Vergewaltigungs-ProzessGina-Lisa Lohfink ist schuldig: was jetzt?

Gina-Lisa Lohfink im Gericht: Sie wurde schuldig gesprochen
Gina-Lisa Lohfink im Gericht. Sie wurde schuldig gesprochen.
Foto: Getty Images

Wer ein Mal lügt, dem glaubt man nicht. Und wer gemachte Brüste, blonde Haare und aufgespritzte Lippen hat, dem schon mal gar nicht. Man könnte meinen, dass der Fall Gina-Lisa Lohfink so einfach ist. Doch ganz so ist das dann doch nicht. Gina-Lisa ist schuldig gesprochen. Schuldig, zwei Männer fälscherlicherweise der Vergewaltigung bezichtig zu haben. Und was jetzt?

Es gibt da ein Sex-Video. Gina-Lisa und zwei Männer. Harter Sex. Man hört sie sagen: "Hör auf, hör auf." Doch die Männer hören nicht auf. Sie filmen weiter. Hinterher wird Gina-Lisa sagen, sie wurde vergewaltigt. Die Richterin sieht es anders. Einvernehmlicher Sex, heißt es. Ein Sachverständiger bestätigt das. Nicht zuletzt, weil Gina-Lisa bereits Sex mit den beiden Männern hatte. "Dann eine Woche später mit dem Vorwurf der Vergewaltigung zu kommen, ist nicht zu verstehen." K.O. Tropfen sollen im Spiel gewesen sein. Doch die können nicht nachgewiesen werden. Eine SMS mit dem Inhalt "Ich vermisse dich" von Gina-Lisa an einen der Männer tut ihr übriges. Gina-Lisa ist unglaubwürdig.

Viele Frauen haben Gina-Lisa unterstützt. "Nein heißt Nein"- T-Shirts wurden in den Druck gegeben. PR-Kampagnen gestartet. Von Frauen, die beim Prozess zugeguckt haben. Die aber auch zugeguckt haben, als Gina-Lisa vom frechen GNTM-Girl zur vollbusigen Blondine mit tätowierten Händen und falschen Freunden geworden ist. Wir mögen das: ein bisschen peinlich, ein bisschen prollig. Wir waren dabei, als uns schon langsam klar wurde, das Gina-Lisa eventuell eher Hilfe, als noch ein Interview mit einem Privatsender bräuchte. Aber naja, so ist das mit den Gina-Lisas und Naddels der Welt. Man guckt zu, wie sie sich kaputtmachen und danach schaltet man den Fernseher ab.

Lügt sie oder lügt sie nicht?

Ein mulmiges Gefühl bleibt. Was, wenn sich die Richterin täuscht? Wenn wir uns alle täuschen. Und Gina-Lisa eben doch eine vergewaltigte Frau ist. Für eine junge Frau, die seit Jahren nichts anderes macht, als ihr Leben für die Medien zu spielen und so Geld zu verdienen, ist es ein Prozess sicher eine verstörende Möglichkeit Aufmerksamkeit zu gewinnen. Was ist wahr, was spielt sie? Für die Richterin ist das inzwischen klar. Gina-Lisa hat zwei Männer fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigt. Vielleicht um Kameras auf sich zu lenken, Geld zu verdienen. Die Frage ist: Dürfen wir das jetzt verurteilen, wenn wir vorher gerne im Fernsehen hingeschaut haben? Was wir wirklich dürfen: Mitgefühl haben. Mitgefühl mit einer Frau, die sicherlich falsche Entscheidungen getroffen hat.

 

Gina-Lisa als Beispiel für andere Frauen

"Wenn das, was Sie Frau Lohfink angetan haben, Schule macht, dann gute Nacht für alle Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind." Was Gina-Lisas Anwalt der Staatsanwaltschaft vorwirft, ist hart. Aber wir sind nicht Gina-Lisa. Uns glaubt man, wenn wir Vergewaltigung rufen. Oder? Wir lehnen uns ja gerne zurück und denken, dass uns so etwas nie passieren würde. Das stimmt auch allzu oft. Aber Zweifel bleiben. Zweifel, was jetzt mit Gina-Lisa geschieht. Und wie wir dieses Urteil sehen sollen.

Doch eins steht fest: Egal, was Gina-Lisa vorgeworfen wird. Sie kämpft. Und wird in Berufung gehen. Aber zwischenzeitlich kommt ja noch das Dschungelcamp. Und da werden wir sicher die ganze Wahrheit erfahren.

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