„Ich bin jetzt mein eigener Boss“

ich bin jetzt mein eigener boss
Traum-Karriere
Foto: Jan Brockhaus

Start in den Traum-Job

Start-up ins Glück: Trotz einer erfolgreichen Karriere warfen diese Frauen ihre Jobs hin, um einen Traum wahr zu machen. Hier stellen sie ihr Herzensprojekt vor – und sagen, warum es für sie die beste Entscheidung ihres Lebens war.

„Für den nötigen Kredit mussten wir kämpfen!“Sarah Vollmer (35) und Silke Lorenzen (37), Hotelbesitzerinnen, Berlin

„Silke, hast du den Schlüssel für die ‚Kleine Schwester‘?“ Die „Kleine Schwester“ ist ein Wohnwagen in der Halle des „verrücktesten Hotels der Welt“. So nennen die Besitzerinnen Silke Lorenzen und Sarah Vollmer ihren „Hüttenpalast“ in Berlin.

Modedesignerin Sarah und Eventmanagerin Silke – die in Berlin bekannt für ihre kulinarischen Feste waren – besitzen das erste Raum-im-Raum-Hotel weltweit. „Bei uns in Neukölln gab es kein einziges nettes Hotel. Unsere Freunde beknieten uns seit Jahren: Warum macht ihr keins auf? Ihr seid die perfekten Gastgeber!“ 2009 dachten sie erstmals: „Warum eigentlich nicht? Endlich der eigene Chef sein!“

Endlich der eigene Chef sein

Sie gingen zur Gründerberatung der IHK, schrieben einen Business-Plan. „Die IHK schlug uns unser Papier regelrecht um die Ohren“, lacht Silke. „Wir hatten von nichts eine Ahnung! Jedes Mal, wenn wir mit einem neuen Plan kamen, wurde es teurer, am Ende fehlten uns 260.000 Euro!“ Drei Banken wollten ihnen keinen Kredit geben.

„Aber wir ließen nicht locker“, erzählt Silke, „und die vierte sagte zu. Tagsüber jubelte ich vor Freude, nachts brach mir der Angstschweiß aus: so absurd hohe Schulden!“ Im Juli 2011 feierte der „Hüttenpalast“ mit einem rauschenden Fest Eröffnung. „Seitdem haben wir sehr viel mehr Arbeit für weniger Geld “, sagt Sarah. „Doch dass wir alles so gestalten können, wie es uns gefällt, wiegt es auf. Und wir sind immer ausgebucht!“

www.huettenpalast.de

„Ich verdiene doppelt so viel wie früher“Ina Mayer (25), Partnervermittlerin, München

„Das sind Lina und Paul“, erzählt Ina. Sie zeigt das Hochzeitsfoto eines jungen Paares. „Die beiden haben sich durch meinen Service kennengelernt und im Mai 2012 geheiratet.“ Seit drei Jahren vermittelt „Inas Traumdate“ Paare auf eine ganz neue Art: „Ich kenne meine Kunden persönlich und suche mögliche Partner überall. Nicht nur bei einer Singlebörse, sondern bei allen. Dazu in meiner riesigen Adressdatei, in Chatrooms, in Berufsnetzwerken – manchmal spreche ich Singles sogar beim Einkaufen an.“

Ina kam auf die Idee zur Partnervermittlung , als sie zu diesem Thema nonstop von Freundinnen gefragt wurde: Welche Singlebörse? Was für ein Profil? „Irgendwie bin ich bei diesen Themen ein Naturtalent“, lacht sie. „Warum nicht einen Job daraus machen?, dachte ich im Sommer 2009.

Vom Talent zum Job

Als Rechtsanwaltsgehilfin hatte ich null Verantwortung bei 1.300 Euro netto. Trotzdem war es schwer zu kündigen, weil mein Chef so nett war. Aber ich wollte mein Ding durchziehen!“ Schon nach einem Monat lief es gut, heute verdient sie doppelt so viel wie früher. Ab 500 Euro kosten Inas Leistungen: Profilbearbeitung oder aufwändige Suche in Chats und bei Börsen.

„Ich spreche ein echtes Bedürfnis der Menschen an. Inzwischen beschäftige ich sogar eine Mitarbeiterin.“ Über 100 Paare hat Ina bereits vermittelt, drei haben geheiratet. Nur selbst hat sie momentan keine Zeit für einen Partner: „Aber falls ich mal einen suche, weiß ich ja, wie’s geht!“

www.inas-traumdate.de

„Meine Kids brachten mich auf die Idee!“Jutta Esser (42), Internetportal-Gründerin, München

Nach 19 Jahren als Vermögensberaterin fühlte sich Jutta Esser ausgebrannt: „Ich brauchte eine Auszeit, ertrug den scharfen Wind der Finanzkrise nicht mehr.“ Während ihres Sabbaticals hatte sie dann eine zündende Idee: „Als ich einen Clown für die Feier meiner Söhne suchte, merkte ich, dass es im Netz keine gute Angebotsübersicht für Kindergeburtstage gibt.“

Jutta beschloss, ein Portal dafür zu gründen. Mütter finden auf ihrer Plattform Künstler und Locations, die gegen Gebühr dort inserieren. „Anfangs hatte ich keine Ahnung von der Materie, musste mir alles aneignen. Und mich daran gewöhnen, dass ich plötzlich von meinem Mann finanziell abhängig war.“

Sie recherchierte, besuchte Spielzeugmessen, Kinderfeste und Müttertreffs. Im März 2012 ging das Portal an den Start. „Es läuft gut – und ich habe jetzt viel mehr Zeit für meine Jungs!“

www.kindergeburtstage-muenchen.de

„Entspannung ist mein Beruf“Ela Windels (40), Sozialpsychologin und Coach, Hannover

„Als 2008 meine Babypause vorüber war, freute ich mich wieder richtig aufs Arbeiten“, erinnert sich die Online-Marketingmanagerin Ela. „Doch zwischenzeitlich hatte es einen Wechsel in der Chefetage gegeben. Mein neuer Boss ignorierte mich oder gab mir nur Idiotenjobs ohne jede Verantwortung.“

Ela fühlte immer mehr Anzeichen von Burn-out. Sie wollte mehr über das Thema wissen und nutzte ihre Freizeit für Ausbildungskurse als Burn-out-Beraterin, Entspannungstrainerin und Gesprächstherapeutin . „Immer öfter träumte ich von der Selbstständigkeit. Aber ich war zu ängstlich, die Festanstellung aufzugeben.“

Erst 2011, als der Büro-Alltag für sie unerträglich wurde, ging sie und eröffnete eine Praxis für Coaching und Stressberatung. Ein Entschluss, den sie nie bereute: „Schon im ersten Jahr hatte ich 25.000 Euro Umsatz. Existenzängste tauchen zwar immer mal auf, aber dafür habe ich den Spaß zurückgewonnen, weil ich etwas Sinnhaftes tue. Ich lebe genau das, was ich meinen Klienten rate!“

www.burnoutberatung-hannover.de

„Wir finanzierten uns über das Internet!“Sabrina Schönborn (32), und Laura Gollers (24), Gründerinnen einer Dessousfirma, Fliegenberg

Alles fing bei einem Sonntagsfrühstück an: „Meine Schwester und ich beschwerten uns, dass wir nie schöne und passende BHs jenseits Cupgröße D finden“, erinnert sich Laura. „Da sagte Sabrinas Mann Christian: ‚Hört auf zu jammern, macht es doch selbst!‘“

Wirtschaftspsychologin Sabrina und Kulturwissenschaftlerin Laura fanden die Idee reizvoll, waren sich aber auch unsicher: „BHs für kurvige Frauen. Braucht das jemand außer uns?“

Das nötige Kleingeld besorgen

Im Mai 2011 nahmen sie, um die Idee zu testen, an einem Start-up-Wettbewerb teil. „Wir belegten den ersten Platz! Unzählige Frauen im Publikum jubelten und sagten, dass auch ihnen nie ein BH passt. Da wussten wir: Wir sind auf dem richtigen Weg!“ Im Dezember kündigten beide ihren Job bei einer Internetfirma.

„Wir hatten dort viel gelernt – zum Beispiel, wie man an Geld kommt.“ Die Schwestern sammelten im Februar 2012 satte 100.000 Euro Gründungskapital: „Als wir unsere Idee auf die Investoren-Plattform ,Seedmatch‘ einstellten, brachen wir einen Rekord: In vier Stunden hatten wir das Geld zusammen! Gemeinsam sind wir eben unschlagbar!“

www.sugarshape.de

„Mein Traum war mir 10.000 Euro wert“Jennifer Brei (31), Systemischer Coach, München

Schon als Studentin betreute Jennifer leidenschaftlich interkulturelle Projekte, eine Karriere als Wissenschaftlerin für Kunstgeschichte und Islamwissenschaften schien ihr damals das Richtige zu sein. Doch zum Uni-Abschluss 2010 wurde sie ungeplant schwanger.

„Ein K.-o.-Kriterium, wenn man die erste feste Stelle sucht! Beim Jobben in einer Unternehmensberatung kam ich erstmals mit Coaching und Personalentwicklung in Berührung. Das war genau mein Ding! Menschen helfen, dabei frei und selbstbestimmt sein und Zeit für mein Baby haben!“

Mutterschaft und Karriere kombinieren

Jennifer warf ihren Lebensplan um. Statt nach der Geburt Hausfrau zu werden, setzte sie all ihre Energie und 10.000 Euro Erspartes ein, machte abends die Ausbildung zum Business Coach sowie Human-Resources-Manager und gründete eine eigene Firma, die vor allem Unternehmen in den Bereichen Kommunikation und Verbesserung der Arbeitsprozesse coacht.

Nebenbei berät sie auch Privatpersonen, insbesondere junge Mütter liegen ihr am Herzen. „Kurz nachdem Emily da war, kam der Anruf von meinem ersten großen Kunden, von da an ging’s bergauf.“

www.miss-business.de

„Ich stecke jeden Cent in die Firma“Daria Saharova (29), Online-Unternehmerin, München

„Ein Schlüsselerlebnis hatte ich, als ich kurz vor einem Businessmeeting eine Laufmasche entdeckte. Ich hastete in einen Supermarkt, wurstelte auf der Toilette die neuen Strümpfe hoch und seufzte: Warum gibt es eigentlich kein Strumpf-Abo für Frauen, sodass man immer welche parat hat?“

Die Idee ließ die Investmentbankerin Daria nicht los. „2010 gründete ich Bellegs. Hochwertige italienische Strümpfe ab 5,90 Euro kommen regelmäßig per Post zu meinen Kundinnen nach Hause.“ Beruflich hatte sie schon einige Start-ups beraten, wusste also, was auf einen zukommt. Das machte es ihr leichter, ihre Stelle 2010 zu kündigen.

Viel Zeit und Geld

„Trotzdem war ich etwas unsicher. Ist ein Online-Store mit Strumpfhosen-Abo wirklich eine Idee, auf die ich meine Zukunft setzen soll?“ Daria fragte Fachleute und Investoren. „Die waren euphorisch – und einige steckten gleich selbst Geld in Bellegs.“ Doch erst mal ging alles schief. „Die Programmierer bauten Mist, die Site sah schlimm aus, nichts funktionierte.“

Erst im Frühjahr 2011 konnte sie loslegen. Dann aber richtig. 12 Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Derzeit verdient nur Darias Angestellte, weil sie selbst jeden Cent in die Firma steckt. „Deshalb arbeite ich momentan noch frei­beruflich als Beraterin.“

www.bellegs.de

„Gesund essen ist vielen zu stressig“Astrid Purzer (40), Gründerin eines Detox-Lieferservice, München

„Wir Frauen wissen alle, wie man sich gesund ernährt“, meint Astrid Purzer und lacht: „Wir kommen nur nie dazu!“ Als sie noch in einer Führungsposition im Marketing arbeitete, ging es ihr selbst so: Kantine, Fast Food, abends zu müde zum Gemüseschnippeln.

„Auf Geschäftsreisen stellte ich fest, dass in London und L. A. gesunde Ernährung viel einfacher ist als bei uns: Detoxen, Raw-Food und frisch gemixte Säfte sind dort ein Megatrend!“ Bei einer Ayurvedakur mit ihrem Mann reifte in Astrid die Idee, den ersten Detox-Service in Deutschland anzubieten. Wieder zurück kündigte sie 2009 ihren Job.

Von der Managerin zur Mini-Unternehmerin

„Es war ein Riesenschritt! Von der Managerin zur Mini-Unternehmerin, die die Tüten selbst packt. Wir investierten rund 60.000 Euro in Entwicklung, Experten und Design.“ Im September 2009 ging Detox Delight online. Eine Fünf-Tages-Kur kostet ab 250 Euro – jede Ration wird täglich frisch zubereitet und geliefert.

„Es schlug wie eine Bombe ein: Ganze Büroetagen wollten gemeinsam kuren! Wir arbeiteten rund um die Uhr.“ Heute, drei Jahre später, hat sie 25 Mitarbeiter in fünf Filialen weltweit und Umsätze im Millionenbereich. „Ich glaubte immer daran, dass es läuft. Schließlich war ich meine eigene Zielgruppe!“

www.detox-delight.de

Gesundheit: Bleiben Sie fit mit SHAPE Online >>

Karriere: Alles rund um den Job auf COSMOPOLITAN Online >>

Kategorien: