Hormone überfluten Verliebte

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Verliebt sein, macht süchtig
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Zustand wie im Drogenrausch

Eine Trennung ruft alle Schmerzen hervor, wie sie auch Suchtkranke erleiden müssen.

"Liebe macht blind!" Das ist nicht nur ein loser Spruch aus dem Volksmund, sondern eine Aussage mit einem großen Wahrheitskern. In Zeiten von Magnetresonanztomographieaufnahmen des Gehirns kann man beweisen, was im Kopf passiert, wenn Amors Pfeil getroffen hat.

In jenen Bereichen des Gehirns, die für die kritische Beurteilung von Menschen und Situationen zuständig sind, sinkt die Aktivität deutlich. Man sieht nur die Vorzüge des anderen und biegt sich sogar die Realität zurecht. Ein Beispiel: Was jetzt "locker lässig" aussieht und ungemein anziehend wirkt, kann später schnell "ungepflegt" heißen und zur Trennung führen.

Verliebte sind wie im Drogenrausch. Sie werden vom Hormon Dopamin überschwemmt. Dadurch ist das Belohnungszentrum im Gehirn aktiv. Verliebte fühlen sich belohnt und sind beglückt, wenn sie vom neuen Partner reden oder ihn treffen können. Sie wollen nichts anderes mehr - das macht es für Außenstehende oft anstrengend, Schwärmereien anzuhören.

Betroffene können von Luft und Liebe leben. Für den Körper ist das purer Stress. Entsprechend sorgt das Stresshormon Adrenalin dafür, dass Verliebte nicht mehr schlafen können und keinen Appetit haben. Auch die gestörte Konzentration liegt am Adrenalinüberschuss. Insofern ist es ebenfalls mehr als ein Sprichwort, wenn versalzenes Essen so kommentiert wird: "Der Koch war wohl verliebt." Stresshormone erschweren klares Denken.

Dass die Partner nach dem ersten Rausch auch zusammen bleiben, liegt an einem weiteren Hormon: dem Kuschelhormon Oxytoxin. Dies wird beim Orgasmus ausgeschüttet, erstmals feststellt wurde es allerdings bei stillenden Müttern. Es sorgt für Bindung von der Mutter zum Baby, von Frau zu Mann. Partnerschaften, in denen sich die Menschen häufig berühren, halten länger. Das ist interessant: Der Körper kann nicht unterscheiden, ob das aufregende Kribbeln von der Liebe oder kleinen Gefahren hervorgerufen wird.

Deshalb verliebt man sich leichter auf einer wackeligen Brücke als im Stadtpark. Wer möchte, dass es funkt, sollte also eher anregende Situationen herbeiführen. Übrigens: Liebeskummer wirkt wie kalter Drogenentzug. Eine Trennung ruft alle Schmerzen hervor, wie sie auch Suchtkranke erleiden müssen, die von ihrem Suchtmittel getrennt werden. Auch dies ist bei Gehirnaufnahmen nachweisbar.