Helden des Alltags 2014 Nr. 12 - Sie kämpft für Rollstuhlfahrer

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Ihr Mann Hubert (57) unterstützt Annemie Nickels sehr
Foto: Habib Hakimi

Wie Annemie Nickels (54) sich für Gehbehinderte einsetzt – und wer alles davon profitiert

Annemie Nickels sitzt im Rollstuhl - und seit sie das tut, ist ihr erst bewusst geworden, wie viele Hindernisse es für Rollstuhlfahrer im Alltag gibt. Darum setzt sie sich für Gehbehinderte ein!

Es begann mit ihrem rechten Fuß. Immer häufiger blieb er „einfach so hängen“, erzählt Annemie Nickels. „Von da an wurde die Wegstrecke, die ich noch gehen konnte, immer kürzer.“ Multiple Sklerose, so die Diagnose.

Jahrelang kämpfte sie gegen die Krankheit an, lief zuerst an einem Stock, später weiter mit Gehwagen. Bis ihr 1995 ihre Beine komplett den Dienst verweigerten. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl.

„Er hilft mir zu gehen, wie anderen Menschen eine Brille hilft zu sehen“, so die 54-Jährige aus Prüm in der Eifel. „Am Gehwagen oder Arm von jemand habe ich ewig gebraucht, bis ich da war, wo ich hinwollte. Im Rollstuhl ging das viel leichter. Aber ich bin immer noch dieselbe Person!“

Überall taten sich Hindernisse auf

Was der Rollstuhl dagegen verändert hat, ist ihr Alltag. Auf einmal taten sich überall um die Rheinland-Pfälzerin Hindernisse auf, die ihr früher gar nicht aufgefallen wären. „Ich konnte zwar noch den Kühlschrank aufmachen, aber an die oberen Ablagen kam ich im Rollstuhl nicht mehr heran.“ Die Waschmaschine im Keller? Über die Treppe unerreichbar geworden. Ausflüge ins Freie? Wegen der steilen Hanglage ihres Zuhauses alleine unmöglich. „Ich musste mein Leben komplett umstellen. Zum Glück hat mein Mann Hubert (57, d. Red.) mir mit allem geholfen. Wir bauten uns ein barrierefreies Haus. Und unterwegs schob oder trug er mich einfach über jede Barriere hinweg.“

Doch nicht alle Rollstuhlfahrer erfahren so viel Unterstützung. „Viele trauen sich nicht mal mehr heraus“, weiß Annemie Nickels. Ob der Gaststättentisch, unter den kein Rollstuhl passt, die Kaufhaustoilette, die nicht behindertengerecht ist oder die Eisdiele um die Ecke, die nur über eine Stufe zu erreichen ist: Auch in ihrer Heimatstadt lauern überall Hindernisse für Gehbehinderte.

Mit ihrer Projektgruppe „Barrierefrei in Prüm“ kämpft sie dagegen an. „Mein Ziel ist es, Barrieren aus dem Weg zu räumen oder den Weg zu kennzeichnen. Damit kein Mensch im Rollstuhl sich mehr zurückziehen muss, sondern wie andere am öffentlichen Leben teilhaben kann!“

Nur einer der Erfolge der Gruppe: mobile Rampen, die im Ort ausgeliehen werden können, um Stufen zu überwinden. Bürgermeisterin Mathilde Weinandy will jetzt sogar einen ganzen Platz in Prüm barrierefrei umgestalten – dank Annemie Nickels unermüdlichen Engagements! Einen erfreulichen Nebeneffekt hat das übrigens auch für Nicht-Rollstuhlfahrer: Auch Menschen mit Rollator oder Müttern mit Kinderwagen kommen leichter zugängliche Wege zugute!

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