Negatives Geburts-ErlebnisHorror-Geburt in Wuppertal? Was eine Mutter im Helios Universitätsklinikum Wuppertal erlebt hat

Eine Mutter hat sich in einem Facebook-Post über die Behandlung im Helios Universitätsklinikum Wuppertal beschwert.
Eine Mutter hat sich in einem Facebook-Post über die Behandlung im Helios Universitätsklinikum Wuppertal beschwert.
Foto: iStock (Symbolbild)

Traumatisches Geburtserlebnis in der Helios Landesfrauenklinik Wuppertal - Mutter postet Beschwerdebrief auf Facebook, Klinik versucht sich in Wiedergutmachung.

"Meine Tochter wurde wie Müll behandelt! Sie haben mir die Geburt meiner Tochter und die Tage danach zu einer unvergesslichen Zeit gemacht. Einer Zeit voller Tränen, Verzweiflung und Wut!"

Auf Facebook hat die frisch gebackene Mutter Michele Lange am 9. August 2016 einen schockierenden Bericht von der Geburt ihrer Tochter in der Helios Landesfrauenklinik Wuppertal veröffentlicht. Darin schildert sie extrem unfreundliche Behandlung durch das Personal, mangelhafte Versorgung ihres Säuglings mit kalter Milch und unzulängliche medizinische Untersuchungen. So wurde etwa das Formular zur U1-Untersuchung, in dem normalerweise zum Beispiel das Geburtsgewicht des Babys dokumentiert wird, in diesem Fall nicht ausgefüllt.

Unter anderem schreibt Michele Lange: "Liebe Station 3 der Helios Landesfrauenklinik Wuppertal, ich wollte mich mal kurz an Sie richten. Es könnte ja sein, dass Sie doch so etwas wie ein Gewissen besitzen. Oder Sie haben ganz einfach eine schlechte Erziehung genossen, denn anders kann ich mir einfach nicht erklären, wie man so mit Patienten umgehen kann [...]

Ich lag also frisch entbunden mit meinem Baby in einem Zimmer mit einer Frau, die dort lag um eingeleitet zu werden. Ich finde diese Frau hätte es verdient noch ein bisschen Kraft zu tanken und ruhig zu schlafen, denn die anstehende Geburt kostet ja schon so ein bisschen Kraft. An Schlaf war für uns beide aber nicht zu denken, da meine Tochter die ganze Nacht geschrien hat. Ich konnte das gut verstehen, da ich nur KALTE Milch für sie bekam und sie dem entsprechend nicht viel getrunken hat und Hunger hatte. Mir wurde zu keiner Zeit Hilfe angeboten. Ich musste mich schon anstrengen die Kleine überhaupt aus dem Bett heben zu können, so mit einer frischen Kaiserschnittnarbe ist das nicht so einfach [...]

Als Sie mir den Blasenkatheter gezogen haben, haben Sie mich angeekelt angeguckt und gesagt WAS FÜR EINE SAUEREI IST JA ALLES DURCHGEBLUTET SIE GEHEN JETZT SOFORT AUF DIE TOILETTE UND WASCHEN SICH. Was soll ich sagen? Das war schon ziemlich herablassend und gemein. Alleine waschen 10 Stunden nach dem Kaiserschnitt ist ziemlich viel verlangt. Ich weiß nicht ob Sie Kinder haben. Ich glaube nicht, denn dann wüssten Sie ja wie hilflos und verletzbar man sich nach einer Geburt fühlt [...] Mir ist mein Herz nochmal gebrochen. Das fühlt sich schon scheisse an, wenn die neugeborene Tochter wie Müll behandelt wird [...]"

Dies ist der gesamte Post von Michele Lange:

In Folge der völlig unangemessenen Behandlung in der Landesfrauenklinik leidet Michele Lange jetzt unter Albträumen und Angstzuständen. 

Ein so negatives Geburtserlebnis ist wirklich keiner Frau zu wünschen und ein derart unfreundliches und unzulängliches Verhalten von Krankenhauspersonal ist ebenfalls nicht akzeptabel. Die Redaktion von Wunderweib.de hat darum die Leitung des Helios Universitätsklinkum Wuppertal um eine Stellungnahme zu dem Fall gebeten. Marina Dorsch, Regionalleiterin Unternehmenskommunikation / Marketing, hat geantwortet:

Stellungnahme der Klinik: "Wir haben sicherlich Fehler gemacht"

"In der Tat hat auch uns die auf Facebook veröffentlichte Kritik sehr erschreckt. Unser erstes Ziel ist es, dass sich schwangere Frauen und Mütter, die gerade ihr Baby zur Welt gebracht haben, bei uns gut aufgehoben und behütet fühlen. Dass uns das meistens gelingt, bekommen wir von vielen Seiten bestätigt. In diesem Fall allerdings gab es ganz offensichtlich erhebliche Unzufriedenheit.

Gemeinsam mit dem Team der Landesfrauenklinik haben wir letzte Woche damit begonnen, die Kritikpunkte mit der Station aufzuarbeiten. Wir werden uns darüber hinaus diese Woche mit der Patientin des Posts zusammensetzen, um mit ihr direkt ins Gespräch zu kommen. Sie werden Verständnis dafür haben, dass ich mich nicht zu allen Einzelheiten äußern kann - aber einige der Punkte, die genannt sind, können wir inhaltlich gut entkräften. Als Beispiel sei die erste Untersuchung des Babys genannt: Die ist natürlich erfolgt, was die Mutter des Kindes auch auf unsere Nachfrage hin bestätigt hat. Leider wurde die Untersuchung nicht im U-Heft dokumentiert, ein Dokumentations-Fehler von unserer Seite.

Die auf der Station unserer Geburtshilfe angebotene Milch wird im Fläschchenwärmer auf 37,5 Grad vorgewärmt und dann an die Mütter ausgegeben. Das Stationspersonal macht die Mütter darauf aufmerksam, dass bei einer erneuten Gabe von Milch ein neues Fläschchen bestellt werden kann. Beschwerden über zu kalte Milch gab es vor und auch nach dem Aufenthalt der Verfasserin des Facebook-Eintrags nicht. Dennoch haben wir überprüft, ob der Fläschchenwärmer ordnungsgemäß arbeitet.

Wir haben sicherlich Fehler gemacht, wofür wir uns auch bei der Verfasserin des Facebook-Eintrags schon entschuldigt haben – und im Rahmen des anstehenden Gespräches auch noch einmal persönlich entschuldigen werden. Fest steht aber auch: Dieser Fall beschreibt nicht einen generellen Zustand unserer Geburtsstation. Die allermeisten Frauen, die unser Haus verlassen, sind mit der Versorgung in der Landesfrauenklinik sehr zufrieden. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten insgesamt großartige Arbeit. Das zeigt auch unsere Patientenbefragung, die ein externes Unternehmen auswertet. Hier finden Sie die Ergebnisse: http://www.helios-kliniken.de/klinik/wuppertal/fachabteilungen/frauenklinik/patientenbefragung.html. Seien Sie versichert, dass wir Kritik sehr ernst nehmen, dass wir versuchen, Fehler abzustellen und kontinuierlich besser zu werden."
 

Das Gespräch zwischen Michele Lange und der Klinik hat inzwischen stattgefunden und die Klinik hat sich in aller Form entschuldigt. Außerdem wurde zugesagt, Michele Lange nun bei der Suche nach einem externen Psychologen zu unterstützen, der ihr dabei helfen kann, das sehr negative Geburtserlebnis zu verarbeiten. Wir wünschen Michele Lange, dass sie schnell passende Hilfe bekommt und hoffen, dass die Aufarbeitung dieses Vorfalls dazu beiträgt, dass eine derartige Behandlung von Patienten in dieser wie auch in anderen Kliniken in Zukunft nicht mehr vorkommt.

In jedem Fall sollten Mütter, die im Verlauf einer Geburt schlecht behandelt werden, dies nicht stillschwiegend hinnehmen, sondern sich 1. in dem Moment angemessen zur Wehr setzen und 2. gegebenenfalls auch im Nachhinein nicht zögern, sich über unangemessenes Verhalten bei höheren Stellen wie der Klinikleitung, der Ärztekammer oder der Krankenkasse zu beschweren. Nur so können Patienten erreichen, dass sich langfristig etwas zum Positiven verändert, wenn es um das Verhältnis zwischen medizinischem Personal und Patienten geht. Denn dieses ist allzu oft von hohem finanziellem Druck und Überlastung des medizinischen Personals geprägt.

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