Henning Baum: "Ich bin immer noch ein Abenteurer!"

henning baum h

Serien-Star im Interview

Am 21. Januar startet die neue Staffel von "Der letzte Bulle". Wir trafen den Schauspieler - und stellten fest, er spielt ihn nicht nur gut, er ist ein Teil des Esseners!

Wie haben meine Freundinnen mich um diesen Termin beneidet! Die Warteliste derer, die mir zum Interview mit Henning Baum den Bleistift tragen wollten oder um einen Platz hinterm Schlüsselloch baten, war ellenlang. Nach dem Termin klingelte mein Telefon Sturm, ich hörte immer wieder die gleiche Frage: "Und, wie ist er so, in echt?" Nun, ich will ja nicht so sein - und plaudere für Sie ein bisschen aus dem Nähkästchen. Hier ist mein Interview mit dem "letzten Bullen":

tina: Wie gut können Sie sich in den letzten Bullen, in Mick Brisgau, hineinversetzen?

Henning Baum: Total. Ich kann seine Handlungsweise in jeder Sekunde absolut nachvollziehen. Was ich an Mick so mag: seinen Eigensinn. Dass er sich nicht beeinflussen lässt - weder vom Zeitgeist noch von irgendwelchen Gedanken an seine Karriere. Er macht komplett sein eigenes Ding, bleibt sich selbst immer treu.

Sind Sie denn privat genauso ein Sturkopf?

Na ja, ich kann sehr hartnäckig sein, wenn ich ein Ziel vor Augen habe. Aber stur bin ich nicht, damit steht man sich nur selbst im Weg. Im Gegenteil: Ich mache oft Kompromisse. Im Grunde ist doch das ganze Leben ein einziger Kompromiss. Andererseits stelle ich vieles einfach nicht zur Diskussion. Wenn meine Mutter früher nicht wollte, dass ich draußen spiele, war ich einfach schon mit dem Rad weg, bevor sie mich hindern konnte.

Beschreiben Sie da eine typische Situation aus Ihrer Kindheit?

Ja, so etwas kam häufiger vor. Obwohl ich autoritär erzogen worden bin, mit klaren Regeln. Aber ich habe auch meine Freiheiten genossen. Ich konnte mich vor so manchen Pflichten drücken, habe immer mein Ding gemacht. Ich bin sozusagen auf der Straße groß geworden, wurde im Hinterhof sozialisiert. Die Eltern haben uns in Ruhe gelassen. Aber wenn man sie brauchte, waren sie da. Unsere Gegend war sehr ländlich. In die nächste größere Stadt, nach Essen, fuhr man eine halbe Stunde. Mit meinen Kumpels bin ich im Wald herumgestromert, habe an Bächen gespielt. Für mich war es das Schönste, frei zu sein. Ich hätte mir noch mehr Wildheit gewünscht - mein Held war Tom Sawyer.

Hatten Ihre Eltern es schwer mit Ihnen, als Sie in der Pubertät waren?

Das kann man so nicht sagen. Ab und zu kam mal ein Anruf: ,Frau Baum, Ihr Sohn hat meinen Sohn verhauen.' Aber ansonsten haben sie ja nichts mitgekriegt ...

Stimmt eigentlich die Geschichte, dass Sie Ihren Schulkameraden unter der Androhung von Prügel das Kantinengeld weggenommen haben?

Das war Schutzgeld! Ich habe die anderen wirklich beschützt, sie wurden dann von den Unholden auf dem Schulhof in Ruhe gelassen. Ja, damals haben wir gefährlich gelebt: Es gab eine Bande von Jugendlichen, die uns immer verhauen und in die Brennnesseln geschmissen haben - um die habe ich wohlweislich einen großen Bogen gemacht.

Ziemlich wilde Jugend! Sind Sie denn heute ruhiger geworden?

Etwas davon habe ich mir erhalten. Ich bin auch heute noch ein Abenteurer. Eingefahrene Gleise langweilen mich, ich will neugierig bleiben. Meine Devise lautet: Immer schön die Augen offen halten. Schauen, was um einen herum passiert, wo was los ist. Neue Eindrücke sammeln. Erst vor ein paar Wochen bin ich mal wieder auf einen Baum geklettert. Das habe ich schon als Junge gern gemacht, und ich war beängstigend gut darin. Ich weiß noch, dass ich einmal auf einem Familienfest aus Langeweile so lange in einer Baumkrone saß, bis alle nach der Feuerwehr geschrien haben.

Ist Familie für Sie auch ein Abenteuer?

Ja, man muss viel improvisieren, den Alltag strukturiert bekommen - das kann mitunter ganz schön abenteuerlich sein. Als dreifacher Vater weiß ich genau, wovon ich spreche! Wichtig zwischen Eltern und Kind finde ich klare Regeln, man sollte die Kleinen nicht auf eine partnerschaftliche Ebene heben. Während viele ihrer Schulkameraden am liebsten vor dem Computer sitzen, sind meine drei bei Wind und Wetter draußen - genau wie ich früher.

Über Privates reden Sie ja nicht so gern - verraten Sie uns trotzdem, was Ihre Frau Corinna an Ihnen liebt?

Oh, wenn ich da erst mal anfange... Das gäbe eine Riesenliste, die hier den Rahmen sprengen würde!

Gibt es denn andersrum etwas, womit Sie Ihrer Frau so richtig auf den Wecker fallen?

Nein, wir sind ein eingespieltes Team und schon so lange zusammen, dass sie in etwa weiß, was sie bei mir erwartet. Und zum Glück ist Corinna ähnlich maulfaul wie ich.

Gibt es etwas, was Sie an uns Frauen niemals verstehen werden?

Da müsste ich mal in meinem Frauen-Beobachtungs-Notizbuch nachschlagen, da würde ich sicher vieles finden! Aber eine Sache kann ich Ihnen auch so verraten: Ich verstehe nicht, warum Frauen, wenn man ein Problem hinreichend mit ihnen besprochen hat, noch mal von vorn anfangen.

Eine letzte Frage: Was meinen Sie, warum lieben alle den Macho Mick Brisgau?

Tja, irgendwas muss der Typ wohl haben: Er wehrt sich, wenn ihm jemand blöd kommt. Ist aber trotzdem sensibel und ein guter Zuhörer. Deswegen finde ich auch, dass er eigentlich gar kein richtiger Macho ist. Schließlich geht er ja auch mit den Frauen sehr gut um - vor allem, wenn sie ihm gefallen!

Henning Baum wurde am 20. September 1972 in Essen geboren, wo er noch heute lebt - mit seiner Frau Corinna und den drei gemeinsamen Kindern.

Er spielte in "Mit Herz und Handschellen" einen schwulen Ermittler.

Seit 2010 verkörpert er in der Serie "Der letzte Bulle" den coolen Kommissar Mick Brisgau. Am 21. Januar startet die vierte Staffel (montags, 20.15 Uhr, Sat.1).