Ich

Zuhause

Welt
Adel Exklusiv Alles für die Frau Auf einen Blick Avanti Bella Das neue Blatt Das neue Fernsehwoche Freizeitwoche Laura wohnen kreativ Laura Mach mal Pause Mini My Way Neue Post Schöne Woche Tina Tina Woman Woche Heute Happinez Meins Joy Shape
Shape

Leichter Leben! Mit Coaching

Shape,

Psychologie: Lebenscoaching

Manchmal braucht es nur den richtigen Impuls, um neue Dynamik ins Leben zu bringen – ob beim Sex, in der Liebe oder der Karriere. Fünf deutsche Profi-Coaches verraten Ihnen ihre besten Strategien.

Als die Welt noch übersichtlicher schien, war „Coach“ ein anderes Wort für Sporttrainer. Doch in den vergangenen Jahren hat sich dieses Bild komplett gewandelt. Der Coach ist heute jemand, der anderen Menschen begleitend hilft, individuelle Lösungen und Wege zu finden, das Leben, die Beziehung, den Job oder die Fitness erfolgreicher, angenehmer und harmonischer zu gestalten. In den USA gehört es für Führungskräfte zum guten Ton, einen Coach an ihrer Seite zu haben.

Und auch bei uns wird Coaching immer beliebter. Das liegt wohl auch daran, dass im Gegensatz zur klassischen Psychotherapie das Coaching nicht auf die Behandlung psychischer Störungen abzielt, sondern als effektive Kurzzeit-Beratung angesetzt ist. Meistens reichen drei bis zehn Sitzungen (Kosten etwa 60 bis 150 Euro pro Sitzung), um mit unterschiedlichen Methoden Wünsche und Ziele zu erkennen und Schritte einzuleiten, diese in die Tat umzusetzen.

Der Deutsche Bundesverband für Coaching (www.dbvc.de) rät, bei der Suche auf folgende Punkte zu achten: ordentlicher Geschäftsbetrieb, schriftlicher Vertrag, strenge Vertraulichkeit, anerkannte Ausbildung des Coaches, unvoreingenommene und ergebnisoffene Arbeit. In SHAPE geben fünf von Deutschlands Topcoaches ihre besten Tipps.

Carolin Stumböck: Lebenscoach

Carolin Stumböck, 43, aus Türkheim hat in der Finanzdienstbranche gearbeitet, bevor sie ab 2006 zum Business-, Sportmental- und Gesundheitscoach (ECA) sowie zur Ernährungsberaterin umsattelte. Sie ist Gründerin und Inhaberin der Firma „Move Now Coaching“. www.move-now-coaching.de

SHAPE: Was macht Ihren Kunden das Leben am schwersten?

Carolin Stumböck: Die Frage: „Kann das schon alles sein?“ Gefolgt von bisher unerfüllten Träumen und Wünschen. Die Umsetzung scheitert meist an Ausreden wie: „Ich muss erst noch dieses und jenes machen.“ Viele Menschen glauben auch, dass sie sich die Dinge, die sie gerne tun würden, nicht zugestehen dürfen.

Oder sie haben Angst, der Erwartungshaltung von Familie, Freunden oder dem Vorgesetzten nicht mehr zu entsprechen. Ganz viele haben schlicht Probleme mit dem Ziel, das sie in ihrem Leben verfolgen. Auf zwei Wochen Urlaub bereitet man sich ja gerne mal acht Wochen vor. Fragt man die gleichen Menschen aber, wo sie in fünf Jahren stehen wollen, haben sie oft keine Antwort.

Welche Auswirkungen hat das?

Es ist schwer, mehr Balance ins Leben zu bekommen, wenn man nicht weiß, was man sich darunter vorstellt. Wie will man Glück erkennen, wenn man nicht weiß, was einen glücklich macht? Und wenn man Familie, Karriere und mehr Zeit für sich will, aber nicht weiß, wie man alles unter einen Hut bekommt, läuft man Gefahr, im Burn-out zu enden.

Warum fällt es oft so schwer, glücklich und zufrieden zu sein?

Weil wir eine unglaublich hohe Erwartungshaltung an uns selbst haben. Wir wollen eine perfekte Karriere, den perfekten Partner, die perfekte Familie. Alles muss 100 Prozent sein, 80 Prozent genügen nicht. Gleichzeitig ist da die Angst, seinen sozialen Status zu verlieren.

Woher kommt diese Angst?

Viele Menschen glauben, dass sie nur über ihren sozialen Status die Wertschätzung bekommen, die sie sich wünschen. Sie identifizieren sich über Äußerlichkeiten und verbinden Anerkennung mit dem neuesten iPhone, einem tollen Auto oder Designer-Klamotten. Dagegen ist nichts zu sagen, wenn man weiß, warum man es will und dass man es erst mal finanzieren muss. Wenn das Verdienen aber zum Zwang wird oder man einen Job, der zwar gut bezahlt ist, aber unglücklich macht, aus Angst vor dem Statusverlust nicht kündigt, entsteht Stress.

Und schließlich das Burn-out?

Ein Burn-out entsteht nicht durch zu viel Arbeit, sondern durch Jobs, mit denen man sich nicht identifizieren kann, bei denen man innerlich schon gekündigt hat, es aber real nicht tut.

Wie helfen Sie?

Ich versuche, die Klienten aus ihrem Hamsterrad zu nehmen, damit sie wieder einen Blick von außen auf ihr Leben bekommen und wieder in ein bewusstes Handeln kommen.

Welche Methoden gibt es dafür?

Ein Weg ist, am Selbstbild zu arbeiten, das bei den meisten sehr negativ ist. Sie sehen nur, was sie nicht können. Dadurch schrumpft das Selbstwertgefühl. Ich lasse sie aufschreiben, was sie gut können, damit sie ihre Talente erkennen.

Und wie erkennt man seine Ziele?

Indem man sich erlaubt, ohne Wenn und Aber zu träumen. Dann überprüfe ich mit meinen Klienten, was davon sie gerne möchten – und was sie wirklich wollen. Will man etwas wirklich, setzt man alles daran, es zu erreichen, und beginnt, die richtigen Schritte zu unternehmen.

Was macht ein Leben zufrieden?

Genießen Sie bewusst jeden Tag. Tun Sie Dinge, die Ihnen Spaß machen. Verschieben Sie Ihr Leben nicht auf später, sonst verpassen Sie es!

Antje Heimsoeth: Sportmentalcoach

Antje Heimsoeth, 48, ist Gründerin und Inhaberin des Trainingsunternehmens Sport- & Business NLP Academy mit Sitz in Rosenheim sowie Dozentin an der Hochschule Ansbach. Sie ist Autorin von „Mental-Training für Reiter“ und „Golf Mental: Pocket Training“. www.sportnlpacademy.de

SHAPE: Wie motivieren Sie Menschen, die nie Sport machen?

Antje Heimsoeth: Ich kläre erst mal, aus welchem Grund jemand Sport treiben möchte. Will man das selbst oder muss man, weil der Arzt, der Lebenspartner oder das Umfeld es fordern? Alles, was mit einem „ich muss“ oder „ich soll“ verbunden ist, erzeugt Widerstand. Wenn man mit Sport beginnt, weil der Freund gesagt hat, man solle abnehmen, obwohl man sich mit seinem Gewicht eigentlich ganz wohlfühlt, dann wird das nichts. Motiviert ist man nur, wenn man etwas freiwillig und mit viel Spaß macht.

Was ist notwendig, um Spaß am Laufen zu bekommen?

Ein Ziel. Das muss dem Läufer etwas bringen, einen konkreten Endpunkt haben und ganz klar de-finiert sein. Unser Gehirn denkt in Bildern und kann mit Aussagen wie „Ich möchte schneller sein als“ oder „Ich möchte schlanker sein als“ nichts anfangen. Es braucht klare, positive Anweisungen wie: „Ich wiege am 31.12.2012 60 Kilo.“

Wie geht es dann weiter?

Man macht einen Eco-Check. Jedes Ziel hat Auswirkungen auf mich und meine Umwelt. Man bekommt es nicht umsonst, es verlangt Einsatz. Was weniger Zeit für die Beziehung, die Familie, weniger Partys, weniger Alkohol bedeuten kann. Das muss man vorher abklären: Will man all das in Kauf nehmen?

Und wenn man es will?

Dann muss man lernen, sein Ziel über alle Sinne zu visualisieren. Ein Ziel, das man sich nicht vorstellen kann, ist schwer zu erreichen.

Was passiert beim Visualisieren?

Man sieht sich zum Beispiel auf der Laufstrecke, mit lockeren Beinen, schwingenden Armen, einem lächelnden Gesicht, mit einem Trainingspartner an der Seite und Freude am Laufen, mit der Zufriedenheit, die man nach dem Laufen verspürt. Man aktiviert positive Emotionen, das ist wichtig. Alternativ kann man eine Ziel-Collage basteln. Man kann sich die Laufstrecke aufzeichnen und alles darauf kleben, was man für die Strecke braucht. Da kann man kreativ werden. Und mit Belohnungen arbeiten.

Warum sind Belohnungen wichtig?

Weil man es sich gönnen darf, seine Erfolge zu feiern. Wenn man sein Ziel erreicht hat, kann man sich selbst ein Paar neue Schuhe schenken. Oder mit dem Liebsten Champagner trinken. Man kann sich auch einfach selbst auf die Schulter klopfen, wenn man den inneren Schweinehund überwunden hat.

Gibt es Tricks, um den inneren Schweinehund zu überlisten?

Eigentlich ist das Wort nicht gut, denn der innere Schweinehund ist ein Persönlichkeitsanteil von uns. Und wer will schon ein Schwein und ein Hund sein? Ich nenne ihn den „Inneren Unterstützer“, schließlich hat er ja auch positive Absichten. Die Ruhe, die er fordert, kann ja auch guttun. Man muss mit ihm in einen Dialog gehen, ihn fragen: „Was ist deine positive Absicht für mich und aus welchen Gründen hältst du mich vom Laufen ab?“ Es ist wichtig, genau in sich hineinzuspüren und gleichzeitig zu fragen: „Was ist mein Ziel?“ Meist zieht man die Laufschuhe dann doch an.

Welche Methoden gibt es noch?

Man bietet ihm ein Tauschgeschäft an, sagt: „Heute mache ich Pause, dafür laufe ich morgen.“ Oder man nimmt sich einen Trainingspartner, denn dem sagt man nicht so schnell ab. Auch Affirmationen sind gut.

Wie funktionieren Affirmationen?

Man holt sich die positiven Aspekte vor Augen, indem man sie laut oder leise ausspricht. Zum Beispiel: „Meine Lust zu joggen steigert sich von Tag zu Tag.“ Oder: „Bei Regen zu joggen macht mich besonders stolz.“ Jeder hat es selbst in der Hand, die negative oder die positive Brille aufzusetzen – und sich gute Regenkleidung zuzulegen.

Wie bereiten Sie Freizeitsportler mental auf einen Wettkampf vor?

In der Vorbereitung geht es darum, die Glücksgefühle, die man beim Zieleinlauf empfinden wird, zu visualisieren und außerdem die eigenen Stärken zu stärken.

Stärken stärken – wie geht das genau?

Ich erarbeite mit meinen Kunden deren Potenziale und Ressourcen – ganz allgemein und auf den Sport bezogen. Stärken sind bei jedem einzigartig und jeden Tag unterschiedlich gut verfügbar. Niemand ist jeden Tag gleich konsequent, was völlig in Ordnung ist. Wichtig ist, am Tag X sagen zu können: „Ich schaffe das, ich bin top vorbereitet.“ Mit bestimmten Strategien kann man am Tag X dann diese positiven Seiten abrufen.

Wie sieht so eine Strategie aus?

Eine Möglichkeit ist, an der Strecke Freunde aufzustellen, die mit bestimmten, vorher ausgemachten Sätzen die Erfolgsbilder im Läufer hervorholen. Ganz wichtig ist es, nicht an die Lauftechnik zu denken, sondern einfach nur zu laufen und in einen Flow-Zustand zu kommen.

Silke Maschinger: Erotikcoach

Silke Maschinger, 41, aus Berlin ist Sozialwissenschaftlerin, Lebens-, Paar- und Sexualcoach, Betreiberin des Erotikportals erosa.de und Autorin der Bücher „Spielarten der Lust“ sowie „Erotischer Stadtführer Berlin“. Sie berät bundesweit auch über eine Telefon-Hotline. Infos: www.knoten-coaching.de

Shape: Was läuft im Bett schief, wenn Sie um Rat gebeten werden?

Silke Maschinger: Paare haben nicht mehr genügend Sex oder unterschiedliche Sexwünsche. Bei Einzelpersonen handelt es sich meist um Frauen, die nicht genau wissen, was sie sexuell wirklich möchten, die glauben, einem Bild entsprechen zu müssen, das oft durch die Medien geprägt ist. Ich hatte eine Kundin, die nur deshalb überlegte, in einen Swingerclub zu gehen, weil sie nicht prüde wirken wollte. Andere wollen erfahren, wie sie perfekte Liebhaberinnen werden.

Und wie wird man das?

Bei mir geht es nicht darum, ob man einen Penis nach links oder rechts dreht. Für die Technik gibt es Bücher und Zeitschriften. Meine Arbeit besteht darin, den Menschen einen Raum und das Gefühl zu geben, dass da jemand ist, mit dem man über alles reden kann. Bei mir geht es darum herauszufinden, welche sexuelle Identität man hat.

Warum hat man denn überhaupt Probleme mit der Sexualität?

Weil es ein höchst privater Bereich und für viele immer noch mit Tabus besetzt ist. Was vielen Frauen, die selten oder nie einen Orgasmus bekommen, hilft, ist, erst einmal allein, zum Beispiel mit einem Vibrator, auszuprobieren, was Ihnen gefällt, was sie stimuliert. Fast jede Frau erlebt so einen Höhepunkt – oft zum ersten Mal. Klappt das, darf sie der Partner das nächste Mal dabei beobachten oder sogar selbst den Vibrator führen.

Wie helfen Sie Ihren Kunden, ihre sexuellen Wünsche zu erkennen?

Bei Paaren beobachte ich deren Kommunikation, steuere die Gespräche und finde mit ihnen gemeinsam heraus, was sie sich wünschen und warum es nicht mehr läuft.

Woran liegt es, wenn der Sex-Motor ins Stottern gerät?

An der Hemmung, das auszusprechen, was man möchte. Sex ist Kommunikation, kein Mensch kann hellsehen. Ich hatte mal ein Paar, da traute sich die Frau ihrem Mann nicht zu sagen, dass sie gerne einen Vibrator hätte. Als sie es dann doch tat, war er glücklich. Er hatte sich genau das auch gewünscht.

Wie bringen Sie die Menschen dazu, über Sex zu sprechen?

Ich biete ihnen eine entspannte Atmosphäre, die Sicherheit vermittelt. Wer zu mir kommt, hat sich ja schon entschieden, über seine sexuellen Wünsche und Probleme zu sprechen, und beginnt ganz von allein. Ich höre ihnen einfach zu.

Wann ist eine Beziehung in Ihren Augen sexuell erfüllt?

Wenn beide Partner damit zufrieden sind! Für manche reicht es, einmal die Woche Sex zu haben, andere gehen dreimal im Monat in den Swingerclub. Auch eine asexuelle Beziehung ist völlig in Ordnung, wenn das beide Partner akzeptieren. Ganz wichtig ist, sich von äußeren Zwängen frei zu machen. Man muss nicht jede Woche atemberaubenden Sex haben, sondern hat das Recht, auch mal keine Lust zu haben. Sex ist Teil einer Beziehung. Wie groß der sein soll und wie er gelebt wird, darüber müssen sich die beiden Partner nur einig sein.

Katja Sundermeier: Liebescoach

Katja Sundermeier, 46, ist Psychotherapeutin, Coach und Managementtrainerin mit Praxis am Starnberger See. Seit 1997 bietet sie für Paare die von ihr entwickelte Seminar-Reihe „Simply Love“ an. Sie ist Autorin des Buches „Die Simply Love Strategie – Ihr Weg zur großen Liebe“. www.simply-love.de

SHAPE: Was liegt im Argen, wenn Sie um Hilfe gebeten werden?

Katja Sundermeier: Sex und Kommunikation. Wobei Kommunikation das Hauptthema ist. Statt „Ich mag das nicht“ oder „Ich hätte gerne“ zu sagen, reden sie von „Man sollte“ oder „Du müsstest“. Das ist Nicht-Kommunikation und fehlendes Ich-Bewusstsein, das man braucht, um sagen zu können, was einem wichtig ist.

Wann sollten Paare zum Coachen?

Vom ersten Tag an, weil sie den Aufbau von Beziehungen, Streitkultur und Kommunikation vorher selten gelernt haben. Jeder Profi nimmt sich einen Coach. Doch die meisten Paare bauen ihre Beziehung auf dem Prinzip Hoffnung auf.

Was hoffen sie?

Frauen hoffen: „Wenn er mich nur genug liebt, ändert sich alles.“ Männer sagen: „Wenn ich nur die Richtige habe, geht alles glatt.“ Beides ist kompletter Bullshit.

Warum ist das Bullshit?

Weil wir unsere Beziehungsmuster in der Kindheit gelernt haben. Ein Beispiel: Er kommt immer zu spät nach Hause. Sie wirft ihm vor: „Nie siehst du, was ich mache, rufst mich nicht mal an.“ Dieses Gefühl des Nicht-Beachtetwerdens hat sie als Kind schon durch ihre Eltern so erfahren. Der Partner bringt jetzt unbewusst alle Verletzungen, die wir in unserem Rucksack herumtragen, wieder an die Oberfläche. Diese verdrängten und verbannten Emotionen nenne ich unsere Kellerkinder. Sie machen sich, solange sie nicht bearbeitet werden, immer wieder wütend bemerkbar.

Welche Folgen kann das haben?

Nehmen wir den Klassiker, das Fremdgehen: Sie hat in ihrer Kindheit etwas erlebt, das ein „Ich werde nicht geliebt“-Gefühl ausgelöst hat. Sie setzt ihm unbewusst ihr Kellerkind auf den Schoß und hofft, dass alles gut wird, wenn er sie nur genug liebt. Tut er das in ihren Augen nicht, reagiert sie wie ein Kind, mit Eifersucht, Trauer und Wut. Er aber sucht eine erwachsene Frau und geht fremd.

Wie können Paare bemerken, dass gerade ihr Kellerkind tobt?

Wenn Worte wie „Nie. Immer. Wieder“ benutzt werden, ist Kellerkinderalarm. Oder wenn ein Partner sagt: „Ich gelobe Besserung.“ Zwei erwachsene Menschen setzen sich hin und suchen Lösungen, sind in der Lage, über sich zu kommunizieren. Auch wenn ein Paar keinen Sex mehr hat, kann das an den Kellerkindern liegen. Mal ehrlich, wer will schon mit einem Kind ins Bett?

Wie kommt man da raus?

Es muss ein Bewusstsein dafür da sein, dass wir Probleme mit uns herumschleppen, die keine Kreationen aus der Gegenwart, sondern durch die Sozialisation, die Eltern und unseren Kulturkreis antrainiert sind. Nicht der Partner kann uns da raushelfen, Heilung finden wir nur bei uns selbst!

Erst wer das erkennt, kann aus der Täter-Opfer-Schiene aussteigen, in die Eigenverantwortung gehen und seine Gefühlswelt neu ordnen. 98 Prozent unserer Beziehungen müssten nicht auseinandergehen, wenn man seinen Kellerkindern zuhören und sich seinen Themen stellen würde. Und mit seinen Kellerkindern kann man ganz leicht in Kontakt treten.

Wie funktioniert das?

Ganz einfach geht es, wenn man sich sowieso schon traurig oder verletzt fühlt, denn da ist man mit der alten Verletzung in Kontakt. Man muss sich diesem Gefühl, also dem Kellerkind, wie eine liebende, wertschätzende, mitfühlende und schützende Mutter zuwenden. Man hört hin, sagt: „Aha, ich fühle mich allein“, macht sich bewusst, aha, das ist jetzt mein Kellerkind.

Schließt die Augen, sagt: „Ich bin für dich da, alles wird gut“, legt die Hände auf Bauch und Herz und atmet so lange, bis der Schmerz weg ist. Und das Gute daran ist: Haben Sie Ihr Kellerkind in dem Moment der Angst, Traurigkeit, Wut angenommen und „nachbeeltert“, fühlen Sie sich sofort besser.

Was macht eine Beziehung Ihrer Meinung nach erfolgreich?

Zwei bewusste Menschen, die nicht voneinander abhängig sind und ihr Glück in sich gefunden haben. Paare, die dieses Bewusstsein haben und bereit sind, mit dem anderen durch gute wie durch schlechte Zeiten zu gehen, haben die echte Chance zusammenzubleiben, bis dass der Tod sie scheidet.

Katja Niedermeier: Karrierecoach

Katja Niedermeier, 43, lebt und arbeitet in Berlin. 2001 gründete sie ihr PR-Büro K8 (gesprochen „K Eight“) und ist seitdem bundesweit als Coach, Speakerin und Image-Beraterin tätig. Im April erschien ihr Buch „Gelassenheit im Job“, das auf Platz 5 der Amazon-Ratgeber-Liste landete. www.k8-erfolgstraining.de

SHAPE: Mit welchem Anliegen wenden sich die Klienten an Sie?

Katja Niedermeier: Die meisten haben gleich drei Anliegen: Wie werde ich erfolgreicher, wie gehe ich mit Druck um, wie kann ich meine Selbstsicherheit und mein Auftreten stärken?

Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

Erfolg ist die Summe aus konkreter Zielsetzung, Willenskraft, der felsenfesten Überzeugung, es schaffen zu können, und glasklarer Struktur. Wer das Ziel wahrhaftig vor seinem inneren Auge sehen und den Erfolg schon spüren kann, hat so gut wie gewonnen. Die Bereitschaft, alles Erforderliche dafür in Bewegung zu setzen, gepaart mit einer durchdachten Struktus katapultiert das Vorhaben regelrecht nach vorn.

Wie finden Sie heraus, was Ihren Kunden Freude macht?

Die meisten wissen das intuitiv schon selbst, es muss nur noch einmal ins Bewusstsein geholt werden. Das funktioniert unter anderem mit Visualisierungen. Dabei führe ich die Leute zu dem Punkt, an dem sie sich in der idealen Position sehen, und zwar ganz klar, ganz selbstverständlich und völlig zweifelsfrei. Jeder Schritt dorthin wird geprüft: Erscheint er leicht und mühelos? Ist das Ergebnis gut so oder gibt es vielleicht etwas noch Besseres?

Was ist der Sinn dieser Übungen?

Der Sinn liegt darin, sich ein Ziel zu setzen und dieses Ziel klar vor sich zu sehen. Nur so sind Sie in der Lage, dieses Ziel fokussiert zu verfolgen. Auf dem Weg dorthin werden immer wieder positive Gefühle wie Stärke oder Unbezwingbarkeit an eine Körperbewegung, zum Beispiel eine geballte Faust, gekoppelt. Und zwar so oft und so lange, bis sich dieser Effekt allein durch die Bewegung einstellt.

Das kann eine geballte Faust sein oder das Drücken des Daumennagels. Mit dieser Technik können Sie bestärkende Gefühle jederzeit abrufen, was eine direkte Auswirkung auf Ihr Auftreten, Ihre Ausstrahlung und Ihre Kontaktfreudigkeit hat. Es ist fast unmöglich zu scheitern, wenn Sie von sich begeistert sind.

Viele Menschen fühlen sich im Job unter Druck gesetzt. Was hilft da?

Druck entsteht nur dann, wenn Sie sich selbst unter Druck setzen, weil Sie sich einreden, in irgendeinem Lebensbereich – egal ob privat oder im Job – nicht gut genug zu sein. Besonders Frauen neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Dann reicht es, wenn der Chef fragt: „Haben Sie das schon erledigt?“ Prompt steigt das Druckgefühl. Das passiert nicht, wenn Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit gut entwickelt sind. Auch daran arbeite ich mit allen meinen Klienten.

Wie geht man mit Druck um?

Wenn Druck entsteht, weil die Work-Life-Balance nicht mehr stimmt, also ein Ungleichgewicht zwischen Arbeit- und Privatleben vorhanden ist, können Sie es mit Atem- und Mentaltricks schaffen, noch während des Meetings oder vor dem Rechner Entspannung und sogar Glücksgefühle zu produzieren, die Sie zuvor nur aus dem Privatleben kannten. Es kommt aber immer darauf an, was der Druck bei Ihnen auslöst: Ist es ein Gefühl der Minderwertigkeit und der Unzulänglichkeit, ist es Chaos oder pure Hektik?

Was, wenn der Chef Druck ausübt?

Der Vorgesetzte kann Sie nur kleinmachen, wenn Sie sich kleinmachen lassen. Wenn der Chef verärgert ist und seinen Unmut an Ihnen auslässt, sollten Sie überlegen, ob Sie wegen Ihrer Arbeitsleistung anfechtbar sind. Wenn nicht, sollten Sie sich über ungerechtfertigte Kritik oder Beleidigungen hinwegsetzen und sie als das abtun, was sie sind: kindisch. Die seelische Verletzbarkeit nimmt ab, wenn Selbstbewusstsein und Selbstachtung steigen.

Wie kann man sich diese Eigenschaften aneignen?

Die Selbstsicherheit wächst mit der Selbstakzeptanz. Voraussetzung hierfür ist Selbstreflexion: Was kann ich, was ist mein Talent, was mag ich, was fällt mir schwer, was macht mir Angst, was macht mich traurig, was macht mich wütend, was bereitet mir Freude? All das gilt es zu erforschen und dann zu lernen, sich mit allem Drum und Dran zu akzeptieren und zu mögen. Das Selbstvertrauen wächst außerdem, wenn die eigene Komfortzone regelmäßig überschritten wird, wenn Sie also Dinge wagen, die Ihnen auf den ersten Blick riskant erscheinen.

Kann man Mut zum Risiko lernen?

Viele haben Angst vor dem Schritt ins Ungewisse und vor der Konsequenz. Ich werte aus, wie riskant eine geplante Handlung tatsächlich ist. Was ist das Worst-Case-Szenario? Traut man sich zum Beispiel nicht, den Chef nach einer Gehaltserhöhung zu fragen, mache ich klar, dass man mehr als ein „Nein“ nicht bekommen kann, sich der Mut zu fragen aber lohnt, da man stolz auf sich sein kann, es versucht zu haben. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass meine Klienten viel häufiger ihre Gehaltserhöhung bekommen, als sie meinen!

Welche Methoden setzen Sie ein?

Manches löst sich schon durch reine Bewusstmachung oder durch bestimmte Visualisierungstechniken, bei denen negative Gefühle gegen positive ersetzt werden. Eine hilfreiche Methode kann auch diese Atemübung sein: Holen Sie durch die Nase Luft und atmen Sie vier Sekunden lang wieder durch die Nase aus, insgesamt eine Minute lang, das macht Sie sofort gelassener.

Wie finden Sie heraus, was Ihre Klienten beruflich möchten?

Entweder mit Video-Feedback, um die Körpersprache gemeinsam mit dem Kunden analysieren zu können, oder aber mit einem Muskelspannungstest aus der Kinesiologie. Der Körper spricht immer Tacheles!

Wann sollte man sich von einem Karrierecoach helfen lassen?

Wenn Sie nicht mehr hundertprozentig behaupten können, dass alles toll ist, und wenn Sie sich des nächsten Schrittes nicht sicher sind.

reset
Schicken Sie diese Seite an einen Freund:

Mehr zum Thema Gesundheit:

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Wunderweib empfiehlt:

Mehr Themen:

BMI-Rechner

Ihr Geschlecht:
weiblich
männlich
Ihr Gewicht:
Ihre Größe:
Ihr Alter: