Haltbarkeit von Elektrogeräten sinkt immer mehr

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Die guten alten Röhrenfernseher hielten gefühlt ewig - so dass wir oftmals auf dem selben Gerät als Kind "Heidi" und heute das Dschungelcamp gucken konnten
Foto: filonmar / iStock & Universum Home Entertainment

Die meisten Elektrogeräte halten nur noch 5 Jahre

Eine neue Studie des Umweltbundesamtes belegt: Viele Elektrogeräte halten nur noch ca. 5 Jahre. Machen die Hersteller das absichtlich so, damit wir mehr kaufen?

Elektrogeräte in deutschen Haushalten werden nicht alt - und das aus zwei Gründen, wie das Umweltbundesamt (UBA) zusammen mit dem Öko-Institut und der Universität Bonn herausfand.

Die Wissenschaftler haben diverse Elektrogeräte im Zeitraum 2004 bis 2012 analysiert. Die Studie geht noch bis Ende 2015, doch die Wissenschaftler veröffentlichten nun erste Zwischenergebnisse. Weshalb kaufen wir so viele Elektrogeräte?

1. Elektrogeräte gehen schneller kaputt

Tatsächlich, der Schein trügt nicht! Rainer Grießhammer, Mitglied der Geschäftsführung vom Öko-Institut, bestätigt, dass "der Anteil der Haushaltsgroßgeräte, die nicht mal fünf Jahre durchhalten und aufgrund eines Defekts ausgetauscht werden müssen, angestiegen ist".

Schon lange fragen sich viele, ob Hersteller die Lebensdauer von Elektrogeräten absichtlich verkürzen. Ein solcher Verschleiß wird häufig als "geplante Obsoleszenz" bezeichnet.

Beweise gab es für diese Theorie bislang nicht - und genau das möchte die Studie des Umweltbundesamtes ändern. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: "Inwieweit ein geplanter Verschleiß für die kurze Nutzungsdauer verantwortlich ist, klären wir jetzt in der zweiten Hälfte der Studie." Nach Ablauf der Gesamtstudie Ende 2015 will das Umweltbundesamt Empfehlungen für Hersteller, Verbraucher und den Gesetzgeber ableiten und prüfen, wie die Mindestlebensdauer ausgeweitet und am Ende auch überprüft werden kann.

2. Viele kaufen sich neue Geräte, obwohl die alten noch funktionieren

Der zweite Grund, warum Elektrogeräte in deutschen Haushalten nicht alt werden: Mit dem technischen Fortschritt mitzuhalten fällt immer schwerer. Zu schnell gibt es immer neue Geräte auf dem Markt und unsere Fernseher, Handys und Computer sind schon wieder veraltet.
Der Rechner funktioniert zwar noch, läuft aber mit Windows XP, für das Microsoft keine Sicherheitsupdates mehr zur Verfügung stellt?
Der gute alte Röhrenfernseher ist an sich wunderbar, aber das Fernsehprogramm ist auf große Fernseher im 16:9-Format ausgelegt? Bei "Wer wird Millionär" kann man die Fragen nicht mehr lesen und bei der "TV Total Poker Stars.de-Nacht" nicht mehr die Karten erkennen? Da ist es oft die einfachste Lösung, sich ein neues Gerät zu kaufen.

Diesen Trend stellt auch die Studie fest. Grießhammer: "Heute werden mehr Elektro- und Elektronikgeräte ersetzt, obwohl sie noch gut funktionieren. Häufig sind Technologiesprünge wie bei Fernsehgeräten, ein Auslöser."

So lange halten die Elektrogeräte im Schnitt:

Flachbildfernseher: Vor allem bei Fernsehern kaufen viele neue Geräte, obwohl die alten noch funktionieren. 2012 wurden über 60 Prozent der noch funktionierenden Flachbildschirmfernseher durch ein noch besseres Gerät ersetzt. Ein Viertel tauschte sein Gerät wegen Defekten aus. Das alte Gerät war zu dem Zeitpunkt im Schnitt 5,6 Jahre alt.
Zum Vergleich: Röhrenfernseher wurden in den Jahren von 2005 bis 2012 erst nach zehn bis zwölf Jahren Nutzungsdauer ersetzt.

Große Haushaltsgeräte: Nicht ganz so groß ist der Sprung bei den großen Elektrogeräten wie Waschmaschinen, Wäschetrocknern, Kühlschränken. Diese wurden zu Beginn der Studie im Schnitt nach 14 Jahren ersetzt, 2012 nach 13 Jahren. Trotzdem: Ein Drittel der Neukäufe wurden gemacht, obwohl die Geräte noch in Ordnung waren. Die Besitzer wollten auf bessere (sparsamere?) Geräte wechseln. Der Anteil der Geräte, die aufgrund eines Defektes schon innerhalb von fünf Jahren ersetzt werden mussten, ist zwischen 2004 und 2012 von 3,5 Prozent auf 8,3 Prozent auffallend stark gestiegen.

Notebooks: Bei Notebooks gab es kaum eine Veränderung in der Nutzungsdauer von fünf bis sechs Jahren. Doch die Gründe für die Anschaffung eines neuen Rechners haben sich gewandelt: 2004 wurden knapp 70 Prozent der Geräte ersetzt, weil es technische Neuerungen gab. 2012/2013 nur noch gut 25 Prozent.

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  Quelle: Öko-Institut, Universität Bonn: berechnet nach GfK-Daten

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