Helden des Alltags 2014 Nr. 17 - Drogenaufklärung in der Schule

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Seit elf Jahren ist er weg von den Drogen: Klaus Großer
Foto: Stephanie Lehmann

Ex-Junkie klärt Schüler über Drogen auf

Einsatz im Kampf gegen die Sucht: Ex-Junkie Klaus Großer (45) warnt in Schulen vor den Gefahren von Haschisch & Co. Er ist einer unserer Helden des Alltags 2014.

Die Zahl schockiert: Mehr als 1000 Frauen und Männer starben 2013 den Drogentod. Zehntausende weitere sind drogenabhängig.

Klaus Großer (45) aus Berlin war einer von ihnen. Nach 20 Jahren Sucht-Karriere, drei Gefängnis-Strafen und zwei Entzügen ist er heute endlich clean. Statt Drogen zu nehmen, kämpft der Berliner jetzt dafür, dass Jugendliche gar nicht erst mit dem „Teufelszeug“ anfangen.

Zweimal die Woche besucht er Schulen, um die Kinder dort zu warnen. „Jugendliche finden Drogen cool“, weiß er. „Aber wenn ich ihnen erzähle, wie sie mein Leben versaut haben, merken sie ganz schnell, dass sie alles andere als das sind. Meine Geschichte ist die beste Abschreckung!“

Er schafft es, dass die Schüler sich öffnen

Und die geht so: Berlin, 1983. Klaus Großer ist 15, als er zum ersten Mal Cannabis raucht. Keine drei Jahre später hat er „so ziemlich alles“ ausprobiert, was es sonst noch an Drogen gibt: Speed, LSD, Kokain, Amphetamine. Mit 18 nimmt er zum ersten Mal Heroin – und kommt davon nicht mehr los. „Ich habe immer mehr für den Kick gebraucht, immer mehr Geld dafür ausgegeben“, erinnert er sich.

Irgendwann ist seine Sucht so groß, dass selbst sein Verdienst als Gas- und Wasser-Installateur nicht mehr ausreicht, um ausreichende Mengen der Droge zu beschaffen. „Also habe ich meinen Job geschmissen und angefangen, selbst mit Heroin zu handeln. Später beging ich auch Wohnungseinbrüche.“

Dreimal wird er von der Polizei verhaftet. Mit Therapien versucht Klaus, von den Drogen wegzukommen. Aber die Sucht holt ihn immer wieder ein. Bis zum Tag seiner letzten Festnahme. „Seit dem 9. Mai 2003 habe ich keine Drogen mehr angerührt“, erklärt er stolz –
und lächelt in die Runde.

Die Gruppe Schüler um ihn herum hat ihm gespannt zugehört. Keiner von ihnen will all das durchmachen. Sein Ziel ist erreicht! Für die Polizei ist Klaus Großer, der hauptberuflich in einer Obdachloseneinrichtung arbeitet, ein echter Glücksgriff. Seit sechs Jahren versucht sie mit dem Netzwerk „Wir lassen uns nicht betäuben“ die Drogenkriminalität in der Hauptstadt zu bekämpfen. Der Ansatz: Ehemalige Abhängige berichten aus der Drogenhölle, während Polizisten über das Gesetz aufklären.

„Klaus Großer ist seit Anfang an dabei“, sagt Peter Jerke (47), Präventionsbeauftragter der Berliner Polizei. „Mit seiner lockeren Art schafft er es, dass die Schüler sich ihm öffnen. Er ist mein wertvollster, zuverlässigster Partner!“ Inzwischen hat die Polizei ihm sogar die Leitung des Netzwerks übertragen. Und das Beste: „Wir können uns vor Anfragen kaum noch retten!“, so Klaus Großer.

Text: Marc Lechtenfeld

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