Haben Eltern wirklich ein Lieblingskind?

lieblingskind

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Forschungen behaupten, Eltern haben ihre Kinder nicht alle gleich lieb

Die meisten Eltern sagen, sie hätten kein Lieblingskind. Doch mehrere Untersuchungen zeigen: Doch, haben sie! Warum Eltern welches Kind lieber haben...

Normalerweise würden Mütter es niemals zugeben, wenn sie ein Lieblingskind hätten. Und wahrscheinlich ist das auch gut so, denn wer hört schon gerne, dass die eigenen Eltern den Bruder oder die Schwester lieber haben?

Doch verschiedene Forschungen zeigen: Die meisten Eltern haben ein Lieblingskind!

Jeffrey Kluger, Autor des Buches "The Sibling Effect" ("Der Geschwister-Effekt", hier bei Amazon zu kaufen (allerdings nur auf Englisch)) hat für sein Buch zahlreiche Studien verfolgt. So sollen laut einer Studie 70 Prozent der Väter und 60 Prozent der Mütter ein Kind bevorzugen, selbst dann, wenn sie wissen, dass sie beobachtet werden.

In einer anderen Untersuchung gaben sogar 70 Prozent der befragten Mütter ganz offen zu, dass sie ein Lieblingskind haben.

Und die Kinder bekommen das nicht selten auch mit - wenn auch oft erst im Nachhinein: Professor Dalton Conley, Leiter der Sozialwissenschaften an der New York University, bestätigt, dass viele Geschwister, wenn man sie im Erwachsenenalter befragt, sagen können, welches Kind das Lieblingskind ihrer Eltern war.

Wenn ein Kind merkt oder sich auch nur einbildet, dass es das "weniger-bevorzugte" Kind ist, kann das Folgen haben. Eine Studie, die Kluger anführt, fand heraus, dass diese Kinder eher zu Ängsten, geringem Selbstwertgefühl, oder sogar Depressionen neigen. Noch im Erwachsenenalter kann sich das auf das Gefühlsleben auswirken.

Doch auch für das bevorzugte Kind ist das Leben nicht immer ein Zuckerschlecken. Lieblingskinder kommen oft nicht damit klar, dass es in ihrem Leben später keine Bevorzugung mehr in ihre Richtung gibt. Plötzlich müssen sie sich mehr Mühe geben, um ihre Anerkennung zu bekommen. Dabei haben sie sich ihre Rolle für gewöhnlich doch gar nicht ausgesucht!

Die deutliche Bevorzugung eines Kindes kann außerdem dazu führen, dass unter den Geschwistern ein schlechtes Verhältnis entsteht. Der ewige Konkurrenzkampf um die Gunst der Eltern zerstört eine Beziehung, die eigentlich etwas Wundervolles sein soll.

(Weiterlesen: 5 Tipps, wie Sie Ihre Geschwister zu Verbündeten machen)

Welches Kind wird am ehesten das Lieblingskind?

Meistens mögen Elternteile das Kind am liebsten, das am ehesten wie sie selbst ist. Wenn das Kind dann auch noch das andere Geschlecht hat, um so mehr: Also das "Muttersöhnchen" und "Papas kleines Mädchen".

Jeffrey Kluger erklärt Woman's Weekly gegenüber, wir seien "Reproduktions-Narzissten". Wir bekommen Kinder, weil wir uns selbst reproduzieren wollen. Wenn wir eine charakterliche Kopie von uns erschaffen haben, obwohl diese Kopie ein anderes Geschlecht hat, gibt das sogar noch Extrapunkte, es ist ein noch größerer Erfolg.

Auch der Wohlstand von Familien kann Aufschluss darüber geben, ob es ein Lieblingskind gibt. Professor Conley stellt fest, dass wohlhabenere Eltern ihre Kinder besser gleichberechtigt behandeln können, weil sie eher die Mittel dazu haben. Ärmere Eltern werden häufiger zu Entscheidungen gezwungen.

Auch die Reihenfolge, in der die Kinder auf die Welt kommen, kann Auswirkungen darauf haben, welches Kind das Lieblingskind wird. Vor allem, wenn in den Familien mehr als zwei Kinder leben.

Das Erstgeborene Kind ist meistens das Lieblingskind, weil Eltern bei seiner Geburt die meisten Investitionen machen mussten. Die Vorfreude war am größten, es wurden viele tolle Sachen gekauft...

Außerdem haben Studien gezeigt, dass viele Erstgeborene ein wenig größer, stärker und oft auch ein bisschen intelligenter als ihre Geschwister sind. Das hängt damit zusammen, dass sie in ihren ersten Lebensjahren die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern hatten.

Sandwich-Kinder sind am seltensten das bevorzugte Kind. Außer sie stechen irgendwie hervor, weil sie zum Beispiel der einzige Junge unter Mädchen oder das einzige Mädchen unter Jungen sind.

(Weiterlesen: Wie uns unsere Geschwister prägen)

Ich glaube, ich habe ein Lieblingskind - was kann ich tun, damit es dem anderen trotzdem gut geht?

Wie wir gelesen haben, kommt es nunmal vor, dass Eltern ein Lieblingskind haben. Das ist normal. Es ist nur wichtig, dass Sie das Ihren Kindern gegenüber niemals zugeben.

Kluger betont bei Woman's Weekly: "Es gibt zwei Vorteile für Eltern, die es nicht laut aussprechen [dass sie ein Lieblingskind haben]: Zum einen kann sich das Kind zumindest nie ganz sicher sein, welche Position es hatte. Zum anderen, wenn Kinder eh schon ahnen, wer von ihnen der Liebling ist, ist es ein Akt der Liebe, zu leugnen, dass eines bevorzugt wird."

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