Helden des Alltags 2014 Nr. 19 - Freunde retten Mann vor dem Ertrinken

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Sind jetzt Freunde fürs Leben: Retter Dirk (l.) mit Wolfgang (M.) und Manfred
Foto: Sybill Schneider / BILD ZEITUNG

Heftige Strömungen in der Ostsee hätten Wolfgang Zolk fast das Leben gekostet

Drama in der Ostsee: Wolfgang Zolk (52) wäre fast ertrunken – in letzter Sekunde zieht ihn sein Retter aus dem Wasser.

Es war die schlimmste Ferienwoche an der Ostsee: Ein böiger Nordostwind der Stärke 7 und 8, starker Wellengang und heftige Strömungen sorgten für Gefahr. Trotz Warnungen ließen sich aber viele Badegäste nicht vom Schwimmen abhalten. Tödlicher Leichtsinn: Vom 18. bis 22. Juli starben mindestens acht Menschen an der Ostseeküste.

Auch Wolfgang Zolk (52) aus Elmshorn (b. Hamburg) wäre fast ertrunken. Seit 20 Jahren macht der Lagerist mit Ehefrau Karen (45) Urlaub auf dem Campingplatz in Kleinwaabs an der Eckernförder Bucht.

Dass er noch lebt, verdankt er einem mutigen Mann: Dirk Bronnert (42) hörte seine Hilferufe und zögerte keine Sekunde und zog Wolfgang Zolk aus dem Wasser. Lebensretter Dirk: „Es war ein Kraftakt, ein Kampf gegen die Wellen.“

Er schafft es, den schweren Mann (Zolk wiegt 92 Kilo) an Land zu bringen, wo sich Helfer um ihn kümmern. Zolk hat überall Schnittwunden von den aufgewirbelten Muscheln und Steinen. Wie konnte es zu dem Badedrama kommen? Wolfgang Zolk wollte sich mit seinem Freund Manfred Schlüter (45) eigentlich nur kurz abkühlen: „Wir waren bis zur Brustim Wasser, die Sonne schien und die Wellen sahen toll aus.“

Die Strömung zieht die Freunde unters Wasser

Aber als sie zurückschwimmen wollen, merken beide, wie sie immer weiter abgetrieben werden. „Ich hatte plötzlich keinen Boden mehr unter den Füßen und die Strömung zog mich unter Wasser. Dann bekam ich Panik“, schildert Wolfgang. Immer wenn die beiden etwas Luft holen können, schwappt die nächste Welle über ihre Köpfe und ein starker Sog zieht sie nach unten. „Ich habe nur noch Manni angeschrien, dass er mir helfen soll.“

Manfred will helfen – kann aber nicht! Immer wieder versucht er zu ihm zu schwimmen, aber er ist zu schwach. „Ich sah Panik in seinen Augen und schrie auch laut um Hilfe, weil ich es nicht schaffte, ihn zu packen.“

Dirk Bronnert, der gerade nach der Taucherbrille seiner Tochter sucht, hört den Hilferuf. Er zieht Wolfgang zu einem Stein, dort finden die beiden Halt. Gerettet!

Dirk Bronnert nach seiner Heldentat: „Ich bin geübter Schwimmer, mache Sport. Ich hätte niemals gedacht, welche unglaublichen Mächte in der Ostsee wirken.“ Ein Arzt, der zufällig da ist, versorgt ihn. „Es ist Ihr zweiter Geburtstag“, hört Zolk von allen Seiten. Inzwischen geht es ihm wieder gut. Aber der Schock sitzt tief: „Nachts träume ich immer wieder davon. Dass eine so harmlose Situation lebensbedrohlich werden kann, hätte ich nie gedacht.“

Seinem Lebensretter ist er ewig dankbar. Am Freitag nach dem Unglück saßen die Männer zusammen auf ihrem Campingplatz und versprachen sich, ein Leben lang in Kontakt zu bleiben. „Dirk gehört jetzt zu uns.“

Text: Ann-Christin Fischer

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