Hilfe für kranke Seelen: Mangel an Therapieplätzen in Deutschland

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Wer wegen Depressionen einen Therapieplatz sucht, muss in Deutschland lange warten.
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Ein Therapeut für Depressionen ist schwer zu kriegen

Depressionen sind eine schwere Krankheit, die Betroffenen brauchen meist eine Therapie, um aus ihrem seelischen Tief herauszufinden. Doch oft müssen sie lange auf einen Therapieplatz warten.

Eine Depression fühlt sich an wie schwere, dunkle Gewitterwolken im Kopf. Wer sie hat, ist absolut machtlos gegen die dumpfe Niedergeschlagenheit, die diese Krankheit mit sich bringt. Wer eine Depression hat, braucht schnelle Hilfe. Doch in Deutschland ist schnelle Hilfe nur schwer zu bekommen.

Wer als Kassenpatient einen Therapeuten sucht und nicht privat für einen Therapeuten zahlen kann oder will, muss derzeit etwa drei Monate warten, bis ein erstes Gespräch mit einem niedergelassenen Therapeuten möglich ist. Die gesetzlichen Richtlinien, die den Bedarf der therapeutischen Versorgung regeln, sind hoffnungslos veraltet. Sie basieren auf Zahlen des Jahres 1999. Doch allein in der Dekade von 2000 bis 2011 ist die Zahl der Hilfsbedürftigen um 50 Prozent gestiegen.

Die Wartezeit kann schlimme Folgen haben. "Monatelange Wartezeiten führen dazu, dass aus einer ersten depressiven Episode eine wiederkehrende und chronische Depression wird. Dieses Risiko steigt enorm mit jeder nicht behandelten depressiven Phase. Jeder, der sich mit psychischen Erkrankungen auskennt, weiß das", sagt Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, im Gespräch mit dem TV-Sender 3Sat.

Der Sender zeigt heute Abend eine spezielle Sendung zum Thema, der Titel: " Therapienotstand: Was hilft der kranken Seele? " (Donnerstag, 22. Oktober 2015, 21 Uhr, 3Sat)

Mit Dietrich Munz und weiteren Gästen spricht Moderator Gert Scobel über den gravierenden Mangel an Therapieplätzen in Deutschland und das Problem die richtige Therapie zu finden und zu finanzieren.

Sind Tabletten besser als Therapie?

Ist es wirklich preiswerter auf Psychopharmaka zurückzugreifen statt auf Therapeuten? Neueste Studien weisen auf eine deutlich steigende Suizidgefahr bei Einnahme von Psychopharmaka hin, die bislang als "Rettung" galten. Sind Kostenersparnisse wirklich ein Argument für den schnellen Griff zu Medikamenten? Welche Alternativen bieten neue Therapieformen wie etwa Onlinetherapien? Welche Weichen müssten jetzt gestellt werden, um möglichst vielen psychisch kranken Menschen effektiv und schnell zu helfen und auf diese Weise hohe Folgekosten in der Zukunft zu vermeiden? Die 3Sat-Sendung will diese Fragen beantworten.

Schnelle Hilfe gegen Depressionen: es ist ein Thema, das uns alle angeht, denn treffen kann es jeden.

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