Helmut Schmidt: Nach Lokis Tod hatten wir Angst um ihn

loki schmidt

Zum ersten Mal spricht sein engster Vertrauter, EXKLUSIV von DAS NEUE BLATT

Mehr als 68 Jahre gingen sie als Mann und Frau Hand in Hand durchs Leben. Doch am 21. Oktober 2010 musste Helmut Schmidt (92) Abschied nehmen von seiner geliebten Loki († 91). Ein Verlust, der auch für einen starken Mann wie ihn nur schwer zu ertragen ist. Wir sprachen exklusiv mit Hamburgs früherem Ersten Bürgermeister Peter Schulz (81), einem seiner besten Freunde, über die dunkelsten Stunden im Leben des Altkanzlers.

Wie lange kennen Sie Helmut Schmidt bereits?Wir lernten uns 1950 in der SPD kennen. Ich fand ihn forsch und überhebl ich. Danach habe ich ihn häufiger getroffen und gemerkt: Er ist nicht überheblich, sondern sich nur seines Wertes bewusst. Das ist man bloß dann, wenn der eigentliche Wert und das Auftreten auseinanderdriften.Sie sind auch privat sehr eng befreundet. Wie hat er sich seit Lokis Tod verändert?Es war sehr schwierig für Helmut, ihren Tod zu verkraften. Zwischen den beiden bestand so ein enges Band! Meine Frau und ich haben uns nach Lokis Tod ernste Sorgen um Helmut gemacht.Inwiefern?Wir haben uns gefragt, ob und wie lange er ohne Loki weiterleben kann. Wir hatten Angst um ihn.Haben Sie mit Helmut Schmidt über seinen Verlust gesprochen? Ist er jemand, der sich bei seinen Freunden Hilfe sucht?Nein, Helmut sucht die Hilfe nicht. Er wehrt sie meistens ab, wenn man sie ihm anbietet. Er will aus eigener Kraft mit Problemen fertigwerden.Können Sie ihm trotzdem helfen?Es kommt vor, dass er Begegnungen sucht. Vor ein paar Wochen rief er mich an und bat um ein Treffen. Ich dachte, er wolle über ein bestimmtes Problem sprechen. Stattdessen kam er abends für ein paar Stunden bei mir vorbei, weil er nicht allein sein wollte.Wie geht es ihm denn gesundheitlich?Helmut ist auf den Rollstuhl angewiesen. Daher kann man nicht sagen, dass es ihm gut geht.Wie wird er damit fertig?Er nimmt es an und wird damit fertig. Er ist niemand, der klagen würde.

Hat er permanent Schmerzen?Ja, aber er erlaubt dem Schmerz nicht die Herrschaft über sich. Loki hatte die gleiche Stärke. Eines Nachts war sie im Haus gestürzt. Sie war allein. Sie lag auf den kalten Fliesen und konnte nicht wieder aufstehen. Sie hatte einen Notfallknopf dabei. Aber sie hat ihn nicht gedrückt.Wieso nicht?Loki wusste: Wenn sie den Knopf drückt, würde Helmut – wo immer er sich befindet – sofort benachrichtigt. Das wollte sie nicht. Sie wollte nicht, dass er sich Sorgen um sie machte. Außerdem wusste sie, wenn sie den Knopf drückt, dann wird derjenige, der den Notruf entgegennimmt, möglicherweise aus dem Schlaf gerissen.Wie hat sie das durchgehalten?So etwas hältst du nur durch, wenn du wie Loki im positiven Sinne stark bist. Nur dann kannst du dir so eine Entscheidung erlauben. Sie hat ihren Mann so sehr geliebt. Es war etwas so Besonderes, was die beiden verband.

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