Ich mach mein eigenes Ding

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Neuanfang im Job

Krise? Kündigung? Das kann man als Bedrohung sehen – oder als Chance: Zehn starke Frauen erzählen in JOY, wie sie mit neuen Jobideen ihr Glück fanden. Zehn packende Geschichten, die Mut machen.

„Im März gekündigt – im Juli hatte ich schon mein Studio“

Melanie Kovac, 34 Jahre, früher Pharmareferentin, jetzt Inhaberin eines Fitness-Studios

Schon Anfang 2009 hatte ich kein gutes Gefühl: Immer seltener konnte ich das Produkt, das ich vertrieb, an den Mann bringen. Aber irgendwie habe ich die Ängste verdrängt, ich gab richtig Gas und hoffte: „Das wird schon.“

Dann teilte mir mein Arbeitgeber im März mit, dass Ende Juni mein letzter Arbeitstag sei. Ich war geschockt: Was sollte jetzt aus mir, einer allein erziehenden Mutter, und meiner achtjährigen Tochter Dalia werden?

Der Frust trieb mich abends immer öfter ins Fitness-Studio . Dort erfuhr ich zufällig, dass der Inhaber aus persönlichen Gründen verkaufen wolle. Das war für mich der entscheidende Wink! Ich hatte früher schon mal in einem Studio gejobbt und kannte mich in der Branche aus. Nur die Finanzierung war schwierig.

Ich überlegte mir ein Konzept, wollte zusätzlich auch Massage und Entspannungskurse anbieten, und schaffte es so, von der KfW Mittelstandsbank einen Kredit über 40.000 Euro zu kriegen. Schon im Juli war Eröffnung. Heute habe ich 100 Kundinnen, drei Mitarbeiter – und endlich Zeit für Dalia.

Mein Tipp: Gute Ideen gibt es viele – viel wichtiger aber ist der Geschäftsplan, denn nur so können Sie die Finanzierung sichern.

„Endlich kann ich flexibel sein“

Andrea Reichelt, 37 Jahre, früher Bankkauffrau, jetzt Beraterin für Büroorganisation

Jede Woche saß ich 40 Stunden in der Bank und das 14 Jahre lang – ganz ehrlich: Darauf hatte ich schon länger keine Lust mehr. Insofern war ich fast ein wenig erleichtert, als ich nach der Elternzeit auf die indirekte Tour „gekündigt“ wurde: Ich sollte plötzlich an einem zwei Stunden entfernten Ort arbeiten, was für mich völlig inakzeptabel war.

Erst stellte ich mich auf ein neues Leben als Hausfrau ein – mein Mann ist Versicherungskaufmann –, doch dann sah ich im Fernsehen einen Bericht über eine Frau, die sich mit Büroorganisation selbstständig gemacht hatte. „Das kann ich auch“, schoss es mir durch den Kopf, immerhin hatte ich schon als Kind Berichtshefte für meine Kuscheltiere angelegt.

In den nächsten Wochen und Monaten habe ich das Marktumfeld analysiert, einen Businessplan erstellt und mich weitergebildet. Bis das Geschäft – ich biete alles von der Aktenarchivierung bis zum Rechnungsschreiben an – halbwegs lief, verging ein Jahr. Als Erstes nahm ich all meinen Mut zusammen und stellte mich bei der örtlichen Tageszeitung vor.

Die waren begeistert und schrieben einen Artikel über meine Geschäftsidee. Am Tag der Erscheinung klingelte das Telefon und ich hatte meinen ersten Großkunden! Danach sprach sich die Sache rum, inzwischen ist daraus sogar ein Vollzeitjob geworden.

Ich verdiene zwar nicht ganz so viel wie früher, dafür bin ich viel flexibler und habe mehr Zeit für die Kinder, weil ich zwei bis drei Stunden am Nachmittag Pause mache und dafür abends länger sitze.

Mein Tipp: Die ersten, die Sie von Ihrer Idee überzeugen müssen, sind Familie und enge Freunde. Ohne deren Rückhalt wird es doppelt schwer.

„Heute freue ich mich auf jeden neuen Tag!“

Nina Wiener, 27 Jahre, früher leitende Hotelangestellte, jetzt Chefin einer Event-Agentur.

Eine Runde im DTM-Wagen drehen, Hochzeit im Heißluftballon, Wildwasserrafting oder einfach ein perfekt durchgeplanter Kindergeburtstag – in meinem neuen Job als Event-Managerin kann ich mit meinen ausgefallenen Ideen Geld verdienen.

Nachdem ich meine Stelle als Leiterin der Hotelgästebetreuung im „Residenz Bavaria“ in Bad Reichenhall verloren hatte, war für mich klar, dass ich in Zukunft in diesem Bereich arbeiten möchte. Schließlich hatte ich vor meinem Hoteljob ein tolles Praktikum in einer Münchner Event-Agentur gemacht. Außerdem kann ich gut Leute unterhalten – immerhin habe ich drei Jahre als Animateurin in „Robinson Clubs“ gejobbt.

Nach einem Besuch beim Arbeitsamt war ich optimistisch: Überbrückungsgeld und Gründungszuschuss reichten, um meine eigene Agentur zu gründen. Natürlich verbringe ich viel Zeit mit der Organisation vor dem PC, ich bin aber auch bei jedem Event vor Ort.

Kinderunterhaltung macht mir am meisten Spaß. Dabei verkleiden sich meine Helfer (zwei freie Mitarbeiter) und ich als Clowns und schminken die Kleinen. Zwar arbeite ich jetzt bis zu 60 Stunden pro Woche und verdiene nach allen Abzügen kaum mehr als früher, aber ich freue mich auf jeden Tag!

Mein Tipp: Sichern Sie sich einen aussagekräftigen Web-Auftritt – Kunden suchen oft zuerst unkompliziert im Internet.

„Meinen ersten Vortrag bestritt ich mit Urlaubsfotos“Sarah Fischer, 36 Jahre, früher Produktmanagerin einer Plattenfirma, jetzt Reisereferentin Eigentlich hatte ich ja den Traumjob: Als Managerin bei einer Plattenfirma reiste ich um die Welt, lernte Stars wie Lenny Kravitz kennen und baute Newcomer wie Reamonn auf. Doch die ganze Branche steckt seit Jahren in der Krise, 2006 war ich dann bei der letzten großen Kündigungswelle dabei. Mit der Abfindung reiste ich durch die Mongolei, um meine Wurzeln zu finden – ich bin als Baby adoptiert worden.

Zurück in München war ich glücklich und völlig pleite. Mit meiner Billig-Kamera hatte ich haufenweise Fotos geschossen. Nach dem Motto „Ich hab ja nichts zu verlieren“ stellte ich die in einer Studentenkneipe aus – und verkaufte 40 Stück.

Das gab mir Mut: Ich holte mir Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt, arbeitete Tag und Nacht und gab im Oktober 2008 meine erste Diashow. Seitdem habe ich mir einen Namen als Mongolei-Expertin gemacht, halte im Winter 45 Vorträge und begleite im Sommer TV-Teams und Reisegruppen.

Mein Tipp: Kein Plan ist je perfekt – probieren Sie lieber Dinge aus, anstatt zu lange in der Theorie an Details zu feilen.

„Mädchen für alles sind sehr begehrt!“

Daniela Schönberger, 32 Jahre, früher Büro-Assistentin, jetzt Lifestyle-Managerin

An sich mache ich das Gleiche wie früher: Als Chef-Assistentin kümmert man sich oft um Dinge, die nichts mit dem Job zu tun haben – eben die kleinen Erledigungen, für die die großen Jungs nie Zeit haben.

Mein erster Kunde war ein Nachbar, Banker mit 70-Stunden-Woche. Er engagierte mich als gute Fee, ich erledige alles vom Einkaufen über Haus-Sitting bis zur Party-Planung . Weitere Kunden kamen aus meinem Freundeskreis, für die ich Urlaubsreisen organisiere oder die Haustiere versorge. Die Sache sprach sich schnell herum, ich habe immer gut zu tun.

Mein Tipp: Kündigung bedeutet nicht Schlussstrich – nutzen Sie Kontakte aus Ihrem alten Job so gut es geht.

„Mit fünf Euro war ich dabei!“Anja Zörner, 24 Jahre, PhonetikStudentin und Dessous-Designerin

Was Dessous angeht, war ich schon immer anspruchsvoll – das für mich perfekte Modell gab es nie im Laden, sondern nur in meinem Kopf. Als ich bei uns in der Uni in München den Aufruf zum „5-Euro-Business“-Existenzgründerwettbewerb sah, dachte ich mir: Wenn du schon so genaue Vorstellungen hast, dann probier das doch einfach mal aus.

Es war ziemlich stressig: Ich hatte nur sieben Wochen Zeit, eine Designmappe zu gestalten, Kontakte zu knüpfen und Sponsoren für die feinen Stoffe und die Herstellung zu finden.

Gewonnen habe ich am Ende zwar nicht, aber dafür alle 22 Slips verkauft. Mit dem Erlös will ich jetzt das Unternehmen weiterführen – denn ich habe viele neue Ideen und auch schon einige Anfragen. Natürlich werde ich das zunächst nur nebenbei betreiben, aber wer weiß: Wenn es so weitergeht, verdiene ich nach dem Studium vielleicht meine Brötchen damit!

Mein Tipp: Existenzgründer-Wettbewerbe gibt es in vielen großen Städten . Sie sind eine tolle Möglichkeit für junge Frauen, ohne Risiko eigene Geschäftsideen auszuprobieren.

„Früher gemobbt, jetzt Chefin!“Anna Daz, 24 Jahre, früher Kosmetikerin, jetzt Geschäftsführerin einer Visagisten-Akademie

Nachdem ich aus meiner letzten Anstellung rausgemobbt wurde, stand für mich fest, dass ich es alleine versuche. Ich bin gelernte Visagistin und hatte Kontakt zu einigen Fotografen , die mir Jobs gaben.

Nach und nach baute ich mein Netzwerk auf, war viel unterwegs – und hatte Glück: 2006 beauftragte mich eine große Kosmetikfirma, Schulungen für ihr Verkaufspersonal zu machen. Heute besitze ich eine Visagisten-Akademie mit drei Angestellten.

Mein Tipp: Nutzen Sie Netzwerkveranstaltungen wie die der IHK, um die richtigen Leute zu treffen.

„Ich hörte auf meinen Bauch“Julia Rumi, 28 Jahre, früher Friseurin, jetzt Yoga-Lehrerin.

Meine Philosophie ist es, hinter allem den positiven Sinn zu sehen. Yoga hat in meinem Leben stets eine große Rolle gespielt, nach meiner Kündigung im Frühjahr 2008 spürte ich, dass ich jetzt auch meine berufliche Zukunft darauf setzen sollte.

Mein Plan: Business-Yoga, Work-Life-Balance und Stressmanagement mit Übungen, die Angestellte am Arbeitsplatz machen können. Vom Konzept bis zum Erfolg war es ein weiter Weg: Ich musste eine Fortbildung in Rhetorik und Coaching machen und habe dann das ganze Branchenbuch auf der Suche nach Kunden durchtelefoniert. Inzwischen bin ich komplett ausgebucht. Gut, dass Yoga gerade so im Trend ist!

Mein Tipp: Wenn Ihr Plan eine Fortbildung benötigt, ist das Arbeitsamt die erste Adresse.

„Meine Business-Idee fand ich in New York!“

Jennifer Kraus, 21 Jahre, Kommunikationsdesign-Studentin und Cupcake-Café-Inhaberin

Letztes Jahr im Herbst habe ich in New York das erste Mal in einen Cupcake gebissen. Hmm! Ich war sofort süchtig nach den bunten Törtchen.

Ein paar Monate später erbte mein Freund etwas Geld und fragte mich, was er damit machen solle. Aus Spaß sagte ich zu ihm: Investier doch in mich – dann mach ich mit dir ein „Jenny’s Cupcake“ auf. Jochen gefiel die Idee, im Juli 2009 war’s dann so weit: Wir eröffneten in Frankfurt unser gemeinsames Café.

Die acht Grundsorten, z. B. den „Chocolate Lovers“ aus Schokokuchen mit Schokobuttercreme, für je zwei Euro backen wir alle selbst. Dazu bieten wir etwas ganz Neues an: Cofftails! Das sind Cocktails wie Coffeepirinha oder Coffee Colada, bei denen wir den Alkohol durch Kaffee ersetzen. In zwei Jahren schließe ich mein Studium ab, dann muss Jochen den Laden vormittags auch nicht mehr alleine schmeißen.Mein Tipp: Gut geklaut ist besser als schlecht erfunden – halten Sie unterwegs die Augen nach Trends offen, die auch in Ihrer Stadt funktionieren können.

„Man ist nie zu alt für den Neuanfang“

Ulrike Rathmann, 34 Jahre, früher Personal-Sachbearbeiterin, jetzt Eigentümerin einer Hypnosepraxis

Meinen Traumberuf fand ich erst im zweiten Anlauf. Ich war schon als Jugendliche von Psychologie fasziniert, doch dann landete ich in einem klassischen Bürojob.

Erst als ich den nach acht Jahren 2007 verlor, begann ich, mich in diesem Bereich fortzubilden. Um das zu finanzieren, stand ich jeden Tag von 17 bis 24 Uhr in einer Videothek und ging morgens um acht in die Schule. Mein Mann und die zwei Kinder sahen mich damals nicht mehr als zwei Stunden am Tag.

Die zwei Jahre waren richtig stressig und haben mich insgesamt 20.000 Euro gekostet, aber im Juni 2009 hatte ich es geschafft und eröffnete meine eigene Hypnosepraxis. Werbung machte ich über Flyer in Arztpraxen – besonders zur Raucherentwöhnung und Gewichtsreduktion kommen die Leute zu mir.

Mein Tipp: Bei langfristigen Projekten nicht die Finanzen aus den Augen verlieren. Machen Sie alle sechs Monate einen Check!

So klappt der Start in die Selbstständigkeit:FortbildungDie KfW Bank bezuschusst Einsteiger-Kurse in Unternehmensführung mit bis zu 90 Prozent Bei beruflichen Fortbildungen hilft das Arbeitsamt weiter.FinanzierungWichtig, bevor Sie konkret loslegen: Beantragen Sie zuerst den Gründungszuschuss beim Arbeitsamt. Nach der Prüfung der Tragfähigkeit Ihres Konzeptes erhalten Sie neun Monate lang einen Betrag in der Höhe Ihres letzten Arbeitslosengeldes plus monatlich 300 € für Sozialleistungen.Schnelle RatgeberBuch-Tipp: Existenzgründung für Frauen: Ihr Start in die Selbstständigkeit von Sylvia Hipp-Wallrabe (Redline, um 19,90 Euro) Internet-Tipp: Die Gründerinnenagentur berät Sie und vermittelt Ihnen Kontakte.

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