Helden des Alltags 2015 - Nr. 11: Der Retter aus der Schuldenfalle

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Soll und Haben: Ulrich Wörle listet Einkommen und Ausgaben bei jedem Fall ausführlich auf
Foto: Thomas Niedermüller

Die große Aktion von auf einen Blick: Helden des Alltags

Ulrich Wörle engagiert sich seit Jahren für Menschen, die in finanzieller Not sind. Er ist einer der Nominierten unserer "Helden des Alltags 2015".

Jeder zehnte Deutsche gilt als überschuldet – und das im Schnitt mit 36 000 Euro. Letzter Ausweg für viele: Ein professioneller Schuldnerberater. Doch der kostet häufig viel Geld.

Anders bei Ulrich Wörle (69): Der Rentner berät im Haus der Diakonie Böblingen (bei Stuttgart) verschuldete Menschen – und zwar ehrenamtlich.

Mit dem roten Stift und viel Zeit geht er die finanziellen, aber auch die seelischen Probleme seiner Klienten an. "Der Umgang mit Zahlen und Menschen macht mir einfach Spaß", sagt Ulrich Wörle.

40 Jahre lange arbeitete er bei der Dresdner Bank, davon die meiste Zeit in führender Position. Mit 58 ging er in Altersteilzeit. Ein Leben als Frührentner? Das war nichts für ihn.

Da kam das Angebot gerade recht: "Im Haus der Diakonie wurde jemand für die Beratung gesucht. Das kann ich, dachte ich." Schon nach einigen Monaten hat er sein eigenes Büro, berät, stellt für Schuldner Haushaltspläne auf, kümmert sich um Vergleiche und auch Insolvenzen – sogar bis zu einer halben Million Euro. Für einen Ehrenamtlichen eine außerordentlich hohe Summe.

Mittlerweile verbringt Wörle bis zu 30 Stunden die Woche im Büro. Ob durch Scheidung, Krankheit oder Immobilien – mehr als 700 Schuldenfälle landeten schon auf seinem Tisch.

Wie vermeidet man die Schuldenfalle? "Ich rate immer, nicht mehr Geld auszugeben, als man verdient. Mit einem gut geführten Haushaltsbuch hat man immer einen Überblick darüber."

Vom alleinstehenden Rentner bis hin zur Ehefrau, die von ihrem Mann verprügelt wurde – wie unterschiedlich die Klientel doch ist, eines haben sie gemeinsam: Sie wünschen sich jemanden, der zuhört. "Oft übernehme ich dann die Rolle des Seelsorgers. Wenn ich höre, ich sei der Erste, der sich so viel Zeit nimmt, und einen Dank bekomme – dann weiß ich, ich tue genau das Richtige", sagt er.

Obwohl er für viele Menschen mit roten Zahlen auf dem Konto die letzte Rettung ist, als Held würde sich Ulrich Wörle nie bezeichnen. "Ich tue das Ganze ja auch für mich. Ich möchte das Gefühl haben, gebraucht zu werden."

Und wie geht es weiter? "In zwei Jahren mache ich Schluss. Dann geht auch meine Frau in den Ruhestand und wir werden reisen", sagt Ulrich Wörle. Nach zehn Jahren als ehrenamtlicher Schuldnerberater hat er sich das auch mehr als verdient.

Text: R. Jesse

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