Hobby Internet-Troll: Uwe Ostertag provoziert Streit im Netz

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Über 200 Kommentare postet Uwe Ostertag jeden Tag.
Foto: Facebook/ Uwe Ostertag

Man nennt ihn auch den Troll

Frührentner Uwe Ostertag ist in seiner Freizeit das, was Internet-Spezialisten einen Troll nennen. Er stiftet mit Absicht Unruhe im Netz und provoziert Streit, wo er nur kann.

Kaum zu glauben, aber wahr: Für Uwe Ostertag gibt es keine schönere Beschäftigung, als andere Menschen im Netz zu provozieren. An einem Tag schreibt der 55-jährige Frührentner mehr als 200 Kommentare, um auf den verschiedensten Internet-Seiten seine Meinung kundzutun.

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeine sagt Uwe Ostertag ganz offen: "Provozieren, das ist wie ein Orgasmus." Wenn er etwas postet und sich dann jemand darüber aufregt, dann ist das das "Ejakulat" für Ostertag. Mehr als zwölf Stunden täglich verbringt der Frührentner vor seinem PC - seinem offenbar wertvollsten Besitz. Wenn sein 18-jähriger Sohn das Haus verlässt, um in die Schule zu gehen, beginnt für Uwe Ostertag sein 'Arbeits'-Alltag als Internet-Provokateur. Einer tatsächlichen Arbeit geht er seit 1999 nicht mehr nach. Aufgrund eines gebrochenen Kreuzes und einer künstlichen Hüfte ist Uwe Ostertag Frührentner.

Uwe Ostertag ist nicht allein

Der 55-Jährige ist keinesfalls ein Einzelphänomen. Ostertag hat sich in den vergangenen Jahren eine solide Fangemeide aufgebaut und durch seine beleidigenden und aggressiven Posts viele andere Leute, wie sich selbst kennengelernt. Man nennt sie auch Trolle.

Als Trolle werden Personen bezeichnet, die mit Absicht Beiträge im Netz sabotieren beziehungsweise Unterhaltungen stören. Sie wollen die Aufmerksamkeit auf sich lenken und für Spannungen sorgen. Nichts ist ihnen lieber als eine Eskalation. Genau das halten sie für amüsant.

Am Anfang war der Troll noch harmlos

Bei Ostertag hat alles einmal ganz anders angefangen. Der FAZ erzählt er, dass seine ersten Kommentare in Foren immer ganz lieb und nett waren. Doch als auf diese niemand geachtet hat, habe er einen anderen Ton angeschlagen. Inzwischen wird Ostertag nicht mehr ignoriert. Er hat seine eigene Homepage, auf der seinen Kommentar zu den unterschiedlichsten Themen abgibt. Auf Twitter folgen dem Troll über 2.500 Menschen. Auch Facebook gehört natürlich zu den Plattformen, auf denen Ostertag sich gerne bewegt.

Doch das Hobby als Troll hat auch seine Schattenseiten. Gelöschte Kommentare und Verwarnungen gehören zum Alltag eines leidenschaftlichen Provokateurs. Einmal war sogar die Polizei bei Ostertag und konfiszierte seinen Computer. Mit einem diskriminierenden Post über Behinderte hatte er es eindeutig übertrieben. Mit Bezug auf seine eigene körperliche Behinderung konnte Ostertag aber einer Strafe entgehen.

Für Ostertag hat das Eingreifen der Polizei nichts geändert. Er verbringt seine Tage weiterhin auf dem Sofa, seinen Laptop immer in nächster Nähe auf seinem Schoss. Der nächste Kommentar des Trolls lässt immer nur wenige Minuten auf sich warten. Jeden Tag jagt er seinem größten Wunsch nach: einem ausgewachsenen Shitstorm.

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