Gewalt gegen Frauen: Eine von ihnen berichtet

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Eine anonyme Autorin berichtet von ihren Erfahrungen mit häuslicher Gewalt

Wenn aus Liebe Angst wird... Eine Frau berichtet ehrlich, wie sie Gewalt von ihrem Partner erfahren hat und warum sie ihn dennoch nicht sofort verließ.

Jede fünfte Frau in Europa erfährt Gewalt durch ihren Partner. Neun von Zehn dieser Frauen schweigen. Auch diese Frau, die diesen unglaublich packenden und ehrlichen Bericht auf kleinerdrei.org geschrieben hat, hat lange geschwiegen. Aus Scham. "Dass ich das mit mir machen ließ. Dass mir das überhaupt passierte. Dass ich mir den falschen Partner suchte, einen, der mich schlug. Dass ich Jahre brauchte, um mich zu trennen."

Vom ersten Satz an ist man gefesselt, wenn die Autorin berichtet, wie ihr Partner auf ihren Kopf einschlägt, während sie im neunten Monat schwanger ist. Ihr Trommelfell platzt, sie geht zum Ohrenarzt und der Arzt merkt sofort, was los ist: “Sie schlagen alle immer auf das linke Ohr. Wenn es das linke Ohr ist, dann war es immer der Mann”, sagt er. Doch sie streitet alles ab.

"Bevor es passierte, war ich mir sicher, dass ich einen gewalttätigen Partner nicht dulden würde. Ich hätte alles, was ich habe, darauf verwettet, dass ich bei dem kleinsten Anzeichen von häuslicher Gewalt auf dem Absatz kehrt machen würde."

Eines Tages ist sie mit ihrem Partner auf einem Parkplatz und bittet ihn, sich zu beeilen. Er "tickt aus" und geht auf sie los - während sie ihre sieben Monate alte Tochter auf dem Arm hält. Er haut ab, die von Augenzeugen gerufene Polizei kommt. Und wieder streitet sie vor dem Beamten alles ab. "Und dann sagt er mir, dass die Zeugenaussage der Menschen, die die Polizei riefen, noch Jahre gespeichert blieben – sollte doch jemals was passieren. 'Oder falls Sie es sich anders überlegen.'"

"Ich blieb lange, weil er, wie jeder Mann, der seine Partnerin schlägt, nicht in jeder Minute der schlagende Partner ist. Weil es Momente gab, in denen ich wieder und wieder Hoffnung schöpfte, dass wir ein Familienleben haben können – ohne brutale Aussetzer. [...] Es war gerade meine Sehnsucht nach einer heilen Familie, nach dem ganz gewöhnlichen Familienglück, die mich bleiben ließ."

Einen Moment der Klarheit erlebt die Autorin, als ihre Tochter zehn Monae alt ist. "Als meine Tochter zehn Monate alt ist, sieht sie mit weit aufgerissenen Augen ihrem Vater dabei zu, wie er ausrastet." Das erste Mal sieht sie, dass ihre Tochter bewusst wahr nimmt, was passiert.

Doch auch die Therapie, zu der sie ihren Partner daraufhin überredet, hilft nicht wirklich. Statt sie zu schlagen, zerstört er Gegenstände. Hauptsächlich ihre Sachen. Ihr Nachttisch, ihr Smartphone, ihre Lieblings-Weingläser, ein Fenster...

Letztendlich verlässt sie ihren Mann. Sie packt ihre Sachen, nimmt ihre Tochter und geht.

Die Zahlen sind erschreckend

Ihren Bericht beendet die Autorin mit ernüchternden Zahlen der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte: Jede dritte Frau über 15 Jahre in Europa hat schon körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. Jede fünfte Frau in Europa hat diese Gewalt in der Partnerschaft erfahren. Seit die Autorin diese Zahlen kennt, "sitze ich in der Bahn und zähle durch. Bei jeder fünften Frau halte ich kurz an. [...] In Deutschland zeigen nur 11 Prozent ihren Partner an. Neun von zehn Männern, die ihre Partnerin schlagen, müssen keinerlei Konsequenzen befürchten."

Noch erschreckender sind die rein deutschen Zahlen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: 40% der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. 25%, also jede vierte, der in Deutschland lebenden Frauen haben Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt.

Der vollständige Bericht der anonymen Autorin ist auf klerinerdrei.org veröffentlicht.

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