Hypnose: Heilung in Trance

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Foto: yulkapopkova / iStock

Wie viel Macht steckt in unserem Unterbewusstsein? Hypnose verrät es.

In Hypnose, im Zustand der Trance, werden wir mit uns selbst konfrontiert und erfahren, welche Wunder, welche Kraft in jedem von uns verborgen sind. Ein Selbstversuch...

Was genau geschieht mit uns, wenn wir uns hypnotisieren lassen?

Ein Eigenversuch bei Piero Reghenzi, einem erfahrenen Hamburger Hypnosetherapeuten, soll Klarheit schaffen und mich von meinen Schlafstörungen erlösen.

Reghenzis Erklärung: "Hypnose ist ein Zustand wohliger Entspannung, zwischen Wachen und Schlafen. Das Zeitgefühl geht verloren, die Umwelt wird immer unwichtiger, aber der Geist ist sehr klar und konzentriert."

Nach einem ausführlichen Vorgespräch folgt die erste Sitzung. "Fühle, wie Dein Atem durch Deinen Körper fließt, atme tief und langsam. Ein und aus", sagt Piero mit seiner sonoren Stimme. "Nichts ist mehr wichtig. Jedes Geräusch vertieft Deine Entspannung. Du konzentriest Dich jetzt nur noch auf meine Stimme. Deine Lider werden immer schwerer, Deine Augen schließen sich. Nun stell Dir vor, du stehst am Rand einer Treppe. Während ich zurückzähle, schreitest du langsam die Stufen hinunter. Zehn, neun, acht ..."

Vor mir taucht eine Wendeltreppe auf, die ich langsam hinuntergehe. Als ich bei eins ankomme, stehe ich gerade auf der letzten Stufe und sehe, wie mein Fuß über dem Boden schwebt.

Pieros Stimme führt mich. "Du gehst jetzt einen Gang entlang, weiter und weiter. Am Ende des Ganges befindet sich ein Tor, und hinter diesem Tor liegt ein wunderschöner Garten." Nun taucht tatsächlich ein riesiges Tor auf. Ich öffne es vorsichtig. Und blicke in eine traumhafte, lichtdurchflutete Landschaft. Ich trete ein. Gleichzeitig bin ich mir jedoch auch völlig dessen bewusst, dass ich in leichter Trance unter einer Decke liege. Ich gleite durch den Garten, links und rechts von mir registriere ich Blumen. Jetzt nähere ich mich meinem Ziel. Piero führt mich zu einer Quelle - der Quelle meiner Kraft. Und hier, unter den schillernden bunten Tropfen der Wasserfontänen, begegne ich meinem inneren Arzt.

In Hypnose werden die Gesetze von Raum und Zeit einfach ausgeschaltet

Ich weiß nicht, wie lange ich mich mit meinem Helfer ausgetauscht habe, aber noch immer verspüre ich diesen tiefen inneren Frieden, dieses Gefühl von Geborgenheit, sobald ich meine Augen schließe.

Nach der Sitzung fühle ich mich wie neugeboren. Und in den nächsten Nächten schlafe ich endlich wieder fest und tief. Doch wie ist es möglich, dass eine einzige Hypnose-Sitzung genügt, um mich von meinen Schlafstörungen zu kurieren?

"In Trance finden wir Zugang zum Wissen und zur unbegrenzten Lösungskreativität unseres Unbewussten. In diesem Zustand der Tiefenentspannung ist es möglich, persönliche Probleme zu lösen und positive Veränderungen einzuleiten," erklärt Piero.

In diesem Zustand können wir unserem Körper wertvolle Impulse zur Selbstheilung vermitteln. Denn Hypnose bewirkt eine neuronale Entspannung und ist heilsam für den gesamten Organismus. Die Ausschüttung von Stresshormonen sinkt, und das Immunsystem wird angeregt.

Eine Studie des Londoner University College kommt zu dem Ergebnis, dass in tiefer Trance völlig andere Gehirnareale aktiv sind als im Alltagserleben. Viel unmittelbarer als in einem normalen Gespräch können Hypnotisierte direkt auf ihr eigenes Unterbewusstsein einwirken und auf diese Weise oft weit über ihre scheinbaren Möglichkeiten hinauswachsen. In Trance haben wir nachweislich einen Einfluss auf körperliche Prozesse.

Wir sind nicht willenlos, sondern konzentriert und entspannt

Und was ist mit der Angst vor Kontrollverlust, davor, sich in Trance den Anweisungen eines Therapeuten auszuliefern? Sie ist völlig unbegründet, wie ich selbst erfahren habe.

Hypnose ist keine Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit. Ich habe auch in Trance jedes Wort konzentriert mitbekommen und fühlte mich durchaus präsent. Ausgeblendet werden lediglich störende Außengeräusche.

Niemand kann uns zwingen, Dinge zu tun, die wir im Wachzustand ablehnen würden. Befehle werden nur angenommen, wenn wir damit einverstanden sind.

Bei Gefahr kann das Unterbewusstsein die Hypnose sekundenschnell beenden, und wir sind selbst dann, wenn wir uns in tiefster Trance befunden haben, sofort hellwach.

Bleibt dennoch die spannende Frage: Was genau passiert mit uns, wenn wir hypnotisiert sind?

Obwohl das Verfahren zu den ältesten Therapien der Welt gehört, können selbst Experten diese Frage nicht genau beantworten. In verschiedenen Studien haben Forscher der Universität Jena untersucht, was sich im Körper von Menschen abspielt, die sich in diesem merkwürdigen Zustand zwischen Wachen und Schlafen befinden.

"Unsere Arbeiten zeigen, dass selbst bei starken Reizen kein Alarm in den verantwortlichen Hirnregionen ausgelöst wird", erklärt Prof. Miltner. Das heißt: Starke Schmerzen werden einfach ausgeblendet. Und das gilt nicht nur für den Zustand der Trance, sondern wirkt auch langfristig bei chronischen Schmerzen. "Hier wirkt die Überredungskunst zweifach: Die Schmerzübertragung wird gestoppt, und gleichzeitig steigt die Produktion schmerzlindernder Hormone an", erklärt Dr. Wolfgang Blohm, Klinikchef der einzigen deutschen Hypnoseklinik in Riddorf. Die Erfolgsquote bei chronischen Leiden wie Migräne, Rückenschmerzen oder Krebsschmerz: 70 bis 80 Prozent.

Wenn Trance das Ich rettet

"7.13 Uhr - mein Blick auf den Wecker ist das Letzte, woran ich mich erinnern kann. Danach ist nichts. Nur Dunkelheit. 'Schlaganfall', lautete die Diagnose meiner Ärzte." Doch davon bekam Marlen Winter nichts mit.

Zwei Wochen verbrachte sie in einer Art Zwischenwelt - war weder hier noch woanders. Als sie wieder zu sich kam, war sie halbseitig gelähmt und konnte kaum sprechen. Untersuchungen zeigten: Das Kurzzeitgedächtnis war blockiert, die intellektuellen Fähigkeiten waren auf das Niveau eines Kindes gesunken. Nach ein paar Wochen waren nahezu alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Fast alle.

Denn da gab es noch eine Spezialistin, die mit Hypnose arbeitete. In ihrer Verzweiflung klammerte Marlen Winter sich an diese letzte Chance. Und das Wunder geschah: "Während meiner Trance-Sitzungen unternahm ich Reisen ins Innerste. Ich besuchte mein Gehirn, stellte mir vor, wie ich zerstörte Nervennetzwerke wieder miteinander verknüpfte oder in besonders schweren Fällen mit einem Schweißbrenner verband. Ich sah diesen Daten-Highway, dessen Spuren immer wieder unterbrochen wurden. Und ich nahm die losen Enden auf - erschuf so nach und nach ein neues Netz. Es war mühsam - aber nach jeder Hypnose-Stunde hatten sich meine geistigen Fähigkeiten ein Stück weit regeneriert. Heute bin ich zwar nicht vollständig geheilt - doch ich brauche keinen Rollstuhl mehr. Und ich bin geistig wieder so fit wie vor meinem Schlaganfall. Aber ich weiß: Ohne meine Trance-Reisen hätte ich das nie geschafft."

Wir befinden uns täglich in Trancezuständen - meist, ohne es zu merken

Hypnotisierbar sind immerhin fast 90 Prozent aller Menschen. Wir sind übrigens öfter in Trance, als wir glauben: Bei der Lektüre eines spannenden Buches, beim Musikhören, Fernsehen - oder auf der Autobahn. Fast jeder kennt dieses merkwürdige Gefühl: Was habe ich eigentlich in den letzten zehn Minuten getan? Wir reagieren automatisch - eben wie in Trance -, während wir mit unseren Gedanken ganz woanders sind.

Wie wir mit dem inneren Arzt Kontakt aufnehmen können

Mit folgender Übung können wir versuchen, uns selbst in Hypnose zu versetzen. Das klappt am besten vor dem Schlafengehen. Je öfter wir es versuchen, desto intensiver wird die Trance-Erfahrung:

Legen Sie sich bequem ausgestreckt hin. Schließen Sie die Augen. Geben Sie sich dem Fluss des Atmens hin: einatmen, Pause, ausatmen, Pause ...

Sie befinden sich am Rande eines Sees, umgeben von grünen Hügeln. Sie stehen am Strand, von dem aus Sie den See überblicken können. Am Horizont erscheint verschwommen ein kleines Boot, das sich langsam in Ihre Richtung bewegt. Die Person in diesem Boot ist Ihr persönlicher Helfer.

Während das Boot langsam näherkommt, hören Sie die Wellen rauschen. Die Konturen des Bootes werden immer deutlicher, und Sie erkennen, dass Ihr innerer Arzt mit dem Rücken zu ihnen im Boot sitzt. Das Boot strandet letztendlich im Sand. Der Helfer springt aus dem Boot und zieht es an Land. Gemeinsam mit ihm gehen Sie nun ein paar Schritte, suchen sich einen ruhigen Ort. Dort nehmen Sie Platz.

Nun schildern Sie Ihrem inneren Arzt Ihr Problem und bitten ihn um Hilfe. Ihr Helfer wird Ihnen vielleicht bei den ersten Malen nicht direkt antworten, aber er vermittelt seine Botschaften oft über Emotionen. Wir fühlen z. B.: Das ist gut für mich, das nicht.

Mit der Zeit werden die Anweisungen immer verständlicher, wir lernen, dem Arzt in uns zu vertrauen. Das öffnet den Weg zu mehr Gelassenheit , erschließt uns die Möglichkeit zur Selbstheilung. Denn intuitiv wissen wir ohnehin, was wir brauchen, um uns wohlzufühlen. Und letztendlich ist jede Heilung, auch die in Trance, eine Selbstheilung.

Text: Christiane S. Schönemann

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