Helden des Alltags 2014 Nr. 13 - Fußball-Fans kämpfen für Imbiss-Silvia

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Silvia in ihrem Imbiss
Foto: Charlotte Martin

Das Geschäft lief schlecht, sie wurde mehrmals beklaut – jetzt stehen ihr starke Männer zur Seite

Sie sind starke Männer, die schwach werden, wenn eine junge Frau Hilfe braucht – wir erzählen die ungewöhnliche Geschichte von Hilfsbereitschaft und Solidarität mitten in Deutschland.

Silvia hat das Downsyndrom, und weil sie niemand anstellen wollte, eröffnete sie zusammen mit ihrer Mutter Adeline (77) einen Imbiss – direkt auf dem Familiengrundstück in Rüsselsheim. Seit mittlerweile acht Jahren gibt es dort Würstchen, belegte Brötchen, Suppen oder etwas zu trinken (alles ab 1,50 Euro).

Der Imbiss war nie darauf ausgerichtet, profitabel zu sein. „Ich wollte meiner Tochter nur einen geregelten Tagesablauf bieten“, erklärt Mutter Adeline. Und Silvia liebt die Arbeit in ihrem Imbiss: „Ich fühle mich wohl hier.“

Aber es gab Probleme: Manchmal blieben tagelang die Gäste aus. Und was noch viel schlimmer war: Silvia wurde mehrmals beklaut – 150 Euro, ein Handy, und die Kasse nahmen die Diebe auch gleich mit.

Silvias Imbiss-Projekt schien am Ende. Doch dann die Rettung: Durch den Bericht eines lokalen Radiosenders wird Roger Menzer aus Darmstadt (30 Kilometer entfernt) alarmiert und entschließt sich, der jungen Frau zu helfen: „Als ich gehört habe, dass sie schon wieder beklaut wurde, war ich fassungslos. Wie kann man so etwas machen?“

Dem Familienvater gehört die Vereinskneipe des SV Darmstadt 98 (gerade in die 2. Liga aufgestiegen). Er und sein Kollege Bernd Link lassen alte Kontakte spielen, rufen Vereinskollegen an, um Spenden zu sammeln. „Über Facebook hat der Aufruf, Silvia zu helfen, viele Menschen erreicht. Nicht mal eine Woche später standen wir im April mit knapp 100 Leuten bei Silvia und ihrer Mutter auf dem Hof und haben ihr eine Kasse, ein Handy, und einen großen Korb mit Würstchen und Getränken geschenkt“, erzählt Roger.

Jetzt brummt der Laden, und die Kasse klingelt öfter denn je! RTL und Sat.1 waren mittlerweile auch da. Manche entdecken „Silvias Imbiss-Oase“ von der Straße aus, nach ihrer Schicht kommen auch Arbeiter vom nahen Frankfurter Flughafen vorbei.

Roger Menzer und seine Freunde helfen weiter: „Wir haben noch mehr gesammelt, und im Juli bekommt sie neue Elektrogeräte wie eine Mikrowelle und eine Kaffeemaschine.

Warum er das macht? „Menschen wie Silvia sind genau wie wir, und so viele kommen in der heutigen Zeit zu kurz. Wir alle sollten öfter über den Tellerrand schauen.“

Text: Ann-Christin Fischer

Sie kann wieder lachen: Silvia (35) mit ihren helfern Bernd Link (42, Mitte) und Roger Menzer (39, r.).

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