Helden des Alltags 2014 Nr. 11 - Sie ersetzt acht Kindern Mutter und Vater

helden des alltags mutter ersetzen4
Ersatzmutter Romy Hinz
Foto: Sebastian Willnow

Ersatz-Mutter: Nach dem Unfalltod von Schwester und Schwager leistet Romy Hinz (41) Unglaubliches

Wie Menschen in der Not über sich hinauswachsen – das Beispiel Romy Hinz zeigt es. Von einer Sekunde auf die andere übernahm sie die Verantwortung für eine ganze Familie!

Die 41-Jährige hatte Spätschicht in der Küche des Fastfood-Restaurants in der Autobahnraststätte, als sie vom furchtbaren Unfall ihrer Schwester erfuhr. Krankenwagen mit Blaulicht rasten auf der Straße bereits gen Klinik, Romy jagte ihnen hinterher. In der Notaufnahme erfuhr sie: Drei Neffen und Nichten hatten beim Zusammenstoß mit einem von der Spur abgekommenen UPS-Wagen nur ein paar Abschürfungen abbekommen; ihre Schwester, 42, und ihr Schwager, 47, jedoch waren sofort tot.

„Ich konnte das nicht glauben“, erinnert sich Romy an jenen 29. November 2013. „Ich habe gewartet, dass die beiden auch eingeliefert werden.“ Endlich begriff sie, dass niemand mehr kommen würde. Dass ihre acht Nichten und Neffen Mutter und Vater verloren hatten. Und dass sie, Romy, ab jetzt für sie als Ersatzmutter da sein musste.

„Ich habe mich nicht einen Moment lang gefragt, wie ich das hinkriege“, sagt sie. „Ich wusste nur: Ich muss das schaffen.“

Seitdem versucht die tapfere Frau alles, den acht Kindern und Teenagern wenigstens ein Stück
Glück zurückzugeben. Bringt Christoph (6) und Paul (4) morgens vor der Schicht in den Kindergarten, geht zur Arbeit, weil das Geld ja irgendwo herkommen muss, holt die Kleinen wieder ab, geht mit ihnen auf den Spielplatz, kauft ein, kocht für die ganze Familie.

Außerdem kutschiert sie Tobias zur Lehrstelle bei einem Landschaftsgärtner in Plauen und Diana zur Berufsschule, füttert die fünf Katzen, regelt die Behördendinge und hat dabei für die Großen, wie die Zwillinge Tobias und Sebastian (beide 18), immer ein offenes Ohr.

Nachts, wenn die Kleinen sich unruhig im Schlaf wälzen oder nach Mama oder Papa weinen, steht sie auf, nimmt sie in den Arm. „Wir müssen jetzt alle zusammenhalten“, hat sie den Kindern schon im November gesagt. „Und die Großen helfen mir unheimlich.“

Aber die Kräfte sind nicht unendlich, die Sorgen groß. Der verstorbene André Kipsch hatte das marode Häuschen in Pottiga (Thüringen) selbst renovieren wollen: Das Dach muss neu gedeckt, die Elektrik erneuert werden, es zieht durch die Fenster, die Mauern sind klamm. „Wir müssen das halt in Eigenregie irgendwie hinkriegen“, sagt Romy.

Sie tut so viel, klebt Pflaster auf blutige Kinderknie, streichelt Tränen weg. Nur die größte Wunde vermag sie nicht zu heilen: „Die Kinder vermissen ihre Eltern“, erzählt sie und blickt traurig auf die
Fotos von Heike und André an der Wohnzimmerwand. „Sie wissen ja, dass sie im Himmel sind, aber sie fragen: Warum kommen sie nicht wieder runter?“

*

Helden des Alltags 2014: Lebensretter am Bodensee

Helden des Alltags 2014 - Tapfere Organspende einer Mutter

Helden des Alltags 2014 - Nachbarin vor Vergewaltigung gerettet

Kategorien: