HPV - das geht alle Frauen an!

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6.500 Frauen erkranken pro Jahr in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. Die Heilungschance beträgt 80 % bei früh erkannten Tumoren
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Wohlfühl-Welt

Die schönste Sache der Welt hat einen Haken: Man kann sich mit Humanen Papillom-Viren anstecken. Das führt manchmal zu Gebärmutterhalskrebs. Aber zum Glück können wir uns in jedem Alter schützen.

Dass Viren Infektionen wie Schnupfen auslösen können, weiß inzwischen jeder. Aber Krebs? Ja, bei Frauen ist das möglich. Durch bestimmte Arten von diesen mikroskopisch kleinen Erregern können Tumore am Gebärmutterhals entstehen.

Genau gesagt, sind die Auslöser einige bestimmte Arten von sogenannten Humanen Papillom-Viren (HPV). Sie werden beim Geschlechtsverkehr übertragen und können Zellen in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses verändern.

Im Laufe vieler Jahre können aus diesen Veränderungen dann Geschwulste entstehen.

Das passiert aber selten. Denn zum Glück hält unser Immunsystem HP-Viren in Schach: In den allermeisten Fällen spüren Sie nichts von einer Infektion, obwohl nach Experten-Schätzungen 80 Prozent aller Frauen irgendwann infiziert werden.

Nur bei 3 Prozent der Betrofienen wird daraus Gebärmutterhalskrebs - aber nur, wenn die Viren nicht erkannt werden. Kein anderer Krebs lässt sich so gut verhindern. Man muss nur über HPV Bescheid wissen.

Vor dem ersten Sex impfen!

Als Allererstes sind die Mütter von Mädchen in der Verantwortung. Steht Ihre Tochter vor der Pubertät? Dann klären Sie sie über alles auf, was mit HPV zusammenhängt. Denn die Viren können schon beim ersten Sex übertragen werden. Kondome halten sie nicht hundertprozentig zurück.

Seit 2007 gibt es eine Impfung. Die wirkt am sichersten vor dem ersten Geschlechtsverkehr, also wenn man noch keine HPVInfektion hat. Deshalb bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Impfung, die rund 480 Euro kostet, für alle Mädchen und jungen Frauen zwischen 12 und 17. Sie bekommen vom Frauenarzt drei Spritzen in sechs Monaten.

Es gibt zwei Impfstofie ("Gardasil" und "Cervarix"). Beide schützen vor den HPV-Typen 16 und 18. Es gibt viele verschiedene HPV-Typen, die meisten sind harmlos. Aber Nummer 16 und 18 verursachen 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Das bedeutet: Die Impfung bietet 70-prozentigen Schutz. "Gardasil" neutralisiert zusätzlich die Typen 6 und 11, die die meisten Feigwarzen im Intimbereich verursachen.

Tipps: Gehen Sie mit Ihrer Tochter beim ersten Mal gemeinsam zum Frauenarzt. Dann können Sie diesem alle wichtigen Fragen stellen. Oder schreiben Sie alle Fragen auf, die Ihnen beiden am Herzen liegen, und geben Sie Ihrer Tochter die Liste mit.

Bislang zeigen Studien: Der Schutz vor HPV 16 und 18 hält mindestens fünf Jahre, höchstwahrscheinlich länger. Ob eine Auffrischung nötig ist, müssen aber weitere Studien zeigen. Und es gibt außerdem noch 13 HPV-Typen, die irgendwann mal Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

Wissen Sie, ob Sie HPV haben?

Deshalb ist der zweite Schutzfaktor ganz wichtig: regelmäßige Früherkennungs-Untersuchungen - egal ob man geimpft ist oder nicht. Es gibt zwei Tests.

Der PAP-Test: Dabei macht der Frauenarzt einen Abstrich vom Muttermund. Er entnimmt Zellen aus der Schleimhaut, schickt sie ins Labor. Der Test soll schon leicht veränderte Zellen erkennen, ehe sie zu Krebs werden. Jede Frau ab 20 hat einmal pro Jahr Anspruch auf diese kassenbezahlte Früherkennung. Unter dem Mikroskop werden die Probe-Zellen in fünf Stadien eingeteilt.

Es gibt zwei unaufiällige Befunde (PAP I und II). Im PAP-III-Stadium sind Zellen verändert, sie sollten in kürzeren Abständen kontrolliert werden. Im Stadium IV und V rät der Frauenarzt meist zu einem Eingriff. Allerdings sagt der PAPAbstrich nichts darüber, ob man Viren hat.

Der HPV-Test: Krebs-Experten raten deshalb, zum jährlichen PAP-Test auch einen HPV-Test machen zu lassen. Gesetzliche Kassen bezahlen ihn noch nicht, er kostet 50 bis 95 Euro. Er zeigt, ob man einen der gefährlichen HPV-Typen im Körper hat oder nicht. Beruhigend: Wenn das Labor an diesem Abstrich vom Muttermund nichts feststellt, sind in den nächsten sechs Jahren keine Zellveränderungen zu erwarten.

Eine große europäische Studie hat nachgewiesen: Die Kombination beider Tests ist die sicherste Früherkennung. Mit beiden Test-Ergebnissen kann der Frauenarzt genauer einschätzen, ob und was getan werden muss. Oder ob nichts weiter nötig ist.

Wenn Sie es haben: mit dem Arzt über Impfung sprechen

Bisher gibt es noch keine Studien, die zeigen, dass eine Impfung auch zumindest zu 70 Prozent schützt, wenn man schon HP-Viren hat. Aber die Impfung kann noch ein gewisses Rest-Risiko beseitigen. Denn das Ganze ist ein Rechenspiel: Mit der Impfung wäre man geschützt vor Infektionen mit jenen HPV-Typen, die man zurzeit noch nicht hat, die eine Impfung aber abdeckt.

Beispiel: Haben Sie HPV 16 im Körper, könnte eine Impfung Sie noch vor der Infektion mit HPV 6, 11 und 18 schützen. Auch wichtig zu wissen: Die Impfung kann eine bestehende Infektion nicht fördern. Aber leider kann sie eine bestehende Infektion auch nicht verbessern.

Wenn die empfohlenen Früherkennungs-Tests beim Frauenarzt also entweder Viren oder Zellveränderungen bei Ihnen zeigen, dann sollten Sie das Thema Impfung vorsichtshalber noch mal mit Ihrem Frauenarzt besprechen. Lassen Sie sich von ihm bei diesem Rechenspiel Ihrer Gesundheit zuliebe helfen.

Fragen Sie ihn: Welche HPVTypen habe ich? Sind welche davon gefährlich? Wenn ja: Lohnt sich eine HPV-Impfung trotzdem noch? Fragen Sie ihn auch nach möglichen Nebenwirkungen.

Hier gibt es weitere Infos

Das Deutsche Krebsforschungs-Zentrum (DKFZ) bietet eine umfassende Internet-Seite: www.krebsinformationsdienst.de

Außerdem kann man unter Tel.: 08 00/4 20 30 40 (8-20 Uhr) beim DKFZ anrufen. Experten beantworten die Fragen.

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