Herzzerreißende Bilder: Mein ängstliches Herz

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Katie Joy Crawford leidet seit zehn Jahren an einer Angststörung. Nun hat sie ihre Krankheit in Bilder verwandelt.
Foto: katiejoycrawford.com

My Anxious Heart: Katie Joy Crawford hat ihre Angststörung in berührende Bilder verwandelt

Katie Joy Crawford leidet seit vielen Jahren unter Angsstörungen und Depressionen. Jetzt hat sie ihre Krankheit in fesselnde Bilder verwandelt.

Katie Joy Crawford ist eine hübsche, junge Frau. Wer ihr auf der Straße begegnet, hat keine Chance, zu erahnen, mit was für Dämonen sie kämpft. Seit zehn Jahren leidet sie an Angststörungen und Depressionen .

Wie sich diese Erkrankungen auf einen Menschen auswirken, ist schwer mit Worten zu erklären. Allein die Symptome wie ein rasendes Herz, zerfasernde Gedanken und zitternde Hände zu nennen, reicht nicht, um die eisernen Klauen zu beschreiben, mit denen diese Menschen kämpfen. Ihr Geist ist gefesselt und sie stecken in einer Falle, aus der sie aus eigener Kraft oft nicht mehr herausfinden.

Katie Joy Crawford, die an der Louisiana State University studiert und als selbstständige Fotografin arbeitet, hat darum Bilder geschaffen, die für Außenstehende nachvollziehbar machen sollen, wie ein Mensch mit einer Angst-Störung oder einer Depression empfindet.

Sie ist selbst das Model der Serie "My Anxious Heart" und erzählt mit diesen düsteren Bildern ihre eigene Lebensgeschichte. Ihr Ziel: "Ich wollte meine Krankheit fassen und ans Licht holen. Ich wollte diese Krankheiten zeigen, unter denen so viele Menschen in unserer Gesellschaft leiden. Ich hoffe, dass diese Bilder für sie - so wie für mich - eine Quelle der Heilung sein können."

Die Bilder und die Bildunterschriften sind eine Serie, darum zeigen wir sie hier vollständig übersetzt.

Ein Glas Wasser ist nicht schwer. Du bemerkst es fast nicht, wenn du eines in die Hand nimmst. Aber was wäre, wenn du es nie leeren oder absetzen könntest? Was wäre, wenn du sein Gewicht für Tage ... Monate .. Jahre tragen müsstest? Das Gewicht verändert sich nicht, doch die Last schon. An irgendeinem Punkt kannst du dich nicht mehr daran erinnern, wie leicht das Glas einmal war. Manchmal braucht es alles von dir, um so zu tun, als sei diese Last nicht da. Und manchmal, da musst du das Glas einfach fallen lassen.

Ich hatte Angst vor dem Schlafen. Wenn es dunkel war, fühlte ich pure Panik. Es war allerdings nicht die Dunkelheit, die mir Angst machte. Es war dieser kleine Hauch von Licht, der einen Schatten entstehen ließ - einen schrecklichen Schatten.

Mein Kopf fühlt sich an, als wäre er mit Helium gefüllt. Jeder Fokus verschwindet. Nur eine kleine Entscheidung zu treffen. Nur eine einfache Frage zu beantworten. Mein Geist lässt mich einfach nicht. Es ist, als würden sich tausend Gedanken überkreuzen.

Sie sagen mir immer wieder, dass ich atmen soll. Ich kann fühlen, wie meine Brust sich hebt und senkt. Hoch und runter. Hoch und runter. Aber warum fühlt es sich so erdrückend an? Ich halte meine Hand unter meine Nase, um meinen Atem zu spüren. Ich bekomme trotzdem keine Luft.

Betäubtes Gefühl. Wie schwachsinnig. Wie passend. Kann man sich wirklich betäubt fühlen? Oder ist es einfach die Unfähigkeit zu fühlen? Bin ich so sehr daran gewöhnt, betäubt zu sein, dass es für mich zu einem Gefühl geworden ist?

Ich bin eine Gefangene meines Geistes. Der Wärter meiner eigenen Gedanken. Je mehr ich denke, umso schlimmer wird es. Je weniger ich denke, umso schlimmer wird es. Atmen. Einfach atmen. Treiben. Es wird bald einfacher werden.

Es ist ein seltsames Gefühl in deiner Magengrube. Es fühlt sich so an, wie wenn du schwimmst und deine Füße auf den Boden stellen willst und dann merkst, dass da kein Boden mehr ist, weil das Wasser tiefer ist, als du gedacht hast. Du kannst den Boden nicht berühren und dein Herz hört für einen Moment auf zu schlagen.

Die Wunden sind so tief, es scheint, als könnten sie nie wieder heilen. Der Schmerz ist so stark, es ist kaum zu ertragen. Ich bin so verletzt, so verwundet. Alles, was ich noch kenne, ist dieser Schmerz: knapper Atem, leere Augen, zitternde Hände. Wenn es so sehr weh tut, warum noch weitermachen?

Ich habe Angst zu leben und Angst zu sterben. Was für eine Existenz.

Egal wie sehr ich mich wehre, es wartet jeden Tag darauf, mich runterzuziehen, einzuhüllen, zu zerbrechen. Ich kämpfe jeden Tag dagegen. "Du bist nicht gut für mich und du wirst es niemals sein". Aber es wartet immer auf mich, wenn ich auf wache, wenn ich einschlafe. Es nimmt mir den Atem. Es macht mich sprachlos.

Du wurdest für mich und von mir geschaffen. Du wurdest für meine einsamen Momente geschaffen. Du wurdest zur Verteidigung erschaffen, genährt von Ängsten und Lügen. Angst vor gebrochenen Versprechen und dem Verlust von Vertrauen, das so selbstlos gegeben wurde. Du formst mein Leben. Stärker und stärker.

Depression bedeutet, dass du nichts mehr fühlen kannst. Angst bedeutet, dass du viel zu viel fühlst. Unter beidem zu leiden ist wie ein ständiger Krieg in deinem Kopf. Beides zu haben bedeutet keine Chance auf Sieg.

Die ganze Geschichte von Katie Crawford gibt es auf ihrem Blog www.katiejoycrawford.com zu lesen. Aktuelle Infos veröffentlicht sie auf ihrer Facebook-Page .

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