Helden des Alltags 2014 Nr.10 - Lebensretter am Bodensee

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Der Taxifahrer am Meersburger Hafen. Hier passierte das Unglück
Foto: Astrid Schmidhuber

Er rettete eine Frau aus dem eiskalten Bodensee

Winfried Kretzdorn stand mit seinem Taxi im Hafen von Meersburg, als das Unglück passierte. Hier schildert er seine Heldentat

Auch jetzt, sechs Monate nach seinem Einsatz als Lebensretter, bleibt Winfried Kretzdorn bescheiden: "Ich fühle mich nicht als Held. In meinen Augen war das normal und ich würde es immer wieder tun", sagt er.

Der Taxifahrer war damals zur richtigen Zeit am Meersburger Hafen, er wartete dort auf Kunden. Plötzlich hörte er Schreie aus dem Hafenbecken. Der 59-Jährige lief sofort zur Mole und erkannte im Wasser eine Frau, die um Hilfe rief. Auch andere bemerkten die Schreie, doch niemand traute sich in das kalte Wasser.

Winfried Kretzdorn überlegte nur kurz und bat die Umstehenden, einen Krankenwagen zu rufen. Ohne zu zögern, sprang er in die eiskalten Fluten.

"In so einem Moment denkt man nicht nach. Mir war nur klar, dass diese Person Hilfe braucht", erzählt der Mann aus Markdorf. Er wusste, worauf er sich einließ, schließlich ging er regelmäßig in die Sauna und war es gewohnt, an kalten Tagen in den Bodensee zu springen. Doch als er an diesem Tag in das Wasser eintauchte, schmerzte jeder Atemzug.

Nachdem er die Frau an der Hafenmauer erreicht hat, wurde ihm klar: "Es war die letzte Sekunde. Ihr Kopf hing im Wasser, und kurz nachdem ich sie stützen konnte, verlor sie das Bewusstsein."

Doch der schwierigste Akt stand dem Markdorfer noch bevor: "Ich hatte keine Ahnung, wie ich die Frau die Hafenwand hochhieven sollte." Inzwischen trieb er schon seit Minuten im kalten Wasser, langsam wurde es auch für ihn gefährlich.

In dem Moment warfen die oben stehenden Passanten ein Abschleppseil nach unten, um die Frau hochzuziehen. Als auch ihr Retter aus dem Wasser kam, erwarteten ihn Sanitäter, um ihn zu versorgen. Doch der Taxifahrer wollte sich vergewissern, dass es der Frau gut ging.

Erst als sie in ein Krankenhaus gebracht wurde, atmete er durch – und spürte, dass er am ganzen Körper zitterte. Durchnässt fuhr der bescheidene Lebensretter nach Hause, gönnte sich eine heiße Dusche und arbeitete bis sechs Uhr morgens weiter.

Der Taxifahrer beklagte schon länger, dass am Meersburger Hafen Rettungsgeräte fehlten. Aus diesem Grund beschwerte er sich einige Tage nach dem Unfall bei der Stadt. Mit Erfolg: Inzwischen wurden dort die nötigen Geräte installiert.

Damit kann sein Einsatz noch mehr Menschen im Notfall helfen.

Text: Karoline Nuckel

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