Helden des Alltags 2013 - Dieser Mann pflegt seine Frau, die seit einem Unfall im Wachkoma liegt

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Das Ehepaar Mackenbach beim Ausflug in die Natur.
Foto: photothek/Grabowsky

Die große Aktion von "auf einen Blick" - Teil 1

"Auf einen Blick" sucht die wahren Helden Deutschlands! In unserer großen Aktion wollen wir zeigen, dass es noch echte Vorbilder gibt, Menschen, die unsere Anerkennung verdienen. Jede Woche stellen wir Ihnen einen neuen Helden vor. Und Sie können entscheiden, wer am Ende unsere wahren "Helden des Alltags" sind.

Für ihn ist das, was er tut, selbstverständlich. Für die meisten anderen ist er ein Held. Seit 13 Jahren pflegt Karl-Otto Mackenbach (60) aus Morsbach in NRW seine Frau, die seit einem schweren Autounfall im Wachkoma liegt, nur bei minimalem Bewusstsein ist. Waschen, anziehen, füttern – Karl-Otto macht für seine geliebte Annegret (53) alles, was sie allein nicht mehr kann. Und das täglich. Seit jenem Tag, der das Leben der Mackenbachs dramatisch änderte.

Es ist der 9. Juli 1999. Das Ehepaar und seine drei kleinen Söhne sind im Wohnmobil unterwegs, als ein Reifen platzt. Annegret wird aus dem Fahrzeug geschleudert, dann kippt der Wagen auf sie. Der Rest der Familie kann sich befreien. „Halte durch, es kommt gleich Hilfe“, flüstert Mackenbach seiner Frau zu. Wenig später merkt er: Sie ist tot. „Ich ging auf die Knie und betete, es möge nicht so sein“, erinnert er sich an den schwersten Moment seines Lebens.

Annegret Mackenbach kann von den eintreffenden Hilfskräften wiederbelebt werden, fällt jedoch ins Wachkoma. Ein Jahr lang verbringt sie in Kliniken, dann beginnt ihr Mann, sie zu Hause zu pflegen. Spricht mit ihr. Hält ihre Hand. Bewegt ihren Körper. Fährt sie mit dem Spezialfahrrad spazieren. Und zieht nebenbei noch allein die drei Jungs Martin, Marius und Matthias groß, die 1999 erst elf, neun und drei Jahre alt waren. Seinen Beruf bei der Post gibt er dafür auf, geht in Frühpension.

„Natürlich ist das eine Riesenaufgabe, aber für mich gehört meine Frau hierher“, sagt er: „Wenn Verbesserungen möglich sind, dann zu Hause, wo man sich intensiv um Annegret kümmert.“ Und das tut er, mag es auch noch so schwer sein. „Ich musste erst ihre Laute, Mimik und Gestik lernen, um zu verstehen, wie es ihr geht und was sie möchte“, erklärt Mackenbach. Kann sie ihm Dankbarkeit zeigen? „Sie signalisiert deutlich, wenn es ihr nicht gut geht oder ihr etwas nicht passt. Alles andere ist ein Ausdruck von Ausgeglichenheit, und das bedeutet für mich, sie ist zufrieden.“

Unterstützt wird er bei der Pflege inzwischen auch von seinen Söhnen. Gemeinsame Mahlzeiten, Fernsehabende, Ausflüge in die Natur: Mackenbach ist glücklich, dass dies noch möglich ist. Als Mitglied des Selbsthilfeverbandes „Forum Gehirn e. V.“ gibt er zudem anderen Betroffenen Rat, etwa in dem Buch „Das andere Leben“, das über den Verband bestellt werden kann.

Die Entscheidung, seine Frau zu pflegen, hat er nie bereut: „Ich bin mir ganz sicher, dass sie dasselbe für mich tun würde. Das gibt mir Kraft.“