TierschutzHannes Jaenicke will die Löwen retten

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Hannes Jaenicke will die Löwen in Afrika vor der illegalen Löwenjagd schützen.
Foto: Michael de Boer / action press für Bauer Stars&Stories

Die Löwen werden in eingezäunten Gehegen erschossen

Schauspieler Hannes Jaenicke möchte die Löwen in Afrika vor heimtückischen Jägern beschützen. Was er dabei erlebt, zeigt er in der ZDF-Dokumentation "Im Einsatz für Löwen".

Der König der Tiere ist vom Aussterben bedroht. Nur noch 15 000 freilebende Löwen in Afrika – eine dramatische Zahl! Grund genug für Schauspieler Hannes Jaenicke (55), die aktuelle Episode seiner ZDF-Dokumentationsreihe „Im Einsatz für...“ dieser Tierart zu widmen (Ausstrahlung: 7. Juli 2015, 22.15 Uhr, ZDF). Dabei prangert er vor allem das Geschäft rund um die illegale Löwenjagd an.

Erste Station seiner Dokumentation: Der Besuch bei einer Löwenzüchterin in Kroonstad/Südafrika. Als Touristenattraktion bietet sie einen Streichelzoo mit putzigen Löwenbabys an. Was die wenigsten wissen: Diese Löwen bleiben bis zum Alter von sechs bis sieben Jahren in der Aufzuchtstation. Danach verkauft man sie an Mittelsmänner, die sogenannte „Gatterjagden“ organisieren. Reiche Russen, Amerikaner, aber auch Deutsche schießen Löwen in eingezäunten Gehegen. Bis zu 25 000 Euro kostet ein solcher Abschuss. Da die Tiere von Hand aufgezogen werden, zeigen sie keine Scheu vor Menschen. Teilweise werden sie mit Ködern angelockt oder mit Medikamenten ruhig gestellt. „Eine perverse Art der Trophäenjagd, die unbedingt gestoppt werden muss“, sagt Hannes Jaenicke wütend.

Dass es auch anders geht, zeigt die zweite Station von Jaenickes Südafrika-Besuch: Der Lionsrock-Park , vier Stunden Autofahrt südlich von Johannesburg entfernt.

Die Organisation VIER PFOTEN hat hier, in der Nähe der Stadt Bethlehem, ein über zwölf Quadratkilometer großes Wildtier-Refugium geschaffen. In der mit Gras und Büschenbewachsenen Hochebene leben Löwen, Tiger, Leoparden und viele andere Wildtiere wie Zebras, Gnus, Strauße und Antilopen. Großkatzen aus ehemals schlechter Haltung wie im Zoo oder Zirkus finden hier ein neues Zuhause. Insgesamt 87 Löwen haben hier ein neues Zuhause gefunden. In „Lionsrock“ dürfen sie weder gejagt, noch mit ihnen gehandelt oder gezüchtet werden. Hannes Jaenicke hat hier während der Dreharbeiten in einer typisch südafrikanischen Lodge Quartier bezogen. Er hilft den Rangern beim Füttern und Beschäftigen der Tiere.

Eine der gefährlichsten Situationen während der Dreharbeiten: Hannes Jaenicke auf Tuchfühlung mit Löwen-Dame „Baba Gee“ (7 Monate). Die Mutter wollte das Tier nicht, schon nach drei Tagen nahm die Züchterin das Baby zu sich, ließ es in ihrem eigenen Bett schlafen. Baba Gee ist an den Menschen gewöhnt – und dennoch ein wildes Tier! Beim Balgen mit Hannes krallt das Tier seine Pfoten erst in den Rücken des Schauspielers, kratzt ihn später am Arm. Blut fließt. Für das Tier nichts weiter als Spielverhalten – für den Menschen unter Umständen lebensgefährlich.

Eine beliebte Touristen-Attraktion: Hannes Jaenicke kuschelt mit einem vier Wochen alten Löwenbaby. Süß – und dennoch sollte man auf diesen Spaß lieber verzichten: Die Züchter entfernen die Kleinen bereits im Alter von zwei Wochen von ihren Müttern und ziehen sie mit der Flasche groß, damit sie sich frühzeitig an Menschen gewöhnen. Eine Auswilderung ist später nicht mehr möglich, da die Tiere dadurch einen Großteil ihrer ursprünglichen Instinkte verlieren. „Durch die regelmäßige Fütterung und die Gefangenschaft verlernen sie das Jagen und haben keine Ausdauer. In der Wildnis würden die Tiere verhungern“, erklärt Hannes Jaenicke.

Im Erwachsenenalter werden die Tiere an Jäger verkauft: „Erst streicheln, dann schießen – eine perverse Industrie, die in Südafrika leider häufig vorkommt“, so Hannes Jaenicke.

Die Reportage Hannes Jaenicke - Im Einsatz für Löwen wird am 7. Juli 2015 um 22.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

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„Löwen haben auf dem Schoß nichts verloren“

 

 

Exklusiv-Interview mit Hannes Jaenicke

 

Er kämpft für die Rechte der Tiere: BAUER STARS&STORIES hat Schauspieler Hannes Jaenicke zum TV-Dreh nach Südafrika begleitet. Dort setzt der TV-Star sich für die Belange der Löwen ein. Im Exklusiv-Interview spricht er nicht nur über das Drama um die Löwen, sondern auch über den Gesundheitszustand seiner Mutter, warum ihm Geld nicht wichtig ist, über Schicksalsschläge und den Tod, sein Leben in Amerika und er verrät, ob er doch noch Kinder in die Welt setzen will.

Herr Jaenicke, bekommen Sie nicht unglaublich viele Anfragen von Menschen, die möchten, dass Sie ihre Projekte unterstützen?

Meine PR-Agentur bekommt täglich Anfragen dieser Art. Die meisten muss ich aus zeitlichen Gründen absagen, obwohl es sich oft um großartige Projekte und Organisationen handelt, die mich um Hilfe bitten. Es gibt in Deutschland wenige Menschen aus der Medien-Industrie, die sich für Umwelt- und Naturschutzangelegenheiten engagieren. Darum werde ich vermutlich so häufig angesprochen.

Wie selektieren Sie, welches Projekt Sie unterstützen möchten?

Das entscheide ich nach Thema und Instinkt. Eine Zeit lang habe ich mich bei zu viele Dingen engagiert und mich total verzettelt. Es gibt einfach zu viele unterstützungswerte Projekte, was daran liegt, dass es auf der Welt unzählige Baustellen gibt, die Unterstützung brauchen. Es gibt in etwa 20 Organisationen, die ich regelmäßig unterstütze. Dazu gehören beispielsweise „Fans for nature“, eine Organisation zur Aufforstung des Regenwalds in Indonesien, die AGA (Aktionsgemeinschaft Artenschutz), „SharkAllies“ (Amerikanische Hai- und Meeresschutz-Organisation), die DUH (DEUTSCHE UMWELTHILFE), GREENPEACE, die CBM (Christoffel-Blindenmission) oder auch die ICT (International Campaign for Tibet), die sich für die vom chinesischen Regime brutal unterdrückten Tibeter einsetzt. Für diese Organisationen tue ich so viel ich kann und unterstütze sie auch finanziell. Ansonsten konzentriere ich mich punktuell auf einzelne Projekte.

Können Sie aufteilen, wie viel Zeit Ihres Lebens Sie Schauspieler, wie viel Aktivist und wie viel Privatmensch Sie sind?

Die Schauspielerei ist und bleibt mein Beruf und Broterwerb, der mir nach wie vor Riesen-Spaß macht. Und da ich das Glück habe, mit meinem Beruf auch noch gutes Geld zu verdienen, kann ich dieses dann wiederum in gemeinnützige Projekte stecken. Würde ich nur Dokumentationen drehen, ginge das nicht. Ich muss also weiter spielen, um den ganzen Laden am Laufen zu halten. Ich gebe zu, dass ich auch schon ziemlichen Mist gedreht habe, einfach weil es gut bezahlt wurde. Ich rechne meine Gage dann in Quadratmeter wieder aufgeforsteten Regenwald um. Oder aber in erblindetet Kinder in Afrika oder Asien, die nach einer Katarakt-OP wieder sehen können, weil die CBM diese Operationen bezahlt. Eine solche OP kostet 30 Euro – und verändert das ganze Leben dieser Kinder . Dafür mache ich gerne mal bei einem mittelmäßigen Film oder einer überflüssigen Quiz-Show mit.

Welche Rolle spielt Geld in Ihrem Leben?

Meine Großmutter sagte immer: „Wie man das Geld aus dem Fenster wirft, so kommt es zur Tür wieder herein, wenn man es richtig rauswirft!“ Ich lebe gut, aber bescheiden – und lege nicht viel auf die hohe Kante. Wem sollte ich das auch vermachen? Da mir meine Arbeit Spaß macht, werde ich vermutlich nie aufhören zu arbeiten.

Motiviert Sie die Tatsache, dass man selbst eine längere Lebenserwartung bekommt, wenn man Gutes tut?

Es ist statistisch erwiesen, dass Menschen, die sich sozial engagieren, länger leben. Auch Menschen, die mehr „wir“ sagen, als „ich“ leben länger. Im Schnitt Sieben Jahre! Wer nur sich selbst sieht, den überrollt jede Krise wie eine Lawine. Egomanie und Egoismus sind ungesund. Unsozial leben ist ungesund. Die Leute, die wirklich Geld haben und sich nur um sich selbst kümmern, besitzen vielleicht ein schöneres Haus, fahren dickere Autos und machen regelmäßig Luxus-Urlaub. Dafür bin ich ein zufriedenerer Mensch. Und ich schlafe besser.

 

„Das Letzte, was ich tun würde, wäre meine Eltern in ein Heim zu geben“

 

War es ein langsamer Prozess für Sie zu merken, dass Sie zufriedener werden, weil Sie sich sozial engagieren?

Nein, ich glaube, das kommt von meinen Eltern. Vor allem von meiner Mutter. Sie hatte im vergangenen Jahr einen Schlaganfall. Bis zu diesem Tag aber ist sie jede Woche einmal zu ihrer Ortsgruppe von Amnesty International gegangen. Mit 84! Meine Mutter war immer ausgesprochen engagiert und hat uns dazu erzogen, ähnlich zu denken. Ich komme aus keiner reichen Familie, aber was wir nicht verbraucht oder gebraucht haben, wurde grundsätzlich gespendet. Ich habe schon als Kind Menschen gesehen, denen es viel schlechter ging als uns. Ende der 60-er Jahre haben wir in den USA gelebt, zu Zeiten der großen Rassenunruhen. Im April 68 wurde Martin Luther King erschossen, zwei Monate später Bobby Kennedy. Es gab eine Ausgangssperre für Kinder ab 17 Uhr. Die Schwarzen fuhren damals durch die Straßen und schossen wahllos auf Weiße. Und meine Eltern haben das Kunststück fertiggebracht, uns zu erklären, dass man die Schwarzen verstehen muss, und dass solche Eskalationen aus Not und Armut entstehen. Insofern sind meine Geschwister und ich nicht in Wattekissen aufgewachsen, sondern Dank meiner Eltern mit einem ziemlich ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich bin immer viel gereist, auch Dank der Dokus, und habe die ärmsten Länder der Welt gesehen. Ich weiß wie Hunger, Lepra und Polio aussehen. Wenn man so privilegiert lebt wie wir in Deutschland, hat man die Pflicht und Schuldigkeit, davon etwas weiterzugeben. Was soll ich mit meinem Geld anstellen? Einen Porsche kaufen und damit am Golfplatz vorfahren? Ich verstehe nicht, wie man sich für solche Summen Autos oder Luxusklamotten kaufen kann, wenn man weiß, was nur vier, fünf Stunden Flugzeit von Deutschland entfernt in der Welt los ist. Ich war immer ein Konsumverweigerer – und bleibe es mit großem Vergnügen!

Wie geht es Ihrer Mutter heute?

Sie kämpft tapfer. Sie ist halbseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Bis zu ihrem Schlaganfall war sie fit wie ein Turnschuh und unglaublich aktiv. Es fällt mir schwer, sie so zu sehen, aber wir sind optimistisch, sie wieder aus dem Rollstuhl herauszuholen. Seit einigen Wochen geht sich schrittchenweise mit einem Rollator. Ich fahre so lange und so oft zu Besuch bei ihr, bis sie wieder laufen kann. Das ist der Plan! Meine Geschwister und ich organisieren was nur möglich ist: Physio- und Ergo-Therapie, Vollzeitpflege für meinen dementen Vater. Wir verdienen Gott sei Dank genug, um beide zuhause behalten zu können und den Pflegestandard relativ hoch zu halten. Das Letzte, was wir tun würden, wäre, meine Eltern in ein Heim zu stecken.

Wie schaffen Sie es, für Ihre Eltern da zu sein, wenn Sie so viel weg sind?

Ich verbringe vor allem wegen der Dokus viel Zeit in München. Bis zu meinen Eltern in der Nähe von Frankfurt sind es nur dreieinhalb Stunden. Da fahre ich am Nachmittag oder Abend hin und am nächsten Tag wieder zurück. Das mache ich an jedem freien Tag. Wir kriegen das gut hin.

Macht es einen nachdenklicher, was das eigene Leben angeht, wenn man einen solchen Schicksalsschlag in der Familie erlebt?

Ich weiß nur, dass ich irgendwann einmal ganz schnell gehen möchte. Dieses Siechen würde mir extrem schwer fallen. Natürlich denkt man über das Alter nach. Meine Eltern haben drei Kinder – ich habe keine. Mich wird niemand pflegen. Zum Glück habe ich ein paar wunderbare Freunde. Ich weiß, dass mindestens ein paar von ihnen mit mir ins Altersheim ziehen würden. Das wird dann richtig lustig! (lacht)

Haben Sie darüber nachgedacht, Ihre Eltern zu sich nach USA zu holen?

Meine Eltern wären in den USA besser aufgehoben als in Deutschland. Es wird immer viel geschimpft auf das amerikanische Sozialsystem. Aber Altenpflege ist dort viel besser organisiert als hier. Die Pflegesituation in Deutschland ist eine Katastrophe. Das System verlässt sich komplett darauf, dass tausende von Polinnen und Osteuropäerinnen die gesamte Alterspflege in Deutschland übernehmen. Wir geben Milliarden dafür aus, irgendwelche Banken zu retten, die Massentierhaltung und die Auto-Industrie zu subventionieren – aber wir haben kein Geld, um diejenigen anständig zu bezahlen, die unsere Alten versorgen. Das empfinde ich als Skandal. Da sind die Amerikaner anders. Ich habe mir ein Heim in Santa Monica angeschaut. Die Pflege würde für beide die Hälfte dessen kosten, was wir hier bezahlen. Aber ich kann meine Eltern nicht mehr umtopfen. Dafür ist es zu spät.

Wollten Ihre Eltern Ihnen nie schon früher in die USA folgen?

Mein Vater hat früher viel in den USA gearbeitet und hätte sicherlich nichts dagegen gehabt, auch seine Rente dort zu verbringen. Bei uns regiert jedoch die Mutter. Und die hat sich in Europa immer wohler gefühlt, als in den USA.

Haben Sie Heimweh nach Deutschland, wenn Sie in den USA sind – oder Heimweh nach den USA, wenn in Deutschland?

Könnte ich diese Frage beantworten, hätte ich nicht zwei Wohnsitze (lacht). Seit 25 Jahren komme ich eigentlich nur zum Arbeiten nach Deutschland und, um meine Freunde und Familie zu sehen. Wenn ich drei Monate am Stück in den USA bin, bekomme ich Heimweh nach Europa. Wenn ich aber nach zwei Monaten einen Film in Deutschland abgedreht habe, bin ich froh, nach Amerika zurück zu dürfen. Ich weiß, dass es ein großer Luxus ist, zwischen der alten und der neuen Welt pendeln zu können. Kalifornien ist eine der schönsten Flecken der Welt. Es gibt alles: Meer, Gebirge, Wüsten. Die Menschen dort sind unglaublich liberal, gut gelaunt, entspannt und denken fortschrittlicher, als irgendwo anders auf der Welt. Kalifornien ist mein Zuhause.

Ist das auch der Ort, an dem Sie selbst gerne alt werden möchten?

Die Familie ist der Grund, warum ich gerne in Deutschland bin. Ich habe sozusagen zwei Familien: Meine eigene, mit meinen Geschwistern, Cousins, Cousinen, Nichten und Neffen. Und dieselbstgewählte: meine Freunde. Gäbe es diese Familien nicht, wäre ich ganz in die USA gegangen. Und wo ich alt werde, entscheide ich, wenn es soweit ist.

 

"Ich kann auch ohne eigene Kinder Sinnvolles leisten"

 

Ist die eigene Familienplanung denn wirklich abgehakt für Sie?

Ich bin jetzt 55. Ich habe keine Lust, 70 zu sein und mich dann damit auseinander setzen zu müssen, dass mein Kind gerade mal wieder sturzbesoffen oder bekifft nach Hause gekommen ist. Das ist nicht meine Vorstellung von Vaterschaft. Ich denke, ich kann Sinnvolles in dieser Welt leisten, auch ohne eigene Kinder zu haben. Hätte ich Kinder, könnte ich nicht durch die abgelegendsten Winkel des Planeten tingeln und Filme über Löwen, Orang-Utans, Haie drehen oder in der Arktis hinter Eisbären herlaufen. Ich bin auch ohne Kinder ein zufriedener Mensch.

Können Sie gut mit Kindern?

Ja, sehr gut sogar.

Als Sie das Löwenbaby im Arm hielten und ihm das Fläschchen gaben – kamen da keine Vatergefühle auf?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich finde es pervers, sowas zu tun. Ich habe das nur gemacht, damit nicht auffliegt, dass wir uns als deutsches Reisemagazin bei der Züchterin eingeschleust haben. Löwen sind wilde Tiere, die haben weder im Streichelzoo, im Zirkus, auf dem Schoß, Arm oder sonst wo etwas verloren. Ich finde es kriminell, einen Löwen seiner Mutter im Baby-Alter zu entreißen, um daraus einen Kommerz-Objekt zu machen. Sie mögen süß aussehen, aber man sollte dem Versuch widerstehen. Löwen, egal wie jung oder klein, sind keine Hauskatzen.

Diese Baby-Löwen werden groß gezogen und später verkauft für die so genannte Gatterjagd.

Um die Art der Trophäenjagd geht es ja unter anderem in unserem Film. Reiche Deutsche, Österreicher, Russen, Araber, Spanier oder Amerikaner machen sich einen Spaß daraus, einen eingezäunten, per Flasche und von Hand aufgezogenen zahmen Löwen zu schießen. Ein Abschuss kostet zwischen 25 000 und 45 000 Euro. Jeder, der ein so majestätisches Tier aus Spaß oder als „Sport“ abknallt, sollte selbst zur Jagd freigegeben werden. Im Ernst. Mit den heutigen Waffen ist Jagen kinderleicht. Das schafft man sogar im betrunkenen Zustand – zumal der Löwe sich kaum bewegt, weil er seit Geburt an Menschen gewöhnt ist und tagsüber am liebsten faul unterm Baum liegt.

Warum widmen Sie sich jetzt erst den Löwen als bedrohte Tierart?

Es war die Entscheidung des ZDF, einen Film über Löwen zu drehen. Mir ist egal, welche aussterbende Tierart oder Umweltkatastrophe wir drehen. Hauptsache, wir können mit unseren Filmen etwas bewegen. Ich muss zugeben: Ich wusste selbst nicht, dass Löwen vom Aussterben bedroht sind. Ich dachte, es sei eine Tierart, bei denen die Stückzahlen noch halbwegs in Ordnung sind. Ich wünsche mir, dass die Zuschauer beim Gucken des Films genauso viel lernen, wie ich beim Drehen. Und, dass wir dadurch alle lernen, etwas achtsamer mit unserer Natur und Umwelt umzugehen.

Hatten Sie Angst, als Sie mit dem sieben Monate alten Löwen vor der Kamera gerauft haben?

Löwen sind natürlich schwieriger zu drehen als Elefanten, denen man sich in freier Wildbahn relativ leicht nähern kann, ohne gebissen oder blutig gekratzt zu werden. Ein sieben Monate alter Löwe ist definitiv zu alt, um noch mit ihm spielen zu können. Die kleine Löwin hat mich mit der Pfote erwischt und sofort hatte ich einen großen Blutfleck am Hemd. Ich halte es für absolut absurd, was die 200 Löwenzüchter in Südafrika veranstalten. Ihr Geschäft ist genauso kriminell wie bei uns die Zirkusse oder Zoos mit viel zu kleinen Gehegen. Zoos können eine großartige Sache sein, um manche Spezies zu erhalten. Mein Interesse an Tieren kommt vermutlich daher, dass mich mein Opa jeden Sonntag mit in den Zoo genommen hat. Delfine, Löwen, Tiger und Elefanten lassen sich jedoch in keinem Zoo der Welt artgerecht halten. Gewisse Tierarten haben im Zoo einfach nichts verloren.

Spielzeug für die Löwen: Mit den freiwilligen Helferinnen Erika und Lisette wirft Hannes Pappkartons ins Löwengehege. Sie sind gefüllt mit Stroh – die Löwen zerbeißen sie und sind so für kurze Zeit beschäftigt.

Welches Tier hat Sie in den vergangenen Jahren am meisten beeindruckt?

Die Dreharbeiten zu unserem Film über Haie waren wohl am spannendsten. Haie haben ein miserables Image. Wir alle haben Angst vor ihnen und rotten sie schneller aus als jedes andere Tier auf der Welt. Dabei ist es ein völlig harmloser Fisch. Er beißt nur, wenn der Mensch Fehler macht. Etwa dann, wenn er nach starkem Regen in trübe Gewässer geht. Oder, wenn Fischabfälle verfüttert werden, um Haie anzulocken. Ein Hai interessiert sich prinzipiell nicht für Menschen. Der Hai ist das wichtigste Tier in der marinen Nahrungskette. Er sorgt für die Balance im Ozean.

Sie hatten also auch keine Angst vor den Haien?

Und ob! Ich habe mir fast in die Badehose gemacht vor Angst. Aber sobald wir mit unseren Kameras im Wasser waren, habe ich gemerkt, dass Haie in etwa so gefährlich sind wie Goldfische. Mein ganzes Team ist mit hunderten von Haien geschwommen, und die haben uns weitestgehend ignoriert. Wir stehen nicht auf deren Speisezettel.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es, sollte beim Dreh mit einem Tier etwas passieren?

Wir haben immer Fachkräfte dabei. Und an deren Ansagen halten wir uns strikt. Bei den Löwen auf der Farm handelte es sich um habituierte, also an Menschen gewöhnte, Raubkatzen. André Sarrasani lebte lange zusammen mit zwei Zirkustigern, die er geerbt hatte. Sie sind nicht anders als ganz normale Hauskatzen: Sie legen sich auf den Rücken und wollen gekrault werden. Mit einem wilden Tier hat das nicht mehr viel zu tun.

Aber ein Tier hat doch immer noch seinen Instinkt...

Meine eigenen Katzen haben mich auch schon blutig gekratzt. Meinen zweiten Kater habe ich vor zwei Jahren aus dem Tierheim geholt. Anfangs hat er mich gebissen, dass kein Auge trocken blieb.

Was hat Sie am meisten überrascht beim Dreh mit den Löwen?

Die Tatsache, dass sich Löwen letztendlich nicht anders verhalten, als meine beiden Katzen zuhause. Sie liegen auf dem Rücken, schlafen gerne und viel, spielen, fressen und sind außergewöhnlich sozial. Löwen sind eigentlich nur überdimensionierte Hauskatzen. Das kann man von Tigern, Leoparden und Jaguars nicht behaupten. Diese sind alle einzelgängerische Raubkatzen, die im Gegensatz zu Löwen nicht in Rudeln leben.

Wie weit würden Sie gehen für einen guten Tierfilm? Gibt es Grenzen?

Ja. Ich würde in einem Gebiet, in dem sich gerade Löwen tummeln, niemals zu Fuß los ziehen. Ich würde auch in der Serengeti nicht aus dem Auto steigen, um näher an die Löwen zu kommen. Und wenn uns Menschen gefährlich werden können, arbeiten wir mit versteckten Kameras. Als wir auf dem illegalen Tiermarkt in Jakarta gedreht haben, wussten wir, dass es besser ist, nicht aufzufliegen. Die Tier-Mafia bringt Menschen um, die ihnen auf die Schliche kommen. Mein Team und ich sind vorsichtig – aber eben auch nicht feige.

Was entgegnen Sie Menschen, die Ihnen vorwerfen, dass es wichtiger sei, Menschen zu retten als Tiere?

Man kann das eine nicht von dem anderen trennen. Das wäre naiv. Tierschutz ist immer auch Umweltschutz und damit Menschenschutz. Die Menschen, die für die Umweltzerstörung zahlen, sind immer die Ärmsten der Armen. Wenn der Meeresspiegel ansteigt, ertrinken als erstes Länder wie Bangladesh. Wer den Regenwald in Borneo mit seinen Orang-Utans rettet, rettet die Existenz der Menschen, die dort seit Jahrtausenden im und vom Wald leben.

Sie sind auch ein Verfechter von fairem Handel und fair hergestellten Produkten, wie beispielsweise Kleidung. Wer in Deutschland Hartz IV bezieht, kann sich nicht unbedingt ein fair produziertes Kleidungsstück leisten, sondern muss zu kik gehen...

Das ist falsch. Lieber sollte man etwas mehr Geld ausgeben für Qualität, die möglichst lange hält. Es gibt gute und korrekt produzierte Marken, die nicht teuer sind. Ich trage manche meiner T-Shirts seit 20 Jahren. Ich kaufe mir Levi’s-Jeans, weil ich weiß sie halten zehn Jahre. Ich muss mir nicht mehrmals im Jahr neue Jeans kaufen. Es ist kurzsichtig, immer das Billigste zu kaufen. Das ist die typische Denkart des Wegwerfkonsums. Diese Hartz IV-Diskussion scheint mir sowieso fragwürdig. Es ist immer auch eine Frage der Prioritäten. Erstaunlicherweise haben viele dieser Leute dann doch das neueste Handy oder den modernsten Fernseher... Es gibt viele Möglichkeiten, Geld zu sparen. Man kann bei Oxfam einkaufen, gebrauchte Sachen kaufen oder Dinge tauschen. Repair-Cafés sind ebenfalls eine großartige Einrichtung.

Mit Ihrer Haltung ecken Sie auch an. Empfinden Sie dieses Anecken manchmal selbst als anstrengend?

Ich glaube, die anderen finden es anstrengender als ich selbst. Ich bringe auch zum Catering meine eigene Tasse mit, weil es nervt, wenn während eines Filmdrehs tausende Plastikbecher verbraucht werden. Ich esse nicht von Papp- und Plastiktellern. Sollen die anderen doch lachen – ist mir egal (lacht).

Stört es Sie, als Gutmensch bezeichnet zu werden?

Das bin ich nicht. Was soll das sein? Interessanterweise gibt es diesen Begriff ausschließlich im Deutschen. Über die schlechten Menschen regt keiner sich auf, aber der Gutmensch ist eine Anfechtung. Solche Äußerungen muss man ignorieren.

Fällt Ihnen dieses Ignorieren leicht?

Als „FAZ“, „Stern“ und „Spiegel“ anfingen, auf mich einzudreschen, war ich enttäuscht und habe mich gefragt, warum die das machen. Inzwischen weiß ich, was ich mit meinen Filmen bewegen kann. Das ist das Einzige, was mich interessiert. Wenn Tausende von deutschen Zuschauern für etwas Sinnvolles spenden, von dem sie vorher keine Ahnung hatten, habe ich genau das erreicht, was ich wollte. Soll der „Spiegel“ doch schreiben, was er will.

Halten Sie sich selbst für einen Promi zum Anfassen – oder sind Sie eher unnahbar?

Ich glaube, ich bin grundsätzlich eher zum Anfassen. Das einzige, was ich ein wenig unter Verschluss halte, ist mein Privatleben. Ich habe einmal eine öffentliche Beziehung geführt – das muss ich nicht noch einmal haben. Man sollte Beruf und Privatleben trennen. Der Grund, warum Menschen dich ansprechen, ist nicht, weil du eine so wahnsinnig spannende Person bist, sondern weil du im Fernsehen bist. Es hat mit dir als Mensch nichts zu tun. Was meinen Job angeht, bin ich sehr offen – mein Privatleben halte ich weitestgehend unter Verschluss.

Inwiefern unterstützt Ihre Freundin Sie bei Ihren Aktionen?

Sie kommt aus einer sehr naturverbundenen Familie. Ihre Eltern entstammen der klassischen Hippie-Generation. Insofern sind wir beide auf einer ähnlichen Wellenlänge. Sie fragt nicht: „Warum fährst du schon wieder weg, Tiere retten und lässt mich allein?“ – sie fragt eher: „Warum nimmst du mich nicht mit?“ Leider hat sie nur zwei Wochen Urlaub im Jahr, die sich sehr genau einteilen muss. Ansonsten würde ich sie gerne öfters zu Drehs mitnehmen.

Was ist Glück für Sie?

Glück ist eine Kombination aus Vorbereitung und Gelegenheit. Du kannst das Glück nicht erzwingen. Du musst dich so verhalten, dass es zu dir kommt und dich findet. Da ist man ganz schnell beim Karma . Die buddhistische Lehre leuchtet mir sehr ein: Empathie, Aufeinander aufpassen und füreinander da sein.

Welche Tier-Dokumentation möchten Sie als nächstes drehen?

Diese Entscheidung treffen wir gemeinsam mit dem Sender. Wir haben seit Jahren ein fertiges Buch zum Thema Meeressäuger in der Schublade. Über Meerestiere lässt sich unglaublich viel erzählen. Ansonsten würden mich alle Primaten und Raubkatzen interessieren. Ein Film über aussterbende Vogelarten wäre ebenfalls interessant. Dort ist der illegale Handel ein massives Problem, und es gibt kaum Filme darüber. Ein südamerikanischer freilebender Papagei, von dem es nur noch 2000 Stück gibt, geht für eine halbe Million Dollar über den Tisch. Die Themen werden uns nicht ausgehen.

Macht es Ihnen mehr Spaß, eine solche Dokumentation zu drehen, als beispielsweise wie zuletzt in der Rolle von Franz Beckenbauer vor der Kamera zu stehen?

Nein. Das eine ist Freizeitgestaltung – das andere ist Beruf. Und beides macht mir ungeheuren Spaß.

Was passiert, wenn Franz Beckenbauer Sie nicht lustig findet?

Dann werde ich ihm sagen: „Franz, du warst mein Jugendidol – es tut mir leid, dass ich bei der Darstellung deiner Person gescheitert bin!“ Egal, wie Beckenbauer mit der Fifa und der Korruption dort verstrickt ist, ich bewundere Franz Beckenbauer. Er hat mehr erreicht, als jeder andere Fußballer auf der Welt.

Ihr Wunsch ans Universum?

Ich wünsche mir mehr Empathie auf der Welt, weniger Konsumwahn, und dass wir etwas sorgsamer mit unserem Planeten umgehen. Gandhi hat mal gesagt: „Sei selbst die Veränderung, die du sehen möchtest.“ Ich denke, dass jeder von uns etwas tun kann.

Interview: Christine Staab für BAUER STARS&STORIES
Fotos: Michael de Boer / action press für Bauer Stars&Stories

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