Helden des Alltags 2015 - Nr. 15: Frau mit Herz schenkt fremder Mutter ein Auto

helden h

Foto: AEB

Handeln statt reden

Vorher musste sie alles mit dem Rad erledigen. Jetzt kann sie entspannt mit dem Auto fahren

Eigentlich wollte Marion van Heesewyk (75) aus Twist (Niedersachsen) von ihren angesparten 800 Euro in den Urlaub fahren. Doch was die Rentnerin stattdessen mit dem Geld machte, bescherte ihr noch mehr Freude: Sie schenkte einer wildfremden Frau ein Auto – aus reiner Nächstenliebe.

Und das kam so: Es ist ein reg-nerischer Tag im November 2014, als Marion van Heesewyk an ei-ner Ampel steht und auf den Fahrradweg nebenan schaut: „Ei-ne Frau schob ihr Rad, im Kinder-sitz saß ein kleiner Junge und sie konnte ihren Lenker kaum hal-ten, weil er so schwer mit Ein-kaufstüten beladen war“, erinnert sie sich. Sie fragt die fremde Frau,
ob sie die Tüten im Auto zu ihr nach Hause bringen darf.

Die Frau heißt Nikoleta Pastore-kova (42) und ihr Sohn Marc (6), wie die 75-Jährige vor der Haustür der Alleinerziehenden erfährt. Die beiden unterhalten sich sehr lange und Marion erfährt: Jeden Tag fährt Nikoleta zwölf Kilome-ter, nur um ihren Sohn in den Kindergarten zu bringen. Dazu kommen Einkäufe, Arztbesuche, Behördengänge – alles mit dem Fahrrad. Da sie nur von der Sozi-alhilfe lebt, bleibt kein Geld für ein Auto. Als Dankeschön für die nette Geste möchte Nikoleta der älte-ren Dame im Garten helfen – beide tauschen ihre Telefonnum-
mern aus und wollen in Kontakt bleiben. „Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, habe immer wie-der an die beiden gedacht. Vor al-lem im Winter brauchte sie doch
ein Auto“, sagt Marion van Heesewyk. Also fasst sie einen Entschluss: Ich kaufe dieser Frau und ihrem Kind ein Auto.

Am nächsten Tag ruft sie ihren Nachbarn an, er besorgt einen Opel Corsa, erneuert den TÜV – 800 Euro soll er kosten. Gekauft. „Als ich Nikoleta und Marc von dem Geschenk erzählte, schrie der Kleine immer wieder ,Mama, wir haben endlich ein Auto!‘“, so Marion van Heesewyk. Aber mit diesem Geschenk veränderte sich nicht nur das Leben von Nikoleta – auch das von Marion.

„Am 2. November habe ich meinen Mann verloren, meine Tochter habe ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen“, erzählt sie traurig und sagt: „Aber mit Nikoleta erle-be ich so viele tolle Sachen. Wir machen Fahrrad-Touren, gehen in den Zoo, wandern. Ich weiß, dass sie für mich da ist, wenn ich sie brauche. Wir sind richtige Freunde geworden.“ Und noch etwas Tolles ist passiert: Da Nikoleta jetzt ein Auto hat, kann sie ab August eine kaufmännische Ausbildung beginnen.

So stimmen Sie ab für Ihren "Helden des Alltags 2015" >>

ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT >>