"Ich bereue es Mutter geworden zu sein." #RegrettingMotherhood.

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#RegrettingMotherhood. "Ich bereue es Mutter geworden zu sein."
Foto: SolStock/iStock

Ein Tabu wird gebrochen.

Eine Frau wird Mutter. Doch bald stellt sie fest, dass das nichts für sie ist. Dass sie mit dem Verlust von Selbstbestimmung und Freiheit, den Veränderungen des Körpers, dem Schlafmangel und dem Druck der Verantwortung nicht umgehen kann und will.

Unglückliche Mütter sind ein Tabu. Zeit, dies zu ändern.

Besonders gesellschaftlich ist das offene Bereuen über die Entscheidung ein Kind zu bekommen bis jetzt undenkbar gewesen. Dies änderte sich schlagartig, seit die Online-Ausgabe der Süddeutschen einen Artikel mit offenen Bekenntnissen inklusive einer entsprechenden Studie veröffentlichte. So sagt eine der Befragten im Alter von 38 Jahren im Bericht: "Schauen Sie, es ist kompliziert zu erklären. Ich bereue es, Mutter geworden zu sein, aber ich bereue nicht meine Kinder. Ich liebe sie. Ich bereue es, Kinder bekommen zu haben - aber ich liebe die Kinder, die ich bekommen habe. Ich wünsche mir nicht, dass sie nicht hier wären, ich möchte einfach keine Mutter sein."

"Mir war nicht klar, was es wirklich bedeutet, Mutter zu sein"

Seitdem macht der Hashtag #regrettingmotherhood im Internet Furore. Als habe man nur nach einem Ventil gesucht, äußern sich auf einmal überforderte Mütter, unter ihnen bekannte Mami-Bloggerinnen, zu einem Thema, das anscheinend nur auf seine Enttabuisierung gewartet hat. „Das Konzept der Mutterschaft selbst ist, stelle ich nach knapp sieben Jahren fest, nicht meins. Ich bin jemand, der das Alleinsein braucht wie die Luft zum Atmen. Ich hasse es, mich unfrei zu fühlen oder gar unfrei zu sein, Rechenschaft ablegen zu müssen, mich sklavisch an Termine halten zu müssen. Ich bin nicht besonders gut organisiert, eine totale Nachteule und meine Stimmung schwankt manchmal wie die eines pubertierenden Teenagers. Ich bin von Natur aus eher faul als fleißig, außer, eine Tätigkeit begeistert mich.“, schreibt Anette vom Blog Herzgespinst. Dabei wurde die feministische Sprengkraft bis jetzt kaum wahrgenommen, die hinter den Sätzen und Berichten der betroffenen Frauen steckt. Denn bei allen Diskussionen um gleiche Bezahlung und täglicher Diskriminierung hat auch eine Alice Schwarzer bis jetzt nicht gesagt, was man tun könnte, wenn man ein Kind bekommen hat und dann doch keine Mutter mehr sein will. Es wird also höchste Zeit über die Unmutgefühle des Mutterseins zu sprechen!

Gegensätzliche Gefühle akzeptieren und in den Alltag integrieren

Doch woher kommen diese Gefühle, die bis zum Bereuen der Mutterschaft reichen? Für viele Frauen wiegen die Nachteile des Kinderhabens mit allen Sorgen sehr schwer: Verantwortung, der emotionale Fokus auf Familie und Partnerschaft, Konflikte zwischen Familienleben, Beruf und persönlichen Bedürfnissen. Dazu sagt Soziologin Christina Mundlos: "Eine Mutter spricht nicht über ihre Erschöpfung. Das ist gesellschaftlich nicht erwünscht.“ Dabei sind laut Psychologin Brigitte Ramsauer solche ambivalenten Gefühle bei Müttern vollkommen normal. Sie dürfen da sein und müssen, genau wie die positiven Gefühle, gelebt werden. Letztendlich geht es nur darum, wie man mit Ihnen umgeht. "Es geht um die Fähigkeit, diese gegensätzlichen Gefühle anzuerkennen, zu tolerieren, in sich und in den eigenen Alltag zu integrieren. Darin besteht der Reifeprozess. Die Ambivalenz bei Müttern ist ganz normal", sagt sie.

Fazit: Nur weil man sich als Mutter mit seiner Rolle nicht wohlfühlt, überfordert ist oder sein altes Leben zurück will heißt das nicht, dass man seine Kinder nicht liebt und diese nicht will. Es wird einfach Zeit das Heiligtum der Mutterschaft zu entrümpeln, neu zu definieren und gleichmäßiger Verantwortung in der Gesellschaft zu verteilen. Auf Mann, auf Frau, auf alle.

Weiterführende Links:

Beitrag Süddeutsche

Beitrag Blog Herzgespinst

Beitrag Blog Lucia Marshall

Beitrag Blog Die Störenfriedas

Beitrag Blog Herz und Liebe

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