Helikopter-Eltern: Wie überbehütet sind unsere Kinder?

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Überbehütet und unterentwickelt: Immer mehr Pädagogen und Erziehungs-Experten warnen vor den Folgen dieser verhängnisvollen Entwicklung und fordern: Schluss mit Förderwahn und Verwöhnung durch Helikopter-Eltern!
Foto: ArtisticCaptures / iStock

Behütete Kindheit - oder gehen sogenannte Helikopter-Eltern einfach zu weit?

"Helikopter-Eltern" - das Bild, das diese Worte wecken, spricht Bände: Es geht um Eltern, die ihre Kinder ständig umsorgen, nahezu überwachen. Bis zur Unselbstständigkeit.

Sie meinen es nur gut. Ja, natürlich. Aber geht die Liebe von sogenannten Helikopter-Eltern nicht zu weit? Darüber wird gerade viel diskutiert.

Verwöhnt und überfordert: Warum Eltern ihren Nachwuchs auch mal loslassen sollten

Wenn Kinder wie unter einer Glasglocke aufwachsen: Immer sind Mama und Papa im Einsatz, damit es dem Nachwuchs gut geht - vom Spielplatz bis zum Abitur, und manchmal sogar noch darüber hinaus.

Sie wollen nur das Beste für ihr Kind, also wird es keine Minute aus den Augen gelassen. Schon von klein auf fungiert das Handy als eine Art verlängerte Nabelschnur oder als "elektronische Fußfessel" (siehe dazu auch: "Ignore no more": Vertrauen ist besser ).

Helikopter-Eltern: Ein Fluch für Kinder?

Die Rede ist von "Helikopter-Eltern" - so nennt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus (65), diese Eltern. Er sagt: "Wir meinen es doch nur gut und wollen das Beste für unser Kind. Dieser Satz wird immer häufiger zum Fluch für Kinder, denn aus der entschuldigenden Beteuerung vieler Eltern ist längst ein gigantisches Erziehungsprojekt geworden. Helikopter-Eltern, die die totale Lufthoheit über das Kind an sich reißen und zwanghaft alles um es herum steuern, wollen ihre Kleinen zu einem Gesamtkunstwerk formen."

Helikopter-Eltern überfordern ihre Kinder

In seinem neuen Buch "Warum Raben die besseren Eltern sind" ( gibt es hier bei Amazon zu kaufen ) hat der Hamburger Familientherapeut Jan-Uwe Rogge (65) diese Erziehungsmethoden unter die Lupe genommen.

Sein Fazit: Eltern überfordern ihre Kinder und schränken ihren Spielradius auf ein Minimum ein. Früher durften Kinder raus, auf die Straße: Völkerball spielen mit den Nachbarskindern. Heute dürfen sie nur noch auf den eingezäunten Fußballplatz. Und immer unter Aufsicht.

Experte Jan-Uwe Rogge: "Kaum aus den Windeln, haben Kinder Wochenpläne wie Top-Manager: montags Fußball, dienstags Ergotherapie, mittwochs Geige, durchgängig bis Freitagabend. Dabei sind sie dauerbegleitet und angeleitet von Mama, Papa, einem Lehrer oder einer Aufsichtsperson. Der Behütungs- und Förderwahn lässt Kindern kaum Möglichkeiten, ihre Umwelt in ihrem kindlichen Eigentempo zu erkunden."

Kinder brauchen kein permanentes Programm

Auch der dänische Erziehungs-Guru Jesper Juul (66) predigt seit Jahren die "Entschleunigung" des kindlichen Alltags.

Sein Rat an Eltern: "Man hilft Kindern nicht, inneren Halt zu entwickeln, wenn man ihnen ständig etwas Neues anbietet. Sie brauchen kein permanentes Freizeitprogramm. Nur wenn sie sich auch einmal langweilen, können sie entspannen und zu sich selbst finden."

Wie sieht also eine gute und sinnvolle Erziehung aus? Familientherapeut Rogge empfiehlt: "Eltern müssen aufhören, Kindern ständig Scherben aus dem Weg zu räumen. Das Zauberwort ist: Loslassen ! Lieben bedeutet auch, loszulassen."

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