"Geschieden, weil ich es mir wert bin"

tina beziehungen

Sylvia Eisenmenger wollte ihr Leben zurück

Bis dass der Tod euch scheidet ... Manche Frauen merken erst, wenn es schon fast zu spät ist, dass sie sich in ihrer Ehe selbst verloren haben. So wie Sylvia Eisenmenger.

Sie sprechen mir aus der Seele."

"Ich war 18 Jahre mit einem Fremden verheiratet ..."

"Ich hätte mich viel früher trennen sollen ..."

Nach jeder Lesung bekommt Sylvia Eisenmenger Rückmeldungen wie diese. Von Frauen, mit denen die Autorin etwas gemeinsam hat: Sie alle haben lange - zu lange - an Beziehungen festgehalten, die ihnen nicht guttaten.

"Geschieden, weil ich es mir wert bin"

So lautet der Titel des Buches, das die Fremdsprachenlehrerin über ihre Erfahungen geschrieben hat. Ein Titel, der vieles, wenn nicht gar das Wesentliche sagt. "Ich habe ihn gewählt, weil er mir die Kraft gab, die Trennung von meinem Mann durchzuhalten", sagt sie und beißt genussvoll in eine Laugenbrezel.

Wir sitzen auf der Terrasse eines Bungalows, in dem sie gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann lebt. In einem kleinen Ort am Rande des Schwarzwalds. Und Sylvia Eisenmenger ist ein Kind der Region. Hier ist sie geboren und aufgewachsen, hier lernte sie mit 17 ihren Mann kennen, hier hat sie bis zum Umfallen gekämpft. Um ihre Ehe. Um ihren Mann, der ihre " große Liebe " war. Und gegen seine Spielsucht. Ein Kampf, den sie nur verlieren konnte ...

Ihre Ehe war zu Ende, als Sylvia Eisenmenger zum wiederholten Male das gemeinsame Konto von ihrem Mann abgeräumt vorfand.

"Gar nichts muss ich mehr."

"Mein Ex-Mann war zu diesem Zeitpunkt seit fast einem Jahr in Therapie, und ich hatte wieder einmal Hoffnung, dass er sich ändern würde. Aber an dem Tag, als mir der Bankmitarbeiter sagte: ,Da müssen wir wohl mal wieder umschulden', war bei mir der Ofen aus. Ich er widerte nur: "Gar nichts muss ich mehr." Noch am selben Tag reichte sie die Scheidung ein. Nach 20 Jahren Achterbahnfahrt zwischen "Ich kann ihn ändern. Wir schaffen das" und den Rückfällen ihres Mannes in seine Sucht. Da war sie 42.

Diesmal sollte es keine Versöhnung und kein Zurück geben. Zu oft waren ihre Hoffnungen auf ein Besserwerden enttäuscht worden. Sylvia Eisenmenger blieb bei ihrem Entschluß, obwohl sie in ein tiefes Loch fiel. Sie bekam eine Erschöpfungsdepression , wie sie häufig bei Menschen vorkommt, die unter lang andauernden Belastungen und Stress gelebt und gelitten haben.

Die nächste große Herausforderung war die totale Leere, die sie nach der Trennung eiskalt erwischte. Plötzlich mit meiner ,neuen Freiheit' konfrontiert zu sein - das war für mich das Schwierigste.

Nach der Scheidung wurde Sylvias neues Leben "geboren", und wie ein kleines Baby musste es wachsen. Schritt für Schritt. Sie lernte einen neuen Mann kennen - und lieben.

Die nächste Etappe kam mit Sylvias 50. Geburtstag.

Die engsten Freunde schenkten ihr eine Woche Wellness-Urlaub in Österreich. Auch das war eine völlig neue Erfahrung für sie. "Mir selbst etwas Gutes zu tun, mich zu verwöhnen und verwöhnen zu lassen - daran musste ich mich erst langsam herantasten. Die Wellness-Woche hat mich wachgeküsst, und ich bekam zum ersten Mal ein Gefühl dafür, was es heißt: Das bin ich mir wert!"

Weil ich es mir wert bin. An dieser Haltung "arbeitet" Sylvia bis heute. Und jeden Tag gelingt ihr das ein Stückchen besser. Sie fühlt sich nicht mehr als "Versagerin", weil sie gegangen ist.

Einen Neuanfang wagte Sylvia vor einem Jahr, als sie beschloss, das Buch zu schreiben.

"Das war schon immer ein Traum von mir." Auslöser, den Traum wahr werden zu lassen, war eine These, die sie in einer Talkshow zum Thema Scheidung aufschnappte: Die meisten Ehepaare würden sich zu schnell scheiden lassen. Das machte sie wütend. Angesichts ihrer eigenen Geschichte, aber auch der Dramen, "die sich täglich in den Ehen unserer unmittelbaren Umgebung abspielen. Ich habe Frauen getroffen, die von Demütigungen, Gewalt, Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit in ihren Beziehungen berichteten. Sie alle haben sich nicht leichtfertig getrennt; einige von ihnen kämpfen heute noch".

Zur Homepage von Sylvia Eisenmenger .

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