Ich bin das "dicke Mädchen im Badeanzug"

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Nicole Jankowski am Strand in ihrem Badeanzug
Foto: momof4istired.com/Nicole Jankowski

Schlank und gesund? Oder doch etwas mehr auf den Hüften anstatt zu dünn? Über die richtige Antwort lässt sich streiten. Aber nicht darüber, ob das eigene Wohlbefinden individuell ist. Ob nun Kleidergröße 38 oder 46: Man kann sich auch mit ein paar Pfunden mehr gesund und glücklich fühlen. Und genau das versucht Nicole Jankowski in einem eindrucksvollen Blogeintrag zu erklären.

Ernährung, Aussehen und Gesundheit werden in unserer Gesellschaft mehr und mehr zum Statussymbol. Paleo, vegan oder Low Carb: Wer gesund isst und gut aussieht, kommt an und wird zum Vorbild. Gesellschaftliche Zwänge oder Erkenntnisse aus der Wissenschaft machen es fast unmöglich "unbeschwert" zu essen. Ernährung und Gewicht sind für viele Menschen bewusst oder unterbewusst der Lebensmittelpunkt geworden. Genau das stört Nicole Jankowski.

"Ich will gesund leben. Ich versuche, gesund zu leben. Ich esse zwar nicht viel Fleisch, doch dafür esse ich viel Käse und Rosenkohl. Und Spinat. Ich lese mir die Angaben zu Inhaltsstoffen durch und lege Brot wieder zurück, wenn das erste Wort in der Liste „angereichert" ist.

Ich trinke jeden Morgen einen grünen Smoothie. Brummbrumm. Der Mixer vibriert unter meinen Fingern, ich füge Chia- und Leinsamen hinzu. Ich mag den Geschmack und die Konsistenz. Das Grüne. Ich stelle mir vor, wie die Antioxidantien durch meine Adern strömen, „Go-Go-Gadget-Vitamin-E".

Natürlich esse ich auch manchmal ein Dessert. Desserts enthalten bekanntermaßen wenig Fleisch. Und ich mag Desserts wirklich sehr."

So wie sich Nicole ernährt, tun es inzwischen unzählige Frauen: Immer auf die Gesundheit achten, aber der ständige Verzicht auf die kleinen Sünden zwischendurch funktioniert auch nicht. Eigentlich o.k., wenn da nicht die Meinung der anderen wäre.

"Mal ehrlich, kann man die Gesundheit einer Frau daran bemessen, wie dick und fleischig die Rundung ihrer Hüften ist? Sind meine Tage gezählt, nur weil ich Größe 42, 44 oder 46 habe? Bin ich deshalb geliefert? Diejenigen, die über meinen Gesundheitszustand urteilen wollen, tun dies viel lieber anhand der Zahl, die in meinem Badeanzug steht, als an den Laborergebnissen von meinem Arzt.

Sie glauben, dass man eine gesunde Frau an ihrem Hüftumfang erkennt. Vergessen Sie die Wissenschaft. Pfeifen Sie auf Zahlen. Scheren Sie sich zum Teufel, Herr Doktor. Es sind die modernen Schönheitsideale, die uns Sorgen bereiten sollten. Denn sie sagen mir alles, was ich wissen muss."

Denn das, was Nicole durch ihr Selbstbewusstsein oder ihre körperliche Stärke kann, sehen andere Menschen nicht. Ein straffer, durchtrainierter Mensch erntet bewundernde Blicke. Wer etwas über dem Normalgewicht liegt, dem wird in der Regel nicht zugetraut auch körperlich, etwas drauf zu haben.

"Manchmal reiben meine Oberschenkel aneinander, während ich Pizzateig knete.

Manchmal bin ich die einzige im ganzen Haus, die stark genug ist, um ein Glas Dillgurken zu öffnen.

Einmal habe ich ein Bett zwei Treppenläufe hochgetragen, und zwar ganz allein.

Diese Dinge, diese immateriellen Dinge, die erkennt man nicht an den dicken Fleischwülsten über meinen Knien. Also zählen sie nicht.

Doch das ist es, was wirklich zählt: Am Strand flüsterte ein Mädchen „mir gefällt der Badeanzug des dicken Mädchens", als ich an ihr vorbeilief.

Ich schwamm sehr weit raus, bis die Wellen die Stimme des Mädchens übertönten.Dann schwamm ich zurück.Ich bin das dicke Mädchen im grünen Badeanzug. Im Kontrast zu meinem Porzellanteint schimmert er sogar smaragdgrün. Ich bin nämlich eine Meerjungfrau. Eine weiche, wogende Meerjungfrau. Dieses ganze Fleisch ist meine wunderbare Auster.

„Dieser Badeanzug wird nur für dicke Mädchen produziert", sagte ich leise zu dem Mädchen, als ich auf dem Weg zurück zu meinem Platz den Sand mit den Füßen durchsiebte."

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