monate verlängern - und dafür muss er erst beweisen, dass er immer noch körperlich, theoretisch und praktisch auf der Höhe ist.

Und bei jedem Flug sind zwei dieser top ausgebildeten Menschen im Cockpit. Und dank der neuen Cockpit-Regeln (siehe oben) ist auch keiner der beiden jemals alleine während des Fluges.

 

Nach der Landung: Erleichterung

 

Es heißt ja, "Wer vom Pferd fällt, soll gleich wieder aufsteigen". Als das Flugunglück mit der Germanwings-Maschine war, bin ich "vom Pferd gefallen". Obwohl ich gar nicht direkt betroffen war. Mich verließ der Mut (oder sagen wir besser die "Sorgenfreiheit") ein Flugzeug zu besteigen. Erst Recht eines von Germanwings.

Ich bin froh, dass ich mich nicht habe beirren lassen. Der Urlaub war toll. Und schon der Rückflug - auch wieder mit Germanwings - war mit viel, viel weniger Gedankenkarussell verbunden.

Kategorien: