Ich bin schön! Wie Sie lieben, wie Sie sind

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Makellose Beine? Haben doch die wenigsten. Also die eigenen ruhig in einem wohlwollenderen Licht betrachten.
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Das ist schön an mir!

Wie man seine Vorzüge erkennt, am besten in Szene setzt und aus voller Überzeugung sagen kann: "Ich bin schön!". Und warum es gerade die kleinen Schönheitsfehler sind, die uns für andere attraktiv machen.

Manchmal würden wir am liebsten mit einem Schuh nach unserem Spiegelbild werfen oder ihm wütend die Zunge rausstrecken. Weil es uns erbarmungslos die Falten auf der Stirn und die blauen Äderchen an den Beinen vor Augen hält, statt nur unsere schmale Taille und schönen Haare zu zeigen. Warum der Blick auf uns selbst oft zu kritisch ist und wieso wir trotzdem viel mehr schöne Seiten haben, als wir denken, erklären wir hier.

Warum zweifeln wir so oft an uns?

Meist ist der Wunsch nach Perfektion der Grund dafür, dass wir uns häufig nicht wohl in unserer Haut fühlen. Statt auf die süße Stupsnase, den Knack-Po oder bildschöne Hände stolz zu sein, lassen wir uns von ein paar Dellen am Oberschenkel den Tag vermiesen. Schuld daran ist ein Mangel an Selbstwertgefühl . Was nicht bedeuten soll, dass wir keines besitzen, aber: "Oft lässt der Vergleich mit anderen den Selbstwert plötzlich schrumpfen", sagt Schönheitsforscher Ulrich Renz. Unsere "Krautstampfer" erscheinen uns also vor allem dann als besonders unansehnlich, wenn wir die schlanken, durchtrainierten Beine anderer Frauen sehen.

Dass wir zu Selbstzweifeln neigen , ist fieserweise biologisch in uns angelegt. Frauen, die einfach sagen: "Ich bin schön!"? Eher selten! Denn sie verfügen über wenig Testosteron - das scherzhaft auch das "Überschätzungs-Hormon" genannt wird. Denn es sorgt bei Männern dafür, dass sie sich und ihr Aussehen seltener in Frage stellen.

Haben wir einen verzerrten Blickwinkel?

Wenn wir in den Spiegel schauen, sehen wir uns nicht aus derselben Perspektive wie jemand, der uns gegenübersteht, sondern, na klar, spiegelverkehrt. Und obwohl das trivial klingt, spielt es eine große Rolle beim Blick auf uns selbst. Deshalb kommen wir uns auch oft auf Fotos fremd vor - in diesem nicht gespiegelten Zustand sehen wir uns ja sonst nie.

Außerdem ist unser Blick in den Spiegel eine Art Tunnelblick. Wir konzentrieren uns dabei extrem auf uns selbst - starren endlos auf Details. Aber genau das verzerrt die Wahrnehmung eher, statt sie zu schärfen. Denn niemand sonst nimmt uns mit so einer kritischen Fixiertheit wahr. Andere beziehen mit ein, wie wir sprechen, wie wir gehen, wie wir lachen ... Kleine Pickel oder Speckpölsterchen fallen da gar nicht oder kaum ins Gewicht. In der Sozialpsychologie heißt dieser Wahrnehmungsfehler übrigens "Rampenlichtillusion". Wir glauben, von Kollegen und Freunden so betrachtet zu werden, als wäre immer ein Lichtkegel auf uns gerichtet. Dabei sind andere Menschen meist viel mehr mit sich selbst und ihren eigenen Fehlerchen beschäftigt.

Sehen wir an manchen Tagen besser aus?

Es klingt ein bisschen seltsam, aber: Unser Aussehen ist tatsächlich von unserer Tagesform abhängig. Freuen wir uns morgens zum Beispiel auf den Tag, weil abends ein tolles Essen mit Freunden ansteht, sieht man uns das an. Und man findet schneller: Ich bin schön! "Zufriedenheit bringt Glanz in die Augen und macht sogar die Haut straffer", bestätigt auch Schönheitsforscher Renz. Das liegt an unserer mimischen Muskulatur, die sich bei Freude und Zufriedenheit anspannt. Und wer frisch verliebt ist, befindet sich ohnehin in einer Art Glücksrausch, der sich total positiv auf das Aussehen auswirkt.

Aber auch Unzufriedenheit spiegelt sich in unserem Gesicht wider - und zwar in unserer Augenbrauen-Position. Die unterscheidet sich dann zwar nur minimal vom Normalzustand - das lässt uns aber trotzdem weniger attraktiv wirken.

Warum machen kleine Makel uns attraktiver?

Unser Streben nach vollkommener Schönheit ist überhaupt nicht nötig. Denn: "Studien zeigen, dass Makellosigkeit immer auch als kühl wahrgenommen wird und Perfektion das Gefühl vermittelt, dass da etwas nicht ganz echt sein kann. Ein kleiner Makel lässt den Menschen dagegen wärmer und sympathischer erscheinen", so Attraktivitäts-Experte Renz.

Außerdem sind Segelohren oder Zahnlücken wahre Blickfänger. Ihre Einzigartigkeit zieht Aufmerksamkeit auf sich und bleibt beim Gegenüber besonders stark im Gedächtnis. Nicht umsonst also haben Topmodels heute oft nicht mehr diese perfekte Claudia-Schiffer-Optik, sondern auch gern mal Ecken und Kanten - und dadurch eine super Ausstrahlung . Julia Stegner (hat einen leicht schiefen Mund), Lara Stone (mit prägnanter Zahnlücke) oder Gisele Bündchen (bekannt für ihre markante Nase) sind nur einige der vielen wunderschönen Frauen, die nicht trotz, sondern wegen ihrer Mini-Makel so erfolgreich sind.

Und genau daran sollten wir immer denken, wenn uns unser Spiegelbild mal wieder auf dem falschen Fuß erwischt. Denn nur wenn wir uns selbst mit weniger strengen Augen sehen, können wir all das erkennen, was schön an uns ist. Und das ist wirklich eine ganze Menge!

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