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Migräne: Was die Wissenschaft jetzt weiß

Laura,

Gibt es Migräne-Persönlichkeiten? Und was hilft wirklich gegen die höllischen Kopfschmerzen? Experten sind dem Phänomen immer dichter auf der Spur. Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel über aktuelle Forschungsergebnisse und Therapie-Ansätze.

Experten schätzen, dass in Deutschland jeden Tag etwa 900 000 Menschen unter Migräne leiden. Aber nur drei von zehn Betroffenen kennen den Namen ihrer Erkrankung. Viele probieren ohne Diagnose alles Mögliche gegen ihre Kopfschmerzen aus. Dabei wäre es ratsam, einen Spezialisten aufzusuchen, um eine geeignete Therapie zu finden. Fachleute wie Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel wissen am besten, wie man Migräne-Schmerzen in den Griff bekommt.

Die wahren Ursachen

REIZÜBERFLUTUNG: "Wie wir inzwischen wissen, steht das Nervensystem von Migränepatienten ständig unter Hochspannung. Reize werden früher und schneller vom Gehirn aufgenommen und flinker verarbeitet", sagt Prof. Dr. Göbel. Bis vor Kurzem war noch unbekannt, warum das so ist. Doch hier hat man eine Entdeckung gemacht: "Wahrscheinlich ist eine spezifische Veränderung im Erbgut für die besondere Erregbarkeit der Nervenzellen verantwortlich", erklärt der Experte. Sprich: Die Neigung zu Migräne ist angeboren.

MIKRO-ENTZÜNDUNG: Eine fixe Reizverarbeitung – das klingt positiv. Aber neurologisch gesehen hat sie weitreichende Folgen: "Bei zu schneller oder zu lang andauernder Überlastung der Nervenzellen kommt es zu einem Zusammenbruch ihrer Energieversorgung. Die Steuerung entgleist, und von den Nervenzellen werden ungehindert Schmerz auslösende Botenstoffe freigesetzt. Sie entzünden die Wände der Adern und Hirnhäute und verursachen so hämmernde Migränekopfschmerzen", so Prof. Dr. Göbel.

Häufige Auslöser

Bei Menschen, die eine Veranlagung zur Migräne haben, können verschiedene Faktoren eine plötzliche Veränderung im Nervensystem und somit eine Attacke auslösen. Diese Auslöser können sehr vielfältig sein. Die meisten Betroffenen reagieren nicht nur auf einen, sondern auf mehrere.

HORMONE: "Aus klinischen Studien wissen wir, dass ein plötzliches Absinken des Östrogenspiegels ein möglicher auslösender Faktor ist", sagt Prof. Dr. Göbel. Bei entsprechend empfindlichen Frauen kann die rechtzeitige Gabe von Östrogen helfen, eine Attacke zu verhindern.

RHYTHMUSVERÄNDERUNGEN: Einer der Faktoren, die ebenfalls sehr oft das Fass zum Überlaufen bringen, sind Veränderungen im Tagesrhythmus. "Das können eine ausgelassene Mahlzeit, Flüssigkeitsmangel oder zu wenig Schlaf sein", erklärt Prof. Dr. Göbel. Ein geregelter Tagesablauf ist daher wichtig für Migräne-Betroffene.

ÄUSSERE REIZE: Auch Licht, Lärm, Gerüche können bei entsprechender Veranlagung die Nerven überreizen.

PSYCHE: Weiter stecken auch oft Empfindungen hinter einem Anfall. So können Stress, Angst, aber auch Freude zu Kopfschmerzen führen.

BESTIMMTE LEBENSMITTEL: "Früher glaubte man, dass Schokolade oder Käse zu Migräne führen können. Aber heute weiß man, dass der Heißhunger nach solch kalorienreichen Lebensmitteln als Vorboten-Symptom zu deuten ist", erklärt Prof. Dr. Göbel. Hier darf man also Ursache und Wirkung nicht verwechseln. Allerdings: "Alkohol wie Rotwein kann tatsächlich Migräneanfälle auslösen", so der Experte.

Die besten Hilfen

"Für die Behandlung gilt es, die persönlichen Auslösefaktoren zu finden und dann möglichst zu vermeiden", sagt der Migräne-Fachmann. Ein Schmerzkalender dient dazu, sie aufzuspüren. Sollte es doch zur Attacke kommen, helfen moderne Präparate.

MEDIKAMENTE VOM ARZT: „Während der Attacke sollte möglichst schnell und effektiv eingegriffen werden. Die wirksamsten Medikamente, die heute zur Verfügung sehen, sind Triptane, die in der ärztlichen Beratung individuell ausgewählt werden", sagt Prof. Dr. Göbel. Sie blockieren die Freisetzung von Nervenbotenstoffen und wirken auch gegen Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit.

SICH SELBST BEHANDELN: "Geeignete Schmerzmittel sind Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol. Brausetabletten werden dabei schneller aufgenommen, und sind daher effektiver", sagt Prof. Dr. Göbel. Um einen Übergebrauch zu vermeiden, der wiederum zu Kopfschmerzen führen kann, gilt: Schmerzmittel an maximal zehn Tagen pro Monat verwenden.

CLEVER VORBEUGEN: "Der Schwerpunkt in der modernen Therapie liegt darin, Migräne vorzubeugen", sagt der Experte. Dazu tragen eine regelmäßige Ernährung, Pausen im Alltag, eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit, Entspannungsverfahren sowie regelmäßiger Ausdauersport bei.

ALTERNATIVEN AUSPROBIEREN: Infrage kommen etwa Akupunktur oder das Biofeedback-Verfahren, bei dem man lernt, unwillkürliche Körperfunktionen zu steuern. Wichtig ist jedoch: Passives Hinlegen allein funktioniert nicht. Prof. Dr. Hartmut Göbel: "Die Betroffenen müssen Verantwortung übernehmen und ihren Alltag so gestalten, dass die Wahrscheinlichkeit von Anfällen reduziert wird."

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