Hast du DEN schon gegoogelt?

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Hast du den schon gegoogelt
Foto: Thinkstock

Report: Tricks fürs Leute-Googeln

Seit dem NSA-Skandal wissen wir, dass Profi-Spione im Netz überall mitlesen. Aber auch privat wird eifrig recherchiert. Mit ein paar Klicks checken wir unsere Dates – und die umgekehrt uns. Wir verraten Tricks fürs Leute-Googeln. Und warnen vor Fallen, in die Sie nicht tappen sollten.

Google: Antworten auf alle Fragen?

Wie wohl seine Ex aussieht? Kuschelt er sonntags oder grölt er im Stadion? Warum macht er um seinen Job so ein Geheimnis? Sie können jetzt warten, bis Sie den Typ, der auf der Party so aufregend geküsst hat , wiedersehen – und ihn fragen. Oder seinen Namen bei Google eingeben und die Antworten direkt abrufen: viel zu hübsch (die Ex mit Modelfoto auf Facebook).

Fußballfan (er postet im BVB-Forum). Langzeitstudent (laut xing). 71 Prozent der Internetnutzer haben schon mal den Namen ihres Partners, Exfreunds oder Dates in eine Suchmaschine eingegeben, so eine Studie des IT-Verbands Bitkom. Um zu erfahren, was er tut und wie er tickt, ohne dass er es mitbekommt.

„Immer mehr Menschen haben Angst, offen zu zeigen, dass sie Interesse an jemandem haben“, analysiert Franziska Kühne, Psychologin und Autorin („Keine E-Mail für Dich.“, Tag & Nacht, um 15 Euro) das Phänomen. „Sie erhoffen sich von den Online-Infos Vertrauen. Das ist aber eine Scheinsicherheit.“

Nicht alles, was im Netz steht, stimmt

Ob das die Kollegin auf dem Nacktfoto ist, weiß man nie sicher. Und auch nicht, ob sie es selbst online gestellt hat – und nicht ein gehässiger Ex. „Im Netz findet man nur ein Abbild der Realität, nicht die Realität selbst “, warnt Thomas Köhler, Internetexperte und Autor („Die Internetfalle“, Frankfurter Allgemeine Buch, um 20 Euro) „Das Online-Ich ist geprägt davon, was man bewusst postet.

Deshalb gibt es im Netz auch lauter Superstars.“ Oder solche, die von anderen zu Losern abgestempelt werden. Es ist daher sinnvoll, sich auch mal selbst zu googeln. Laut einer neuen US-Studie des Pew Research Centers machen das 56 Prozent der Internetuser bereits, um zu erfahren, was Freunde, Nachbarn, Kollegen – und potenzielle Partner oder Arbeitgeber über sie finden.

„Unter Personalern ist es gängig, Kandidaten zu googeln“, sagt auch Köhler. Für ihn reicht es nicht, sich deshalb im Justin-Bieber-Fanforum (peinlich!) oder bei Facebook einen Nickname zu geben, wie es 40 Prozent der User tun (Bitkom-Umfrage von 2012).

Suche bei Google: Warum ich finde, was ich finde 

Längst gibt es intelligente Software, die anhand des Schreibstils, der Wortwahl, des Tons erkennt, wer was geschrieben hat. Wird irgendwann auch Gesichtserkennung – auf Facebook Standard – bei Suchmaschinen angewandt, kann man sich im Netz gar nicht mehr verstecken.

Google sucht nicht direkt im Netz, sondern in vorab gecheckten Websites. Weit oben landen www-Seiten, die auf vielen (wichtigen) Internetauftritten verlinkt sind und auf denen das Suchwort oft und prominent steht. Auch Seiten, die selbst als relevant gelten, tauchen an den ersten Stellen auf. Heißt: Wikipedia und Xing sind meist Top 10, abseitige Foren weit hinten.

„So wird der Mainstream nach oben gespült und Fachinfos rücken nach hinten“, warnt Thomas Köhler. Außerdem merkt sich Google, was man sucht und anklickt – und zeigt danach Ähnliches bevorzugt an. So kriegt jeder andere Ergebnisse, googelt er „Michael Jackson“ – oder sich selbst.

Google-Familie meiden

Daher ist es ratsam, sich mal an einem fremden Rechner zu „suchen“. Womöglich taucht dann ein altes Bikinibild auf, das der eigene PC längst unterschlägt. Apropos Fotosuche: Die ist noch unausgegoren. Steht ein Name nur in der Nähe, wird das Bild angezeigt.

Wer nicht ergoogelt werden will, sollte die Google-Familie wie Youtube, Gmail, Blogger meiden. Was man da postet, platziert die Suchmaschine prominent. Nützlich ist dann Google Alert. Die Funktion informiert per E-Mail, wenn was Neues über die eigene Person im Netz steht.

Andere Leute googeln

Was dafür spricht – und was dagegen.

Pro

- Gesprächsstoff finden: Bei Google findet man, dass der neue Vorgesetzte in Australien war – und kann mit „Ich wollte schon immer nach Sydney“ ein Gespräch in Gang bringen.

- Probleme umgehen:Der hübsche Nachbar betreibt einen Veggie-Blog? Dann laden Sie ihn besser nicht zum Fleischfondue ein.

- Fettnäpfchen umschiffen:Ihr Date hat amerikanische Literatur studiert? Basics zu recherchieren, kann nicht schaden, ehe Sie sich mit Jane Austen blamieren.

Contra

- Falschen erwischen: Schon mal Thomas Müller gegoogelt? Es gibt Hunderte. Und so lacht man schnell fälschlich über Kollege T. Müller, der im Katzenforum Gedichte schreibt.

- Vorurteile anhäufen: Der attraktive Kollege im Borat-Tanga bei Google – und Sie denken: Aufreißer, Urlaub am Ballermann. Dass es um eine Wette ging, verschweigt das Netz …

- Illusionen verlieren: Ihr Freund schickt Blumen ins Büro? Hat er auch für seine Ex gemacht! Behauptet zumindest ihr Blog. Ohne Online-Schnüffelei hätten Sie es süß gefunden, oder?

Mein Online-Ego

Auch Partyflirts, Freunde, Chefs googeln – uns. Tipps von Digital-Therapeutin Anitra Eggler und Internet-Experte Thomas Köhler.

1. Bevor man etwas hochlädt, sich immer fragen: „Könnte ich theoretisch damit leben, wenn das auf einem Plakat am Bahnhof zu sehen wäre?“ Ist Ihre Antwort „Nein!“, sofort abbrechen.

2. Alles, was radikal, fanatisch, abwertend ist (auch Witze über den Job), ganz für sich behalten. Sich überall mit Namen anmelden: keine gute Idee. Erika Muster ist besser als hexylexy19, am besten ist eine Fake-Identität. Die generiert man bei fakenamegenerator.com, inklusive Adresse, Geburtsdatum, Telefonnummer. Außerdem: nicht in jedem Forum als süßebiene1213 auftreten. So legt man eine Online-Spur, die irgendwann beim Real-Namen landet.

3. Facebook erkennt Gesichter, wird man auf Fotos „getaggt“. Daher dort keinen markieren und die Einstellung „Beiträge prüfen, bevor sie in deiner Chronik erscheinen“ aktivieren, damit der Chef Sie nicht im Sektrausch – und Ihr Date Sie nicht unvorteilhaft getroffen ergoogelt.

4. Wichtig: Netzwerke für Fremde unsichtbar machen. Wer will schon, dass jemand die mühsam an-gesammelten Jobkontakte abgreift? Auf Bussi-Bilder und öffentliche Liebeserklärungen à la „Mein Mausibär“ verzichten. Und schicken Sie dennoch ein Dessous-Foto an „Schatzi“, machen Sie das wenigstens „kopflos“. So ist egal, wenn es im Netz landet.

5. Eine eigene Website (für Bewerbungen etwa) können Sie zum Beispiel über Blogger (Google-Site) erstellen. So können Sie den Inhalt dieses prominenten Treffers selbst steuern und kontrollieren.

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