Halbes Glück: Was es bedeutet, Zwillinge zu bekommen und nur einer davon überlebt

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Halina hat eines ihrer Kinder verloren

Wie geht man damit um, wenn bei einer Zwillingsschwangerschaft ein Baby stirbt?

Wenn bei einer Zwillingsschwangerschaft ein Baby stirbt, liegen Freude und Trauer nah beieinander. Doch wie geht man damit um? Halina hat es erlebt: Eines ihrer Babys starb in ihrem Bauch.

Seit vielen Jahren habe ich versucht, schwanger zu werden. Es hat einfach nicht geklappt. Dann haben mein Mann und ich uns für eine künstliche Befruchtung entschieden. Es hat sofort funktioniert und ich wurde schwanger mit Zwillingen. Wir haben uns wahnsinnig gefreut, dass unser größter Wunsch endlich erfüllt wurde! Da ich zu dem Zeitpunkt schon über 35 Jahre alt war, war es eine Risikoschwangerschaft. Doch wir machten uns keine großen Gedanken darüber, es wird schon alles gut gehen.

Dann folge eine Zeit voller Vorfreunde und Spannung. Wir überlegten uns Namen und bestaunten die 3D-Ultraschallbilder unserer ungeborenen Kinder. Wir kannten alles der Zwillinge: ihre Nasen, ihre Fäuste, ihre Bäuche. Ich war so glücklich wie nie zuvor!

Nach 20 Wochen Schwangerschaft erfuhren wir das Geschlecht der Babys: ein Junge und ein Mädchen. Der Arzt erzählte uns, dass das Mädchen kerngesund und gut entwickelt ist. Doch dann kam der Schock. Wir erfuhren, dass unser Junge ein krankes Herz hat. Weitere Untersuchungen bestätigten die Diagnose. Unser Junge ist nicht überlebensfähig! Ich fühlte mich schrecklich und fragte mich die ganze Zeit: „Warum?“.

In der 21. Schwangerschaftswoche hörte das Herz meines Sohnes auf zu schlagen. Ob mein Mädchen den Herzschlag ihres Bruders vermisste? Ob sie einsam ist? Ich wusste, dass ich ein paar Monate später beide Babys zur Welt bringen musste, damit meine Tochter überleben konnte. In mir kam große Angst auf, dass die Trauer um das tote Baby die Freunde über das gesunde Baby überwiegt.

Nach der Diagnose gab ich mir eine Woche zum Trauern. Ich gab mich meinen Gefühlen hin: Ich weinte viel, ignorierte alle Anrufe und blieb tagelang mit geschlossenen Augen im Bett. Zeitweise wusste ich nicht mal, ob es Tag oder Nacht ist. Nach dieser schlimmen Zeit der Trauer nahm ich mir vor, mein Augenmerk auf das gesunde Kind zu richten. Meine Tochter brauchte mich, um gesund und glücklich zu sein.

Die Geburt verlief schnell und unkompliziert. Es war wunderschön, meine süße Tochter endlich in den Armen halten zu können. Meinen Sohn wollte ich nicht sehen. Ich hatte nur noch Augen für meine Tochter und freute mich riesig, sie endlich kennenzulernen. Da ich die Phase der Trauer schon hinter mir hatte, konnte ich nun ganz für meine Tochter da sein.

Die Erinnerung an diese schmerzhafte Zeit der Trauer trage ich immer noch in mir. Doch die Liebe, die ich für meine Tochter empfinde, ist viel größer als der Schmerz über den Verlust.

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