Helden des Alltags 2014 Nr. 07 - Fremder rettet Frau nach Autounfall das Leben

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Freunde fürs Leben: Lebensretter Jan mit Kathrin Geßler.
Foto: Haertelpress

Jan Härtel (26) und sein mutiger Einsatz nach einem Autounfall

Dieser junge Mann leistete nach einem Autounfall erste Hilfe und machte instinktiv alles richtig. Mit seinem Handeln rettete er zwei Menschen das Leben.

Den 22. Mai 2011 wird Jan Härtel (26) nie vergessen. Der Verkäufer und Hobbyfotograf aus Chemnitz
ist an diesem schönen Frühlingstag auf Fotosafari. Bei dem tollen Wetter möchte er schöne Landschaftsbilder im Erzgebirge fotografieren. Er fährt gemütlich auf der Bundesstraße Richtung Gelenau – da passiert die Tragödie.

„Ein Ford überholte mich, dann sah ich den ADAC-Wagen, der auf der Fahrbahn entgegenkam.“ Dann ein Riesenknall: Die Autos prallen frontal aufeinander, der Ford wird aufs Dach geschleudert. Jan bremst sofort, alarmiert die Rettungsdienste – und handelt. Für den Gelben Engel vom ADAC kommt jede Hilfe zu spät, er wird von der Wucht des Aufpralls getötet.

Er tat instinktiv das Richtige, um zu helfen

Aus dem Ford hört er die Schreie einer Frau: Kathrin Geßler (47). „Ich schnitt ihren Gurt mit meinem Taschenmesser durch, holte sie raus und sah ihren Mann. Sein Arm hing nur noch an ein paar Fetzen, und er blutete stark. Aber ich konnte ihn nicht rausholen, er klemmte fest.“Trotzdem reagiert der Hobbyfotograf genau richtig: Bindet die Wunden mit seinen Schnürsenkeln ab, redet mit dem Bewusstlosen, kontrolliert seinen Puls.

Thomas Geßler (49) wird nach mehr als einer Stunde von der Feuerwehr aus dem Wrack geborgen. Die Ärzte reanimieren ihn auf dem Weg in die Klinik; obwohl sie alles versuchen, fällt er ins Koma.

Heute lebt er in einem Pflegeheim. „Thomas kann schlucken, etwas reden, ist aber zu 100 Prozent ein Pflegefall und nicht mehr der Mensch, der er einmal war. Ich besuche ihn mehrmals in der Woche“, erzählt Kathrin. Ihrem Retter ist sie ewig dankbar: „Er hat mich da rausgeholt, obwohl er nicht wusste, ob das Auto in Flammen aufgeht.“

Mit seinem Einsatz will er andere ermutigen

Jan Härtel hat seit seiner Heldentat den Kontakt zur Familienie abreißen lassen. „Die Geßlers sind wie eine zweite Familie für mich. Ich bin sogar Patenonkel von Kathrins Enkelkind“, sagt er stolz.

„Ich würde immer wieder so handeln und möchte andere ermutigen, das auch zu tun. Damals sind so viele an dem Unfallort vorbeigefahren und haben nicht geholfen. Wir müssen im Alltag einfach mehr aufeinander achten!“

Aber zwei Menschen dürfen dank ihm weiterleben. Kathrin: „Mir ist bewusst geworden, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Danke, Jan.“

Text: Ann-Christin Fischer

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