Ich liebe dich trotzdem

ich liebe dich trotzdem
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Foto: Privat

Beziehungs-Report

Wir alle haben genaue Vorstellungen, wie der Mann, mit dem wir unser Leben teilen, sein soll. Dass sich auch ein „Mängelexemplar“ als Glücksgriff erweisen kann, wissen diese acht jungen Frauen.

„Raucher, Glatze, Workaholic – das Gegenteil vom Idealmann“

Jasmin (22), Studentin, und Daniel (25), Unternehmensberater

Als ich Daniel das erste Mal sah, wäre ich am liebsten gleich wieder aus dem Restaurant gelaufen!“ Jasmin, Studentin der Fitness-Ökonomie, hatte Daniels Foto im Profil ihres besten Freundes auf StudiVZ entdeckt.

Er gefiel ihr sofort: „Ohrring, gestylte Haare, gut trainiert. Ein bisschen metro, optisch mein Ideal!“ Jasmin ließ sich zu ihm verlinken und begann, mit Daniel zu chatten. Das erste Thema war eher profan: Sie fragte den Unternehmensberater um Rat, ob sie für eine selbstständige Nebentätigkeit ein Gewerbe anmelden solle.

Als Dankeschön lud sie ihn zum Essen ein. Jasmin erinnert sich: „Im Juni 2009 stand er im Berliner ‚Little Italy‘ zum ersten Mal leibhaftig vor mir: Glatze, Schnauzbart, kein Ohrring, blass, Bäuchlein und im Anzug. Ich hasse Glatze, Schnäuzer und Anzugträger. Zu allem Übel zündete er sich sofort eine Zigarette an und erzählte mir, er sei Workaholic.

„Das volle Grauen!“ Für Nichtraucherin Jasmin war Daniel als potenzieller Partner durchgefallen. „Mir war es egal, es war ja kein Date, ich war ihm ein Dankeschön schuldig. Doch es wurde schnell mehr, wir sprachen dann auch über private Dinge und entdeckten dabei, dass wir einen ähnlichen Humor haben. Plötzlich bemerkte ich, wie umwerfend sein Lächeln ist – und dass er wunderschöne Augen hat.“

In den Tagen danach mailten und telefonierten die beiden, zwei Wochen später kam das erste „richtige“ Date – bei dem sich Jasmin restlos in Daniel verknallte. Sie hat es nie bereut: „Er raucht heute nur noch wenig, gibt sich in allem besonders Mühe. Auch beim Sex. Er ist der erste Partner, den ich bisher hatte, mit dem ich mir Kinder vorstellen kann. Es ist eben doch nicht immer der erste Eindruck, der zählt!“

„Eigentlich stehe ich auf Cabrio-Fahrer Marke Ronaldo“

Isabell (24), Marketingkauffrau, und Thomas (33), Agenturbesitzer

Thomas wurde 2007 mein Teamleiter, wir saßen in einer Bürogemeinschaft“, erzählt Isabell aus Stuttgart. „Bis dahin stand ich auf D&G-Träger, knackige, südländische Typen à la Ronaldo.“ Alles das, was Thomas nicht ist.

„Ich fand ihn zu blond, zu alt, zu dick, zu ostdeutsch“, lacht Isabell. „Aber er wurde ein guter Kumpel.“ Nach acht Monaten passierte etwas Seltsames: „Auf einer Büroparty knutschte eine Kollegin mit Thomas. Mich störte das total. Da merkte ich, dass ich mich verknallt hatte!“

Sie nahm ihn zur Seite und sagte ihm, wie weh es ihr getan hatte, ihn mit einer anderen Frau zu sehen. Die Folge? „Wir übernachteten dann gemeinsam – im Büro!“ Im Dezember 2008 läuteten die Hochzeitsglocken, heute haben sie zwei Kinder und Isabell weiß: „Thomas ist der beste Papi der Welt!“

„Er war für mich nur so ein Anzug-Schnösel“

Andrea (28), Fotografin, und Steffen (33), Personal Trainer

Steffen war der erste Mann, den Andrea im Studentenheim kennenlernte, als sie 2005 in Nürtingen Stadtplanung studierte. „Ich klopfte bei meinem Nachbarn, um mich vorzustellen. Er studierte International Finance, trug Anzug und Krawatte. ,Na, super‘, dachte ich. ‚Mister Schnösel‘.“ Die beiden fanden erst keinen Draht zueinander, aber einen Monat, eine Wohnheimparty und eine Flasche Wein später wurden sie doch Freunde.

„Ich habe eine Leidenschaft für Zeichentrickfilme! Dass er alle Disney-DVDs hatte, imponierte mir – von da an trafen wir uns öfter zum DVD-Schauen.“ Für ihr Praxissemester 2006 musste Andrea dann nach Heidelberg und der Kontakt brach ab. „Als ich nach sechs Monaten wieder zurück ins Wohnheim kam, stand er da: Tanktop, Jeans, braungebrannt … Ich war begeistert.

Und obwohl am nächsten Tag wieder Anzug angesagt war, sah ich ihn nun mit anderen Augen.“ Sie trafen sich, guckten Filme, er hatte den Espresso und sie die Maschine. „Es prickelte ganz schön. Am 23.11.2006 hatten wir das erste Mal Sex!“ Anfangs ging es nur um den Spaß, „aber schon nach ein paar Tagen gestand er mir plötzlich seine Liebe. Ich war … überwältigt. Inzwischen leben wir zusammen, wollen heiraten und Kinder.“

„Das Mama-Söhnchen bringt mich nicht in Gefahr, dachte ich …“

Jeannette (23), Sales-Assistant, und René (23), Student

Als die Wienerin Jeanette 2009 im Rahmen ihres Tourismus-Studiums plante, ein Jahr in den Staaten zu bleiben, hatte sie noch einen anderen Hintergedanken: „Dort gibt es die besten Männer – dachte ich. Ich bin süchtig nach dunklen Wuschelhaaren und großen, selbstständigen Machertypen, und von denen wimmelt es in Florida.

Ich war schon mal zum Jobben dort, nun wollte ich ganz hin.“ Wenige Wochen vor ihrer Abreise lernte sie zufällig René auf Facebook kennen: „Wir schrieben uns in immer kürzeren Abständen. Er war sehr süß, aber ich wollte mich natürlich nicht verlieben! Meine große Reise stand ja bevor. Außerdem hat René keine Wuschelhaare, ist nur 1,71 m groß und wohnte noch bei Mami.

Ich dachte echt nicht, dass mein Herz in Gefahr war, als ich ihn kurz vor meiner Abreise noch besuchte.“ Denn kennenlernen wollte Jeanette ihn dann doch, „um zu sehen, wie er in Wirklichkeit ist“. Sie fuhr zu René nach Stuttgart.

„Am 30. August 2009. Am 31. bin ich zurück nach Wien, packte meine Sachen und bin bei seinen Eltern eingezogen. Es hat einfach gefunkt. Die USA sagte ich ab. Und auch die Florida-Typen können mir heute gestohlen bleiben, René ist definitiv Heiratsmaterial!“

„Sein Sächsisch war so arg – ich konnte ihn nicht ernst nehmen!“

Romana, Grafikerin (26), und Chris (24), Student

Chris spricht so schlimm sächsisch, dass ich ihn anfangs kaum verstanden habe!“ Romana lernte Chris Ende 2009 in Nürnberg kennen – pikanterweise über ihren Exfreund. „Seine ersten Worte lauteten: ,Ja dü bist das, von düa hab isch schon vül gehört!‘ Ich rollte die Augen nach oben!“

Er aber flirtete Romana hemmungslos an! „Anfangs musste ich ständig über ihn lachen – ich konnte ihn einfach nicht ernst nehmen. Obendrein ist er zwei Jahre jünger als ich. Kurz: Ich hatte null Interesse.“

Aber Chris ließ nicht locker. Selbstbewusst meldete er sich trotz mehrerer Körbe beständig und ließ sich immer etwas Neues einfallen.

„Er hat mich in den Zoo entführt, zum Picknick, ein Hochseilgarten-Abenteuer arrangiert, Sushi gemacht. Und irgendwann fing ich an, ihm zuzuhören. Da merkte ich, was für ein verständnisvoller, reifer Mensch Chris ist.“ Nach zwei Monaten kamen sie zusammen. „Und inzwischen finde ich sogar seinen Dialekt total süß!“

„Ich war die Partymaus, er ging zu Lesungen“

Jasmin (28), Catering-Unternehmerin, und Benjamin (28), Versicherungskaufmann

Ben und Jasmin kannten sich als Kinder, verloren sich aber aus den Augen, auch weil Ben nach Hamburg zog. 2007 sahen sie sich – arrangiert von den Müttern, die gut befreundet sind – in ihrer Heimat Hamm wieder. „Ben war nicht mein Typ. Ich stehe auf sportliche Männer in stylischen Klamotten.

Er ist der Intellektuelle, geht auf Lesungen, während ich gerne durch die Nacht tanze.“ Ben jedoch war hingerissen von der erwachsenen Jasmin. Als seine Mutter im Frühjahr 2008 plötzlich erkrankte, bat er Jasmin, ihm beizustehen. „Wir brachten seine Mutter ins Krankenhaus. Seine Fürsorglichkeit rührte mich. Und als ich mal ganz beiläufig die Hand auf seine Schulter legte, war da plötzlich ein erotisches Knistern!

Über Nacht blieb er bei mir. Da fand ich ihn schon gar nicht mehr so spießig. Trotzdem war ich unschlüssig.“ Ben ließ nicht locker, schickte Briefe und kleine Aufmerksamkeiten. „Im Mai  2008 lud ich ihn zu meinem Geburtstag ein – er half sogar bei der Vorbereitung.

Wir küssten uns und ich gab den Widerstand auf.“ Im Februar 2009 zog Jasmin zu Ben nach Hamburg, seit Mai 2010 sind sie verlobt. „Heute weiß ich, wie sehr ich mit meinem ersten Urteil danebenlag: Er strahlt die Ruhe und Sicherheit aus, die mir fehlen, dafür habe ich die Emotionalität und Spontaneität, die er braucht.“

„Ich träume von Hochzeit – für ihn ist das der Horror“

Tanja (27), Studentin, und Lennart (24), Student

Seit Tanja klein war, hatte sie einen großen Traum: eine Hochzeit in Weiß. Für sie war es undenkbar, mit einem Mann zusammen zu sein, ohne dass dieses Ziel am Ende steht. „Als ich aber Lennart über eine gemeinsame Bekannte im März 2009 in Wolfsburg kennenlernte, sagte er mir sofort, dass er keine konventionelle Beziehung wolle, die auf etwas hinarbeite und schließlich in einer Hochzeit ende“, erzählt Tanja.

„Man könne genauso glücklich sein, wenn man alles auf sich zukommen lasse und jeden Tag, den man miteinander verbringen könne, schätze. Eine eifersuchtsfreie Beziehung, in der Ehrlichkeit selbstverständlich sei. Das war erst mal nichts für mich.“ Aber vergessen konnte sie Lennart auch nicht. Ein paar Monate später machte er eine Reise nach Mittelamerika – und Tanja wurde diejenige, mit der er via Skype seine Eindrücke teilte.

Trotz der Entfernung „sahen“ sie sich oft und mochten sich täglich lieber. Gleich nach seiner Rückkehr besuchte er sie, dann sie ihn und er sie … „Es war so wunderschön und romantisch, ich ließ mich einfach darauf ein. Ich habe ja nichts zu verlieren – und wer weiß, vielleicht ändert er seine Meinung übers Heiraten ja noch.“

„Ein Kind, eine Ex und zehn Jahre zu alt“

Anne (27), Kommunikationsreferentin, und Christian (41), Dummy Technician

Wir trafen uns im März 2010 über eine Singlebörse“, erzählt Anne, „nicht romantisch, aber wirkungsvoll!“ 36 Jahre stand in Christians Profil – eigentlich über der Obergrenze von Annes Beuteschema. „Im Restaurant war ich dann enttäuscht: Sein Foto war offensichtlich schon vor langer Zeit entstanden.

Dann sagte er mir auch noch, dass er getrennter Papa sei.“ Trotzdem merkte Anne, dass sie auf einer Wellenlänge liegen. „Wir mögen dieselbe Art von schrägem Humor. Aber der Kopf sagte Nein. Ich verabschiedete mich mit: ‚Nett war’s!‘ Für immer – dachte ich.“ Aber Christian ließ nicht locker, überredete sie zu einem zweiten Treffen.

„Er sagte, er müsse mir ein großes Geheimnis mitteilen. In mir begann es zu kribbeln. Ob er sich in mich verliebt hatte? Als wir uns wiedersahen, beichtete er mir sein wahres Alter: 41! Aber da wusste mein Kopf schon, dass er mein Herz erobert hatte.“

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