„Ich liebe mich!“

ich liebe mich

Nicht perfekt, aber glücklich

Diese sieben JOY-Leserinnen haben eins gemein: Sie sind nicht perfekt – aber glücklich! Uns erzählen sie, wie sie es geschafft haben, an ihren Schwächen nicht zu zerbrechen, sondern sie in Stärke zu verwandeln.

„Früher kämpfte ich ständig um Größe 36 – heute jobbe ich als Model!“

Katharina (23), Rechtsanwaltsgehilfin und Plussize-Model

Bist du heute schon im Fitnessstudio gewesen ? Was hast du heute gegessen? Was, schon wieder Schokolade ?“ Fragen wie diese musste sich Katharina von ihrem damaligen Freund andauernd anhören.

„Wir kamen zusammen, als ich 16 war. Ihn störte mein Bäuchlein, das ich zusammen mit der üppigen Oberweite in der Pubertät bekommen hatte. Er sagte mir nonstop, dass ich abnehmen solle. Als Kind war ich immer schlank gewesen, doch zu diesem Zeitpunkt wog ich 70 Kilo bei 1,76 Metern – und ich litt selbst darunter, setzte mich unter Druck.“

Zehn Kilo weniger schaffte Katharina durch Sport und Diät , doch dann stagnierte die Gewichtsabnahme. „Mein Freund stresste mich immer weiter: ,Du bist doch nur zu faul, für eine schöne Figur zu kämpfen‘, lautete sein ewiger Vorwurf. Das ging drei Jahre lang so und wurde für mich immer mehr zur Belastung!"

„Den richtigen Mann finde ich auch noch“

„Glücklicherweise habe ich sehr liebe Eltern, die mir stets sagten, dass ich wunderbar sei, so wie ich bin. Sie schafften es, mir klarzumachen, dass mein Freund spinnt. Mich gar nicht wirklich liebt, sondern nur ein absurdes Idealbild einer Frau in seinem Kopf hat. Eines Tages – ich hatte gerade wieder drei Kilo zugenommen und er sich besonders bescheuert aufgeführt – stand ich zufällig in Unterwäsche vorm Spiegel. Ich schaute mich an, drehte mich hin und her und dachte: ,Was soll denn das? Ich bin doch schön!‘ Ich war sogar mit 70 Kilo schön!“

Katharina entschloss sich, der Quälerei endgültig ein Ende zu bereiten und zu ihrer Figur zu stehen. Von diesem Tag an aß sie, was ihr schmeckte. Sie warf den Freund raus – und gewann ihre Lebensfreude zurück! „Es war die richtige Entscheidung. In dem Moment, wo ich aufhörte, mir ständig Gedanken über meine Makel zu machen, verschwanden diese wie von selbst!

Meinen Kollegen in der Kanzlei, wo ich als Rechtsanwaltsgehilfin arbeite, ist es völlig gleichgültig, ob ich zehn Kilo mehr oder weniger wiege, und dem Mann von der Modelagentur, der mich vor zwei Jahren ansprach, war es das auch. Seitdem jobbe ich nebenbei gelegentlich als Plussize- Model , mache Mode- und Wäsche-Shootings für Kataloge!

Und den richtigen Mann finde ich auch noch, davon bin ich fest überzeugt. Zwar lerne ich immer mal wieder einen Typen kennen, der ein Problem mit meiner Figur hat. Aber ganz ehrlich: Solche Idioten brauche ich nicht mehr!“

„Er nannte mich Zwerg Nase!“

Inna (29), Dipl.-Pädagogin

Als sie ihren ersten Freund kennenlernte, begann Innas Leidensweg: „Damals war ich schon fast 18 und nahm den ersten, der mich wollte. Von Anfang an nannte er mich ,Zwerg Nase‘ und machte sich lustig über mein Äußeres. Bald bildete ich mir ein, dass sich andere Menschen auch über meine Nase und meine Größe, ich bin nur 1,54 m, amüsierten. Meine wachsenden Komplexe brachten mich dazu, überall Gespött zu hören.“ Inna fand sich immer hässlicher.

„Irgendwann ging ich nicht mehr aus, schirmte mich ab, hockte nur noch vorm Fernseher. Nachts konnte ich nicht schlafen, in der Schule ging es bergab.“ Damals halfen ihr die Liebe ihrer Eltern und Gespräche mit der besten Freundin. „Sie drängten mich, meinen Freund in den Wind zu schießen. Das war der entscheidende Schritt. Ich suchte mir ein komplett neues Umfeld, ging zum Pädagogik-Studium von Duisburg nach Mülheim, begann noch mal bei Null – und merkte, dass meine angebliche Hässlichkeit vor allem ein Gespenst in meinem Kopf war.“

Innas Tipps für dunkle Tage: „Rausgehen, mit Menschen reden, andere Geschichten hören – das relativiert vieles!“ Vor einem Jahr traf Inna so ihren Traummann : „Er ist superlieb und findet meine markante Nase einfach sexy!“

„Meine Mutter lud ihren ganzen Frust bei mir ab – und verwöhnte meine Schwester“

Jana (29), Fotografin

Abgeschoben ins Kinderheim – weil die Eltern sich trennten. Jana aus Berlin durchlebte eine schwere Kindheit. „Ich war das schwarze Schaf der Familie. Die Ehe zwischen meinem Vater und meiner Mutter stand vor dem Scheitern und meine Mutter projezierte die ganze Wut, die sie auf meinen Vater hatte, auf mich.

Meine große Stiefschwester, die von ihrem ,guten‘, ersten Ehemann war, hatte keinen Ärger. Aber ich musste mir jedes Extra durch Putzen verdienen. Gleichzeitig durfte ich mir ständig anhören, wie dumm ich sei. Ich war schüchtern, dünn, fand mich hässlich und wertlos.“

Die Streitereien daheim wurden immer schlimmer, bis sie es nicht mehr aushielt und ausbüchste. Damals war sie elf. Über das Jugendamt bekam sie einen Heimplatz – die Mutter war einverstanden.

„Das war der Tiefpunkt, ich fühlte mich verstoßen. Aber im Heim blühte ich schnell auf, fand nette Freundinnen – und meine Passion: die Fotografie! Ich begann, Bilder von den Mädels zu machen, und lernte so, Menschen mit anderen Augen zu sehen. Später bekam ich einen Job bei einem Modemagazin. Ich wurde zu dem, was ich heute bin, stark und erfolgreich – und glücklich: Vor zwei Jahren lernte ich meinen Verlobten Marcin kennen, mit dem ich in Berlin lebe. Wir heiraten bald! Und meiner Mutter konnte ich mittlerweile verzeihen, wir treffen uns sogar hin und wieder!“

„Ständig fraß ich alles in mich hinein. Bis ich anfing zu kotzen!“

Denise (26), Firmeninhaberin

Es fing mit 15 an: die erste Diät . Ich fühlte mich mollig – völlig idiotisch, denn ich wog bei 1,65 m nur 53 Kilo!“ Für Denise war es der erste Schritt in ihre Krankheit: Bulimie.

„Heute weiß ich, dass das Hauptproblem war, dass ich nie sagen konnte, was mich wirklich bedrückte. Ich schluckte meine Selbstzweifel lieber herunter, weil ich allen gefallen wollte – und weil ich meine Mama, alleinerziehend mit drei Kindern , nicht belasten wollte. Sie besprach all ihre Probleme mit mir – aber ich meine nicht mit ihr! So fing ich an, lieber zu kotzen, als die Dinge offen anzusprechen!“

Nach und nach bestimmte die Bulimie Denises Leben, sie nahm dramatisch ab, wog mit 16 Jahren nur noch 39 Kilo. „Niemand bemerkte es anfangs, es waren zuerst kleine Anfälle.“ Vor allem wenn Denise sich belastet fühlte, kotzte sie sich wortwörtlich aus. „Ich fühlte mich danach so gut, befreit von allen Sorgen und Problemen. Später wurde das Erbrechen zur Qual, da die Attacken immer schlimmer und häufiger wurden. Auch war mir die Gefahr bewusst, an Bulimie sterben ja viele Frauen!“

Denise brach die Schule ab, weil sie sich nicht mehr konzentrieren konnte. „Als ich 18 war, merkte meine Mutter, was mit mir los war, und schickte mich sofort zum Arzt !“ Der überredete sie zu einer Therapie. Es war ein langer Weg mit vielen Rückfällen, aber seit drei Jahren ist Denise nun anfallsfrei.

„Am meisten hat mich dabei gestärkt, dass ich mich mit meiner kleinen Promotionfirma selbstständig machen konnte. Ich habe durch die Therapie endlich gelernt, meinen Körper zu lieben und mich um ihn zu kümmern – und auch, Nein zu sagen und klar auszudrücken, was mich stört. Interessanterweise werde ich viel besser angenommen als damals, als ich es allen recht machen wollte. Heute kann ich sagen: Ich bin ein rundum glücklicher Mensch.“

„Ich wollte immer gesund und gebräunt aussehen – und bekam davon Krebs!“

Tanja (36), Medizinische Fachangestellte

Feuerwehr, Pumuckel, Kupferkopf – es gibt kein dämliches Wort für ,rothaarig‘, das ich mir früher nicht anhören musste. Ich habe meine roten Haare und meine weiße Haut gehasst.“ Tanja wollte unbedingt einen „gesunden“ Teint haben. „Ich habe Selbstbräuner benutzt, Karotin, alles, was es gab. Bereits mit 16 lag ich viermal die Woche im Solarium, nur damit meine weiße Haut ein bisschen gebräunt aussah.“

Im April 2008 entdeckte sie ein Muttermal an ihrem Bein, ging zum Arzt. Die schockierende Diagnose: malignes Melanom, ein bösartiger Hauttumor. „Man kann davon ausgehen, dass ich dafür durch die vielen Stunden im Solarium selbst verantwortlich war. Wenn der Krebs nur zwei Monate später entdeckt worden wäre, wäre ich jetzt tot!“

Der Tumor aus dem Bein wurde entfernt, später einer aus dem Arm. Dazu verlor sie ihren Job in einem Labor in Kaiserslautern. „Tiefer als das Loch, in das ich gefallen bin, kann keines sein. Ich bekam schwerste Depressionen!“

Ihr jetziger Mann Michael, 34, hat sie damals aufgerichtet. „Fast zeitgleich mit der Diagnose entschlossen wir uns zu heiraten . Mein Mann und eine Therapeutin holten mich aus der Depression. Langsam begriff ich, was für ein kostbares Geschenk das Leben ist. Ich freue mich heute über jeden Tag! Und über meinen Körper, der so viel mitgemacht hat. Im Februar hatte ich noch eine OP – ich bin sicher, es war die letzte!“

„Ich dachte, es sei Liebe, sagte Ja – und landete in der Hölle!“

Julia (23), TV-Produzentin

Das Jahr 2009 hatte es für Julia, selbstständige TV-Produzentin aus Leipzig, wirklich in sich: „Ich bekam zu Silvester einen Heiratsantrag, heiratete am 26. Juni 2009 – und erkannte kurz danach, dass es eine extrem dämliche Idee war.“ Seit Anfang Januar ist sie wieder getrennt.

Julia weiß bis heute nicht, was sie dazu getrieben hat, relativ überstürzt zu heiraten: „Ich sagte Ja, als meine rosarote Brille mal wieder besonders beschlagen war. Wir kannten uns gerade ein Jahr, und da mein Mann Berufssoldat war, hatten wir kaum Zeit miteinander verbracht. Nach und nach merkte ich, dass er nicht nur im Job Soldat war, sondern auch daheim. Zack, zack, Marsch, Marsch – dazu war er sehr herablassend.

Wenn er da war, hatte ich das Gefühl , nicht mehr atmen zu können, so vergiftet war die Atmosphäre. Ich musste da einfach raus! Dennoch war es schrecklich, denn alle haben mich vor der überstürzten Hochzeit gewarnt, und es fiel mir schwer, ihnen recht zu geben. Dazu fühlte ich mich wie eine Versagerin, gerade mal 23 und schon eine Ehe in den Sand gesetzt.

Ich schämte mich. Aber gleichzeitig wusste ich: Da musst du jetzt durch und allen zeigen, dass du für deine Fehler geradestehst. Denn hätte ich Schwäche gezeigt, hätte mein Mann bestimmt gedacht, dass ich noch auf ihn stehe …“

Bereits eine Woche nach der Trennung suchte sich Julia eine neue Wohnung. „Es hat mir enorm viel Kraft gegeben, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen: ausmisten, einpacken – als ich damit fertig war, fühlte ich mich frei. Jetzt nutze ich gerade einen zweimonatigen Auftrag von BMW in Lissabon, um wieder die starke, selbstständige Single -Jule zu werden, die ich früher immer war. Fehler macht man eben – das Wichtige dabei ist nur, dass man sich selbst verzeihen kann!“

„Man hat mich gemobbt, veräppelt und für doof erklärt!“

Sarah (25), Ergotherapeutin

Es war die Ausbildung, die sie sich erträumt hatte, und Sarah war stolz, den Ausbildungsplatz zur Ergotherapeutin in Leipzig bekommen zu haben – doch dann begann das Mobbing: „Ich war die Einzige, die ,nur‘ einen Realschulabschluss besaß. Alle anderen hatten Abi oder sogar ein Diplom. Deshalb wurde ich von Anfang an gedisst.“

Sarah erinnert sich mit großer Wut an diese Zeit: „Niemand wollte mit mir Gruppenarbeiten erledigen, es wurde gelacht, wenn ich Fragen an den Dozenten stellte, und bei Unternehmungen, die die Klasse plante, wurde ich nicht eingeladen . Wenn ich Referate hielt, quatschten alle, lackierten sich die Nägel oder stellten sich schlafend.“

Sarah wurde als kindisch, unreif, unerfahren und unkompetent beschimpft – und das von genau den Mitstudenten, die wie 12-Jährige Sarahs Materialien bemalten oder versteckten.

„Ich wurde immer unsicherer, fühlte mich irgendwann wirklich dumm, schrieb nur schlechte Noten und nahm 13 Kilo zu! Ich war so fertig, dass ich das Sorgentelefon anrief!“

Eine Person aber stand zu ihr: ihre damalige Mitbewohnerin, selbst eine Ergotherapeutin: „Sie hörte mir immer zu und riet mir, Dinge zu tun, die mir Erfolgserlebnisse bescheren. So habe ich mich in einer Hip-Hop- Tanzgruppe angemeldet, in der ich endlich liebe Leute fand. Diese Unterstützung gab mir die Kraft, die Ausbildung abzuschließen.

Heute bin ich erfolgreich und behandle selbst jugendliche Mobbingopfer. Ich studiere nebenbei weiter, habe den Frustspeck weggetanzt – und wenn ich einen meiner früheren Peiniger auf der Straße treffe, denke ich nur noch: ,armes Würstchen‘.“

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