Hochsensibilität: Was bedeutet das?

Hochsensibilität kann sehr belastend, aber auch bereichernd sein.
Hochsensibilität kann sehr belastend, aber auch bereichernd sein.
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Inhalt
  1. Wie hochsensible Menschen im Alltag zu kämpfen haben
  2. Hypersensibilität: Bestimmte Hirnareale sind aktiver
  3. Bist du hochsensibel?

Wie hochsensible Menschen im Alltag zu kämpfen haben

Etwa 15-20 Prozent der Menschen sollen mit Hochsensibilität zu kämpfen haben. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Zu Anfang sei hier direkt gesagt: Hochsensibilität, auch Hypersensibilität genannt, ist keine Krankheit. Es handelt sich hierbei viel mehr um einen Wesenszug, ein Persönlichkeitsmerkmal. Hochsensible Menschen nehmen ihre Umgebung anders, das heißt um ein Vielfaches verstärkt wahr.

Solche Situationen sind für hochsensible der Horror: Auf dem Parkplatz hupt ein Autofahrer, fünf Meter weiter schreit ein Verkäufer, ein Baby weint lautstark in seinem Kinderwagen. Was wie eine ganz normale Situation in der Öffentlichkeit klingt, ist für Menschen, die unter Hochsensibilität leiden, ein wahrgewordener Albtraum. Sie kann es ihre gesamte Kraft kosten, mit solchen eigentlich alltäglichen Situationen umzugehen. Darum sind auch Großraumbüros besonders für hochsensible Menschen eine Qual. Ihre Möglichkeiten zur Ausblendung von Reizen sind viel schwächer, schnell wird jedes Telefonklingeln, Geschnatter von den Kollegen oder Pfeifen vom Sitznachbarn zur Marter für die Nerven.

Nicht nur die Wahrnehmung von sämtlichen Sinnesreizen, sondern auch von Emotionen ist bei hochsensiblen Menschen intensiviert. Sie nehmen eine größere Anzahl an Informationen aus ihrer Umwelt auf. Zusätzlich haben diese eine andere Qualität. Die Verarbeitung all dieser äußerst intensiven Informationen kostet hochsensible Menschen sehr viel Energie. Anzeichen für eine Überbelastung können bei Ihnen darum eher als bei anderen Personen auftreten.

Von der Wissenschaft wurde das Phänomen erstmals 1996 offiziell behandelt. Die US-Psychologin Elaine N. Aron veröffentlichte zu dieser Zeit gemeinsam mit ihrem Mann einen Artikel zu diesem Thema und prägte den Begriff der "Highly Sensitive Person" (dt. "Hochsensible Person"). Dr. Aron betonte schon 1996, dass Hypersensibilität nicht als Krankheit aufzufassen sei.

Hypersensibilität: Bestimmte Hirnareale sind aktiver

Im Unterschied zu damals gibt es heute neue neurobiologische Erkenntnisse, die beweisen, dass bei hochsensiblen Menschen, die Teile des Gehirns aktiver sind, die für die Verarbeitung von Sinnesreizen zuständig sind. Wobei nicht alle Betroffenen alle Arten von Sinneseindrücken intensiver wahrnehmen. Während einige vor allem auf Gerüche besonders empfindlich reagieren, stören andere sich viel mehr an lauten Geräuschen.

Doch nicht nur die Sinne von hochsensiblen Personen arbeiten auf Hochtouren, auch ihr Einfühlungsvermögen ist stärker ausgeprägt. Hochsensible Menschen nehmen die Emotionen von anderen Menschen deutlicher wahr und lassen sie eher an sich selbst heran. Sie saugen sie geradezu auf wie ein Schwamm, wodurch es dazu kommt, dass die negativen Gefühle anderer Menschen ihre eigene Stimmung trüben.

Häufig zeigen sich die Symptome der Hochsensibilität bereits bei jungen Menschen. Hochsensible Kinder werden von ihren Mitmenschen meistens als schüchtern und introvertiert wahrgenommen. Grund dafür ist, dass sie sich aufgrund der Überlastung durch die verstärkten Sinneseindrücke öfter zurückziehen müssen. Das belastende Gefühl anders zu sein und irgendwie nicht richtig dazuzugehören, macht vielen Hochsensiblen zu schaffen. Sätze wie "Sei doch nicht so empfindlich!" bewirken da genau das nicht beabsichtigte Gegenteil und üben unnötigen Druck auf die Betroffenen aus. Es ist dagegen wichtig, hochsensiblen Erwachsenen wie Kindern mit Verständnis zu begegnen und ihnen Möglichkeiten zu bieten, sich zurückzuziehen.

Bist du hochsensibel?

Auf der Website des Vereins Zart besaitet – Gesellschaft zur Förderung und Pflege der Belange hochempfindlicher Menschen können Sie den Test machen.

 

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