Hallo, Schatzi!

hallo schatzi

Kolumne: Psst

Kosenamen sind ein netter Liebesbeweis. Aber es kommt auf die richtige Wortwahl an, findet Joy-Redakteurin Susanne Frank.

Schau' mir in die Augen, „Hasenpo“!

„Schatzihausen!“, tönt es aus dem zweiten Gang links im Supermarkt und verhallt langsam im dritten zwischen den Cornflakes. Ruckartig drehen sich die Köpfe der anwesenden Kunden erst in die Richtung, aus der die Stimme kommt, schweifen über die Regale mit den Einmachpflaumen und bleiben an mir, der einzigen Person, die betreten den Kopf einzieht, hängen. Ich laufe erst tomatenrot an, dann werde ich schneeweiß, als wollte ich eine Hauptrolle im japanischen Kabuki-Theater ergattern.

Denn „Schatzihausen“ bin ich. Mein Freund nennt mich seit neuestem so. Davor war ich „Schnuddel“, „Honey-Bunny“ und neulich bei mir zu Hause sogar „Schnappi“. Meine Mutter ist seitdem auch der felsenfesten Überzeugung, sie hätte einen Hörfehler. Nicht, dass ich generell etwas gegen Kosenamen hätte, aber wenn schon, sollte es einer sein, um den mich andere Frauen beneiden. Was wäre wohl passiert, wenn Humphrey Bogart in „Casablanca“ zu Ingrid Bergman statt „Kleines“ Hasenpo gesagt hätte? Ganz einfach: Rick wäre zu Recht in der Verbannung verschwunden!

„Mutti“ wäre schlimmer

„Wir müssen über deine Liebesbekundungen reden“, raune ich also meinem Freund zwischen Halbfettmargarine und Dosenravioli zu. Er guckt mich mit großen graugrünen Augen an. Ich habe sofort ein schlechtes Gewissen. Eigentlich ist der Kosename doch gar nicht so schlecht. „Mutti“ wäre schlimmer. Trotzdem! „Nenn mich doch einfach …?“ Himmel, es muss doch etwas Unverfängliches geben?! „Mein Igelschnäuzchen“, meint er bekümmert, „der Name soll doch etwas Besonderes sein. So wie du!“ Ich schmelze dahin wie Butter in der Augustsonne.

Trotzdem! Ich muss hart bleiben. „Könnten wir uns einigen, dass du mir keine Tiernamen gibst?“ Er nickt. „Mein …“, setzt er nochmal an. „Und Essen oder Haushaltsgeräte sind auch tabu!“, ersticke ich den nächsten Versuch schon im Keim. Nicht auszudenken, wenn beim nächsten Einkauf plötzlich „Puddingschnecke“ oder gar „Schneebesen“ durch den Laden tönen würde. Er nickt verständnisvoll, und ich bin glücklich – bis zum nächsten samstäglichen Shopping . Plötzlich dröhnt ein fragendes „Mrs Schatzi!???“ durch den Supermarkt. Und ich weiß sofort, wer gemeint ist. Aber irgendwie finde ich ihn auch süß, meinen „Mister Schatzi“.

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