Helden des Alltags 2014 Nr. 03 - das Heimweg-Telefon

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Frances und Annabell geben Frauen nachts auf dem Heimweg ein sicheres Gefühl
Foto: Frances Photography

Die große Aktion von "auf einen Blick"

Ein tolles Projekt: Wie Frances und Anabell Frauen nachts sicher nach Hause bringen!

Nachts alleine auf dem Weg nach Hause? Frances Berger (31) und Anabell Schuchhardt (29) kennen wie viele andere junge Frauen das mulmige Gefühl. Gegen die Angst in der Dunkelheit gibt es jetzt Hilfe: Das neue „Heimwegtelefon“ von Frances und Anabell. Ihr Versprechen: Wir bringen dich sicher nach Hause!

Auf die Idee gekommen sind die beiden durch ein ähnliches Modell in Schweden. Dort gibt es bereits seit vier Jahren eine Nummer, die man nachts anrufen kann. „Wir haben uns gefragt, wieso es so etwas nicht in Deutschland gibt“, sagt Frances, die als Unternehmensberaterin arbeitet.

Das Heim-Telefon ist deutschlandweit zu erreichen

Statt lange zu überlegen, packen die Freundinnen es an und besorgen sich eine kostenlose Callcenter-Software. „So können wir am Computer über ein Headset mit den Anrufern sprechen. Egal, ob sie aus Berlin, Hamburg oder München kommen“, erklärt Frances. Seit Ende Dezember ist die Nummer 030/12 07 41 82 nun deutschlandweit zum Festnetz-Tarif freigeschaltet.

Die beiden Schutzengel schlagen sich die Nächte um die Ohren. Frances aus Berlin, Anabell seit Kurzem aus Heidenheim, wo sie als Geschäftsführerin eines Rückenzentrums arbeitet. Freitags und samstags kann jeder zwischen 22 Uhr und 2 Uhr anrufen und sich begleiten lassen.

Auch Männer rufen an

Bis zu 20 Minuten kann so ein Gespräch dauern, langweilig wird es dabei nie: „Die Mädels nennen uns Standort und Ziel, wir verfolgen das Ganze online über eine Karte und falls etwas passiert, können wir direkt die Polizei rufen“, erzählt Frances. „Man redet dabei wirklich über alles. Von Segeln, Reisetipps, Kochen, Partys und Frauenproblemen.

Manchmal rufen auch Männer an, das finden wir gut. Einmal ließ sich einer 45 Minuten lang von mir begleiten und wollte gar nicht auflegen. Dann kam raus: Er wollte ein Date – aber das gibt es bei uns nicht“, lächelt sie.

Passiert ist Gott sei Dank noch nie etwas. „Aber zu wissen, dass man nicht alleine unterwegs ist, macht einen stärker und selbstbewusster“, weiß Frances aus Erfahrung. „Seit zwölf Jahren rufe ich meine Mama an, wenn ich in der Dunkelheit nach Hause gehe, und das gibt mir Sicherheit.“

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Jetzt soll das Projekt weiterentwickelt werden. Anabell: „Wir würden gerne die Zeitspanne erweitern, die ganze Woche über erreichbar sein und benötigen in ganz Deutschland Freiwillige, die Lust haben zu telefonieren.“ Auch die Zeitspanne, in der sie erreichbar sind, soll ausgedehnt werden.

Und noch etwas wollen sie in nächster Zeit erreichen: Eine kostenlose 0800-Nummer, weil so viele durch die Berliner Vorwahl abgeschreckt sind. „Aber wir freuen uns wirklich über jeden Anrufer und nicht nur über Berliner“, betonen die beiden.

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