Handdesinfektion: Was bringt das eigentlich?

Händedesinfektionsgel Handdesinfektion
Ein Handdesinfektionmittel gehört zur Grundausstattung für jedes Festival
Foto: Wunderweib.de

Fast jeder hat sie inzwischen in seiner Tasche: diese praktischen kleinen Fläschchen mit Desinfektionsgel. Besonders auf einem Festival gehört ein desinfizierendes Gel zu Grundausstattung. Zwischen Dixiklos, Bierbechern und Fressbuden ist es ganz beruhigend zu wissen, dass man sich ab und zu die Hände reinigen kann? Aber stimmt das wirklich? Wir waren am Wochenende auf dem Hamburger Festival MS Dockville und haben uns gefragt: Ist Handdesinfektionsgel ein Bakterien-Killer oder nur Marketing-Quatsch?

 

Wozu desinfizieren?

 

Mit unseren Händen fassen wir täglich unzählige potenzielle "Gefahrenquellen an". Die Tastatur im Büro, der Türöffner in der U-Bahn: All diese Dinge können mit Krankheitserregern infiziert sein. Vor allem in den kühleren Jahreszeiten verbreiten sich so Erkältungen oder Grippeviren.

Um eine Übertragung zu verhindern, hilft es sich regelmäßig die Hände zu säubern. Medizinisch gesehen: Normales Händewaschen reicht in der Regel. Aber sollte man unterwegs sein und nicht die Möglichkeit zum regelmäßigen Hände waschen nicht besteht, ist ein Handdesinfektionsgel eine Alternative.

 

Was bringt Handdesinfektionsgel wirklich?

 

Für den Wettbewerb "Jugend testet" der Stiftung Warentest hat eine Klasse aus Schleswig-Holstein Handdesinfektionsgels unter die Lupe genommen. Getestet haben sie Produkte aus der Apotheke und der Drogerie. Zunächst wurde die Keimbelastung der Hände ohne Desinfektion untersucht, dann nach dem Einreiben und noch einmal nach 50 Minuten.

Ob nun Apotheke oder Drogerie: Grundsätzlich gab es keine Unterschiede zwischen den Produkten. Was allerdings auffiel: Nach 50 Minuten war die Wirkung aller Produkte wieder verschwunden und die Keimbelastung sogar höher als zuvor. Schlussfolgerung: Desinfektionsgel tötet alle Bakterien ab, auch diejenigen, die Krankheiterreger töten. Sind diese erst mal aus dem Weg geräumt, fällt es schädlichen Keimen noch leichter, sich zu vermehren.

Das heißt, will man dauerhaft keimfreie Hände haben - was eigentlich unmöglich ist - müsste man circa alle 30 Minuten Handdesinfektionsgel nutzen. Das ist natürlich unmöglich. Wer also vorhat in den nächsten Minuten etwas zu essen oder gerade eine Toilette besucht hat, der sollte schon einmal zum Desinfektionsgel greifen. Gründliches Händewaschen würde es in diesem Fall aber auch tun.

 

Je mehr Desinfektion, desto besser?

 

Eigentlich ist es eher andersherum: Zu viel Hygiene kann auch negative Auswirkungen haben. Um unser Immunsystem zu trainieren, brauchen wir den täglichen Umgang mit Viren, Bakterien und Pilzen. Mediziner gehen sogar davon aus, dass wenn das Immunsystem in jungen Jahren nicht ausreichend mit Dreck in Kontakt kommt, es eher zu einer Entwicklung von Allergien kommt.

Sogar Würmer können Gutes tun: Erwachsene, die als Kind einmal Würmer hatten, haben im Alter ein besseres Immunsystem. Dennoch gibt es natürlich auch Ausnahmen. Alte Menschen oder Menschen mit Krankheiten sind leichte Opfer für Krankheitserreger. Sie sollten sich vermehrt vor Viren und Bakterien schützen.

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