"Ich bin dir übrigens nie treu gewesen"

ich bin dir uebrigens nie treu gewesen h
Die Betrogene zu sein ist ein niederschmetterndes Gefühl.
Foto: iStock

Wie es sich anfühlt, betrogen worden zu sein

Eine Frau will die Wahrheit hören. Es kriselte in der Beziehung, als Tim (30) seine Freundin Annika (29) mit diesem Geständnis überrumpelte. Das Schlimmste daran: Drei Jahre Liebe waren für sie plötzlich eine Lüge.

"Dass Tim mich betrogen hat, habe ich im Auto erfahren. Auf dem Parkplatz einer S-Bahn-Station. Wir hatten ein etwas lahmes Wochenende verbracht und wollten uns gerade verabschieden. Ich hatte den Türgriff schon in der Hand, da sind wir plötzlich mitten in so einem "Entweder wir machen jetzt reinen Tisch oder wir trennen uns"-Gespräch. Ich weiß nicht, wie mir geschieht, erst recht nicht, ob ich mich trennen will. In diesen Schwebezustand hinein sagt Tim diesen einen Satz. Einen kleinen Satz. "Ich bin dir übrigens nie treu gewesen."

Ich brauche einen Moment. Während ich mir einen Parkbon anschaue, der vom Gebläse hochgepustet wird, entfaltet der Satz seine volle Wirkung. Nie. Er hat nie gesagt. Drei Jahre Beziehung werden überrollt, zermatscht, zermahlen. Nichts bleibt übrig. Selbst unser erster verliebter Sommer kommt mit unter die Räder.

Ich habe gedacht, dass ihm Treue wichtig ist

In mir steigt eine Wut hoch, die ich bis dahin noch gar nicht kannte: Wie kann er ruhig dasitzen wie ein Sachbearbeiter, während unsere gemeinsame Zeit von einem Moment auf den anderen wertlos wird. Plötzlich wird mir klar: Das ist sein Schlusswort. Er will mich loswerden. Tim weiß genau, wie ich ticke. Dass ich nach so einem Verrat gar nicht zurückkann. Und ich merke noch etwas: Was er sagt, ist wahr. Wahrer als seine vagen Andeutungen, dass er mit mir zusammenziehen will, wahrer als unsere Wochenendroutine mit Kochen, Kino und halbwildem Sex . Dabei hätte ich Tim nie zugetraut, dass er mit anderen Frauen schläft. Obwohl er ein Flirtkönig ist, habe ich gedacht, dass ihm Treue wichtig ist. Es ist, als würde ich plötzlich alles zu klar sehen. Als hätte jemand das Licht angeknipst, und ich wäre gezwungen, direkt in die Glühbirne zu schauen. Das tut sehr weh.

Plötzlich will er alles beichten

Ich bin dann erst mal raus aus dem Auto. Habe nicht auf Tims Anrufe reagiert, gar nichts. Aber nach ein paar Tagen stand er doch noch mal vor meiner Tür, kam wie zu einer Beichte. Wollte mir zum Abschluss unserer Beziehung noch einmal genau sagen, mit welcher Frau er wann Sex hatte . Aber diesmal war ich schneller und wehrte seine Wahrheitsattacke ab. Ich wollte keine Bilder in meinem Kopf, wie Tim mit anderen Frauen Sex hat, die ich vielleicht sogar kenne.

Er litt total darunter, dass er die Details bei mir nicht loswerden konnte. Ich gönnte es ihm. Ja, plötzlich wollte er reden und reden. Aber für mich kam seine Offenheit zu spät. Und sie war einfach nur lieblos. Ich habe oft darüber nachgedacht: Hätte er mir sein Fremdgehen sofort gestanden - ich hätte ihm verziehen. Aber diese Abrechnung nach drei Jahren, das war mir einfach zu viel.

Obwohl unsere Trennung schon ein Jahr her ist, kann ich über meine Beziehung mit Tim nichts Gutes denken. Und das finde ich schlimm.

Weiterlesen:

3 Dinge, die du dir niemals von einem Mann gefallen lassen solltest

Kategorien: